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Griechen heben Milliarden Euro ab

Angst vor der Staatspleite Griechen heben Milliarden Euro ab

Aus Angst vor der Staatspleite haben die Griechen längst Milliarden Euro von ihren Konten geholt oder ins Ausland geschafft. Am Wochenende bildeten sich vor Geldautomaten im Land lange Schlangen, weil die Griechen angesichts der wachsenden Unsicherheit ihr Geld in Sicherheit bringen wollen.

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Lange Schlange vor dem Bankautomaten: Besorgte Griechen heben ihr Geld ab.

Quelle: afp

Athen/Thessaloniki. Mit Überraschung, Ratlosigkeit und Sorge haben die Griechen am Samstag auf die Ankündigung ihres Ministerpräsidenten Alexis Tsipras reagiert, das Volk in einem Referendum am Sonntag kommender Woche über die Sparvorgaben der Gläubiger entscheiden zu lassen. Vor den Geldautomaten in Athen und Thessaloniki bildeten sich lange Schlangen, ebenso an den Tankstellen. Die beiden Geldautomaten im griechischen Parlament waren komplett geleert, wie mehrere Quellen der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Auch einige Bankautomaten in Thessaloniki spuckten kein Geld mehr aus, dafür wurde die Schlange vor der Nationalbank immer länger. „Ich habe einen Laden. Ich brauche das Geld, um ihn am Laufen zu halten“, sagt eine der Wartenden, die 42-jährige Maria Kalpakidou. „Wenn wir bis 4. Juli kein Abkommen haben, wird unser Bankensystem zusammenbrechen“, glaubt sie und fügt hinzu: „Wir kennen die Drachme, wir hatten sie schon einmal“. Der 52-jährige Nikos stimmt ihr zu: „Es gibt eine Menge Angst vor dem, was passieren wird“. Er habe beim letzten Mal Syriza gewählt, sagt er: „Aber wir haben für sie gestimmt, damit sie entscheiden, und nicht, damit sie die Verantwortung uns übertragen“.

Giannis Monogios, ein junger Händler, ist genervt: Die Regierung sei „unverantwortlich und heuchlerisch“, schimpft er. „Was bedeutet schon ein Ja oder Nein zu Maßnahmen, wenn wir die Konsequenzen nicht kennen?“ Auch Amalia Notara hält die Regierung für feige: das Referendum sei eine „indirekte Form, Nein zu sagen, ohne die Verantwortung zu übernehmen“.

Griechenland hat keine Übung mit Referenden

Griechenland hat keine Übung mit Referenden, das letzte liegt mehr als vierzig Jahre zurück. Damals, am 8. Dezember 1974, sollte die Bevölkerung zwischen Monarchie und Republik wählen, sie entschied sich für die Republik. Taxifahrer Anastrasios Marcatos ärgert sich: „Das ist ja toll, dass sie uns jetzt nach unserer Meinung fragen. Als wir Europa beigetreten sind, hat uns niemand gefragt“.

So einig sich die Menschen auf der Straße in ihrer Ablehnung des Referendums sind, so uneins sind sie darüber, wie sie sich entscheiden sollen. Vor einem Kiosk in Athen steht der Informatiker Takis Bezaitis und studiert die Schlagzeilen der Zeitungen. „Euro oder Drachme“ titelt die rechtsgerichtete „Eleftheros Typos“. Bazaitis lacht: „Den Schweizer Franken“, sagt der 40-Jährige. Dann wird er ernst. Die Wahl zwischen Ja und Nein lasse ihn ratlos, sagt er: „Für beide Seiten gibt es gute Argumente“.
Anwältin Notara will für die Sparmaßnahmen der Gläubiger stimmen. Ein Nein, so fürchtet sie, werde Griechenland in den Bankrott führen und auf viele Jahre isolieren. Giorgos dagegen will mit Nein stimmen: „Die wollen uns nur reinlegen, das lassen wir nicht mit uns machen“, sagt der 27-Jährige. Er verdächtigt die großen Länder, die Kontrolle über Griechenland übernehmen zu wollen.

Damit ist Giorgos einer Meinung mit der linksgerichteten Zeitung „Efimerida ton Syntakton“: „Sie wollen, dass wir eine Kolonie werden“, titelt das Blatt und ersetzt in einer Karikatur den griechischen Sitz in der Eurogruppe durch einen Elektrischen Stuhl.

Viele Griechen aber sind nach den jahrelangen Diskussionen und immer neuen Sparmaßnahmen nur noch müde. Sie glauben schon lange nicht mehr an eine bessere Zukunft - wie Dimitris Darras, einer der vielen Arbeitslosen in Athen: „Ob die Lösung, für die wir uns entscheiden, schlecht sein wird oder sehr schlecht, für uns kommt es auf dasselbe raus“, sagt er und zuckt fatalistisch mit den Schultern.

afp

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