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17:36 18.03.2016
Von Jens Heitmann
Barack Obama im Oval Office: Marco Siebert hat den US-Präsidenten nach Hannover gelockt. Quelle: afp/oh
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Hannover

Wer ins Weiße Haus einziehen möchte, muss zunächst durch die Bundesstaaten tingeln. Nur wer nachweist, dass er ausreichenden Rückhalt im amerikanischen Hinterland organisieren kann, bekommt auch in Washington die Chance, sein Ziel zu erreichen - das geht Donald Trump und Hillary Clinton in diesen Wochen nicht anders als Marco Siebert bis vor wenigen Monaten. Der 44-Jährige hatte einen besonderen Auftrag im Oval Office zu erfüllen: Er sollte Barack Obama auf die Hannover Messe lotsen. Fast fünf Jahre dauerte die Mission: „Ich musste Klinken putzen gehen“, sagt der zuständige Projektleiter. „Viele Klinken.“

Die Mammut-Tour durch viele der Vereinigten Staaten diente der Akquise - zunächst an Unterstützern, letztlich aber auch an Ausstellern und Besuchern. Die Messegesellschaften stehen vor einem Problem: Während der Veranstaltungsmarkt in Deutschland kaum noch wächst, steigen die Ansprüche der Aussteller - sowohl an den Service als auch an die Internationalität. Für viele Firmen rechnet sich der Aufwand für einen Messe-Auftritt nur, wenn auch zahlreiche Kunden aus dem Ausland kommen, die sie sonst nicht erreichen.

Lockvogel für Aussteller

Deshalb haben sich die Messe-Macher in Hannover einen besonderen Dreh einfallen lassen: Sie küren zur Cebit und zur Industrieschau jeweils ein „Partnerland“. Dank der diplomatischen Rückendeckung aus Berlin kommen außer der Bundeskanzlerin auch die Präsidenten oder Premierminister der Gastnation zur Eröffnung - und dienen als eine Art Lockvogel für mehrere Hundert Aussteller, die sonst nicht nach Hannover kämen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Protokollchef der Messe, Michael Rose.

Die Liste der Ehrengäste ist lang: Im vergangenen Jahr hat Indiens Regierungschef Narendra Modi die Hannover Messe eröffnet, 2013 reiste Wladimir Putin an und vor ihm Chinas damaliger Premier Wen Jiabao. US-Präsidenten aber ticken anders: Sie reisen nur selten über den Atlantik - und Messen eröffnen sie in Europa schon gar nicht. Zudem schienen Obama die Handelspartner in Asien wichtiger als die auf dem „alten Kontinent“. Messe-Chef Wolfram von Fritsch wollte ihn dennoch nach Hannover locken. „Das war mein Auftrag“, sagt Unterhändler Siebert.

Per Privatjet zur Hannover Messe

Einen Anknüpfungspunkt immerhin gab es: Obama hat die Reindustrialisierung Amerikas zu einem Ziel seiner Präsidentschaft erklärt. Das hören auch die amerikanischen Anlagenbauer gerne - denn während sich China zur Fabrik für die Welt entwickelt hat, ist der Anteil der US-Industrie an der weltweiten Wertschöpfung kontinuierlich gesunken. Entsprechend offen waren die Ohren bei den Wirtschaftsverbänden für die Partnerland-Idee „made in Germany“.

Als der Chef der US-Handelskammer im vergangenen Jahr per Privatjet zur Hannover Messe einflog, war ein wichtiges Etappenziel erreicht. Neben Thomas Donohue unterstützte auch der US-Maschinenbauverband Nema das Konzept; zudem wurden die deutsche Industrielobby und der Botschafter in Washington aktiv - am Ende hätten sich auf dem Schreibtisch von Handelsministerin Penny Pritzker die Empfehlungsschreiben gestapelt, heißt es.

Und der Präsident selbst? Über die diplomatische Feinarbeit im Hintergrund schweigen sich die Messe und die Diplomaten in Berlin aus. Geholfen habe wohl auch, dass der Terminkalender von Obama in den letzten Monaten seiner Amtszeit nicht mehr ganz so voll sei wie zu Beginn, heißt es. Trotzdem habe sich die Bundeskanzlerin die „Vorarbeiten“ der Messemacher in Hannover sehr genau angeschaut. Mit anderen Worten: Angela Merkel lädt Staats- oder Regierungschefs erst dann offiziell ein, wenn sicher ist, dass sie auch kommen.

Die Hannover Messe

Die Eröffnung der Hannover Messe wird für Barack Obama nur eine von mehreren Stationen in Deutschland sein. Normalerweise nutze der US-Präsident solche Reisen „als Chance für andere Ereignisse am Rande“, sagte der amerikanische Botschafter John B. Emerson kürzlich anlässlich einer Pressekonferenz der Messe in Hannover. Obama lege großen Wert auf die politische Dimension seines Besuches. „Er freut sich offensichtlich sehr darauf, eine Menge Zeit mit Kanzlerin Angela Merkel zu verbringen“, sagte Emerson. Die Industriemesse findet vom 25. bis zum 29. April statt, offiziell eröffnet wird sie am Abend des 24. April. Erwartet werden 5000 Aussteller, darunter 250 aus den USA – 150 mehr als üblich.

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