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„Vorschriften machen das Bauen so teuer“

Helma-Chef Maerzke „Vorschriften machen das Bauen so teuer“

Helma-Eigenheimbau-Chef Karl-Heinz Maerzke klagte im Interview über die Vorschriften, die das Bauen so teuer machen, den Aussichten für die Branche, Headhunter – und Eidechsen.

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Klagt über die Kostensteigerung beim Bauen durch schärfere Vorschriften: Helma-Chef Karl-Heinz Maerzke.

Quelle: Rainer Surrey

Wie sieht derzeit die Geschäftslage bei den Hausbaufirmen aus?

Es könnte natürlich immer noch besser laufen, aber wir sind zufrieden. Seit 2009 haben wir bei Helma jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen, auch dieses Jahr wird das so sein.

Auch die Aussichten für die Branche gelten als gut. Sie müssten also rundum zufrieden sein?

Leider nicht ganz. Wir sehen schon Wolken am Horizont. Auch die Hochkonjunktur hat ihre Probleme. So fällt es immer schwerer, qualifiziertes Personal zu bekommen. Bei uns arbeiten überwiegend Studierte. Techniker und Ingenieure sind sehr gesucht. In Ballungsräumen wie München ist der Markt total leer gefegt. Und die Methoden der Headhunter werden immer rustikaler.

Was meinen Sie damit?

Sie rufen heute nicht mehr nur bei den potenziellen Kandidaten im Büro an, sondern kommen zu uns in die Firma, getarnt als angebliche Hausinteressenten, um Kontakt aufzunehmen.

Was tun Sie, um Ihre Leute zu halten?

Wir zahlen entsprechend gute Gehälter und bieten auch sonst allerhand. Gerade haben wir eine Kantine hier in Lehrte eröffnet, es gibt Sportgruppen, kostenlose Massagen und Yoga.

Können Flüchtlinge helfen, den Mitarbeitermangel zu lindern?

Bei uns jedenfalls kaum. Wir brauchen nur Leute mit guter Ausbildung oder Hochschulabschluss.

Bauen wird teurer. Woran liegt das?

Zum Teil an den höheren Kosten für Baumaterial und Personal. Zudem verlangen die Kunden heute auch einen gewissen Standard, der ins Geld geht. Zum Beispiel verursachen bodengleiche Duschen einen erheblichen Mehraufwand. Aber mehr als die Hälfte der Baukostensteigerung ist auf die ständige Verschärfung der Vorschriften und Normen zurückzuführen.

Was meinen Sie damit?

Es ist eine Unzahl von einzelnen Regeln. Jede für sich ist gar nicht so gravierend, aber alle zusammen werden zu einem immer größeren Problem.

Also sind die Politiker daran schuld?

Nein, sie sind es nicht allein. Eine wichtige Rolle spielen auch die DIN-Ausschüsse, die die Normen festlegen. Sie machen sich ständig Gedanken darüber, wie man das Leben im Haus noch leichter und sicherer machen kann.

Hört sich doch gut an ...

Dies führt zu einer ständigen Verteuerung, obwohl die Vorteile immer geringer werden, zum Beispiel beim Schallschutz. Manche Normen sind nur theoretisch machbar, wir wissen manchmal gar nicht mehr, wie wir sie erfüllen sollen.

Sind Sie denn verpflichtet, nach Norm zu bauen?

Grundsätzlich nicht. Aber wenn erst mal eine Norm veröffentlicht ist, gilt sie bald als Stand der Technik. Dann muss die Baufirma mit Klagen rechnen, wenn sie sich nicht dran gehalten hat.

Als Kostentreiber gelten auch die Energiesparvorschriften im Hausbau. Zu Recht?

Ja. Zur Jahreswende ist die Energieeinsparverordnung erneut verschärft worden. Dies allein führt zu einem Baukostenanstieg von durchschnittlich 7,3 Prozent – bei fragwürdigem Nutzen. Inzwischen sind unsere neuen Häuser schon so gut gedämmt, dass wir sie kaum ohne Lüftungsanlage verkaufen können – am besten noch mit Wärmerückgewinnung. Das allein kostet bei einem Einfamilienhaus 10 000 bis 15 000 Euro. Übrigens haben wir nichts gegen das Energiesparen, im Gegenteil. Helma gehört sogar zu den Pionieren bei der Entwicklung des energieautarken Hauses. Jetzt bauen wir in Berlin erstmals auch ein Mehrfamilienhaus, das keine Energie von außen benötigt.

Sprechen Sie mit den Politikern über das Baukostenproblem?

Natürlich. So hat unser Verband kürzlich der Bundesbauministerin Hendricks eine Studie mit zehn Vorschlägen überreicht, wie man Bauen billiger machen kann. Dazu gehört übrigens auch eine Begrenzung der Grunderwerbsteuer, die jetzt teilweise schon bei 6,5 Prozent liegt. Man hört uns an und nimmt das zur Kenntnis. Aber ob und wann sich etwas ändert, weiß ich nicht.

Was bremst den Wohnungsbau noch?

Es mangelt in den Ballungsräumen an Bauland – und das lässt sich nicht schnell beheben. Heute dauert es bis zu acht Jahre, ein Baugebiet zu entwickeln.

Woran liegt das?

Unter anderem am Naturschutz. Zum Beispiel haben in Berlin 25 Eidechsen ein Helma-Projekt mit 200 Häusern um ein Jahr verzögert. Wir mussten die Tiere umsiedeln. Da sie nicht nach Brandenburg gebracht werden durften, mussten wir für sie in Berlin eine neue Heimat finden, das war nicht so einfach.

Wie lange dauern Genehmigungsverfahren?

Für ein Mehrfamilienhaus in der Stadt rechnen wir inzwischen mit einem Jahr Bearbeitungszeit. Dies liegt auch daran, dass die Behörden die Bauanträge für die Errichtung von Flüchtlingsheimen schnell bearbeiten müssen. Ich habe aber Verständnis für die Mitarbeiter. Mehr als arbeiten können sie auch nicht.

Alle sind sich einig, dass viel mehr Wohnungen gebaut werden müssen. Sehen Sie dafür Chancen?

Man schätzt, dass wir in Deutschland jährlich 400 000 neue Wohnungen brauchen. In Niedersachsen müssten 12 000 Wohnungen jährlich neu gebaut werden, derzeit sind es 6000. Das ist schon ein Brett. Unter den derzeitigen Bedingungen wird das so bald nichts werden.

Interview: Albrecht Scheuermann

Zur Person

Karl-Heinz Maerzke (63) ist Gründer und Hauptaktionär der Helma Eigenheimbau AG in Lehrte. Das Unternehmen mit seinen Tochtergesellschaften hat mehr als 200 Mitarbeiter in Lehrte sowie einigen Niederlassungen. Der gelernte Bankkaufmann ist seit 1974 in der Baubranche, er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Ehrenamtlich ist er Vorsitzender des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Niedersachsen/Bremen.

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