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Nördliche Bundesländer werden zu Großreedern

Hamburg und Schleswig-Holstein Nördliche Bundesländer werden zu Großreedern

Seit etwa einem Monat zählen die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein zu den größten Reedern im Land - jedenfalls indirekt. Sie mussten von der HSH Nordbank in Hamburg Schiffskredite im Nennwert von 5 Milliarden Euro übernehmen und suchen Investoren.

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Das Geschäft mit Schiffsdarlehen war lange lukrativ – inzwischen bauen Banken jedoch ihre Kreditbestände massiv ab.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Hamburg/Hannover. Dahinter stehen als Sicherheiten Containerschiffe, Tanker und Massenguttransporter - insgesamt 256 Schiffe, eine veritable Flotte. Die eigens gegründete öffentlich-rechtliche Anstalt, die im Auftrag der Länder diese Kredite verwalten und abbauen soll, hat für viele Jahre zu tun. Und die HSH Nordbank ist ihre faulsten Schiffskredite los. So soll die Bank verkaufsfähig werden.

Die Landesbank aus dem Norden ist nicht allein mit dem Vorhaben, das einstmals lukrative Geschäft mit Schiffskrediten herunterzufahren. Andere Geldhäuser wie die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) mit ihrer Tochter Bremer Landesbank wollen ebenfalls Kredite loswerden. Der hannoversche Konzern gehört zu den größten Schiffsfinanzierern. Er hatte Ende März insgesamt noch 1480 Schiffe im Bestand. Das Kreditvolumen lag bei über 18 Milliarden Euro, soll aber in den nächsten Jahren auf 12 bis 14 Milliarden Euro schrumpfen.

Das starke maritime Engagement deutscher Kreditinstitute beruht auf den Erfolgen der Vergangenheit. Bis zum Jahr 2008 boomte die Schifffahrt. Deutsche Reeder bauten die größte Containerschiffsflotte der Welt auf. Zeitweise kontrollierten sie mehr als 3500 Schiffe. Begünstigt wurde die starke Position der deutschen Schifffahrt durch Steuervorteile für Anleger und das Engagement der hiesigen Banken. Die Institute finanzierten weltweit Tanker, Massengutschiffe und Containerfrachter.

Doch seit 2009 ist die Schifffahrt von einer tiefen Krise ergriffen. Viele Frachter fahren kaum ihre Betriebskosten ein und können Zins und Tilgung für die Kredite nicht mehr bedienen. Folglich verfielen auch die Preise für gebrauchte Schiffe, die als Sicherheit für die Darlehen damit nicht mehr ausreichten. Mit allerlei kreativen Instrumenten, Stundungen, Streckungen, Nachschüssen, Tilgungspausen und Ähnlichem konnten Banken und Reeder bisher die Pleitewelle eindämmen.

Die gebrauchten Schiffskredite, die nun auf den Markt kommen, lassen sich nicht genau beziffern. Es dürften um die 20 Milliarden Euro sein. Das ist viel - aber gemessen am Gesamtmarkt doch überschaubar. Nachfrager sind andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Private-Equity-Fonds und sonstige Investoren. Es gibt genügend Geld auf der Welt, das nach rentierlicher Anlage sucht - aber niemand will große Risiken eingehen.

Für manche Investoren wie die Hamburger Berenberg Bank ist jedoch der Zeitpunkt gekommen, wieder einzusteigen. „Wir sehen in dem Markt ein interessantes Chancen-Risiko-Profil“, sagt Tobias Bittrich, Leiter Corporate Banking. „Weil viele Investoren den gesamten Schifffahrtsbereich meiden, sind am Markt Überrenditen zu erzielen.“

Von einem „durchaus spürbaren Interesse institutioneller Investoren an Schiffen und Schiffsportfolien“ berichtet auch die Norddeutsche Landesbank. Sie sei deshalb zuversichtlich, ihre Abbauziele zu erreichen.

Neubau in Bremen für 50 Millionen Euro

Die in Schieflage geratene Bremer Landesbank hat nach dreieinhalb Jahren Bauzeit ihren neuen Stammsitz eröffnet. „Wir werden etwas unter 50 Millionen Euro bleiben. Die Kosten liegen damit unter 2000 Euro je Quadratmeter“, sagte Vertriebsvorstand Guido Brune. In dem siebengeschossigen Gebäude sind schon 350 Mitarbeiter eingezogen. Ausgelegt ist das Gebäude für 500 Beschäftigte. Die Bank leidet unter faulen Schiffskrediten und erwartet für 2016 einen Fehlbetrag von mehreren Hundert Millionen Euro.

Von Eckart Gienke und Albrecht Scheuermann

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Entscheidung

Die NordLB übernimmt die Bremer Landesbank komplett. Damit sind am späten Mittwochabend die Würfel um die Zukunft der Bank gefallen, die an der Lage auf den Schiffsmärkten leidet. In Bremen herrscht derweil Katerstimmung: Das Land verliert Geld und ein Stück Eigenständigkeit.

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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