In Politik und Industrie wächst die Sorge, dass andere Länder bei dieser Zukunftstechnik davonziehen könnten, und so hat man sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum „Leitmarkt“ für Autos mit Elektroantrieb zu machen. Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.
Die Industrie verweist allerdings vorsorglich darauf, dass die Politik dieses Ziel gesetzt habe – also auch auf dem Weg dorthin helfen müsse. Seit Monaten rechnen Branchengrößen wie Martin Winterkorn von VW und Dieter Zetsche von Daimler vor, dass allein den deutschen Herstellern Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe bevorstünden. Zuletzt ließ sich VDA-Präsident Matthias Wissmann vernehmen: Die Ziele der Politik seien „nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen erreichbar“.
Diese dürfte ihm die Kanzlerin am Montag beim Start der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ in Berlin zusichern, aber mehr wohl nicht. „Es wird nicht um Details der Förderung gehen“, heißt es in der Industrie – schon gar nicht, seit Griechenland Milliardenhilfe braucht. Im Konjunkturpaket II sind bereits 500 Millionen Euro für die Elektromobilität vorgesehen, als Pionierkunden für die ersten Autos stehen Behörden bereit. Über weitere Hilfen, vor allem in der Forschung, wolle die Bundesregierung erst im Herbst reden, hieß es zuletzt.
Bis dahin sollen sich die Beteiligten erst einmal sortieren, denn neben der Autobranche und den Energiekonzernen sitzen allein vier Bundesministerien mit im Boot. Ein „sehr komplexer Apparat“ sei da zu koordinieren, sagt ein Beteiligter.
Diese Aufgabe kommt auf den ehemaligen SAP-Chef Henning Kagermann zu, der die Galionsfigur der Initiative sein soll. Unter Kagermanns Führung sollen mehrere Arbeitsgruppen die Probleme der Elektromobilität angehen. An Themen herrscht kein Mangel. Ganz vorn steht die Entwicklung der Batterietechnologie, die bei Weitem noch nicht für sorglosen Alltagsbetrieb ausreicht. Gleichzeitig ist der Rückstand der deutschen Industrie gegenüber der asiatischen Konkurrenz hier am größten. Die zweite große Baustelle ist das Stromnetz, das auf völlig neue Anforderungen ausgerichtet werden muss. Und nicht zuletzt geht es um die Kraftwerke: Im heutigen Energiemix würde bei der Stromproduktion nicht weniger Kohlendioxid erzeugt als bei der Benzinverbrennung.
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Deutsche Bank / Realtime Indikation

Kommentare
CDU: Elektroautos, mehr Atom & Monopole Anmerkelung – 03.05.10
Bereits jetzt zeichnet sich die Linie deutlich ab, wie sich die bisher recht untätige Union die Entwicklung der neuen Automobiltechnologie vorstellt.Größter Joker wird der Ausbau der Atomenergie sein, den man uns angeblich wegen der vielen E-Autos mit Gewissheit aufoktroieren wird. Dazu dient auch diese "Nationale Plattform". Man weiß jedoch bereits, dass man mächtig verschlafen hat und schon jetzt die chinesische Konkurrenz nur schwerlich aufholen wird. Die haben ihre Entwicklung und Forschung bereits vor Jahren begonnen, sind weiter als wir hier.
Bis 2015 sollen in Frankreich , in dem Atomstrom dominiert, 75 000 Stromtankstellen und Stationen für Batterie-Wechsel entstehen. Conti will erst 2011 einen E-Motor auf den Markt bringen und Frankreich damit beglücken. Auch wenn nun Merkel markiert, es gebe vorerst keine weiteren "staatlichen Prämien", so wird offenbar, hierzulande haben die Automobilhersteller konserviert und wenig dahingehend getan und geforscht. Erneut betteln angeblich gewinnbringende stolze Unternehmen die Regierung an, um ihre Aufgaben vom Steuerzahler finanzieren und doppelt bezahlen zu lassen, denn der Steuerzahler zahlt später die Entwicklungskosten beim Kauf erneut.
Merkel will daher auch erst im Herbst wieder über eventuelle Finanzspritzen für die Hersteller reden, weil ihr offensichtlich das Thema jetzt in der Griechenlandkrise doch zu heiß ist.
Bis 2020 sollen nach dem Willen der Bundesregierung eine Million Elektroautos in Deutschland zugelassen sein. Da kann sich jeder das Tempo ausrechnen, in dem dies vonstatten geht. Man spielt auf Zeit und fördert inzwischen Atomstrom, weil man es ja hier ebenfalls versäumt hat, "Leittechniken" auf dem Energiesektor zu entwickeln, sondern lieber auf alte, ressourcen-endliche Konzepte wie Kohlekraftwerke und Atomstrom und zudem klimafeindliche gefährliche Konzepte setzen wollte.
Des Weiteren wird das jetzt schon fragwürdige Monopol der Energielieferanten weiter untermauert, statt ein dezentralisiertes Energienetz zu fördern.
Elektroautomobile ja, aber das "wie" ist ebenso wichtig!