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Deutschland / Welt Herbert Diess ist der neue Buhmann bei VW
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Herbert Diess ist der neue Buhmann bei VW
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00:15 14.03.2016
Von Lars Ruzic
Déjà-vu in der VW-Machtzentrale: Betriebsrat und Markenchef ringen um den Kurs des krisengeplagten Autokonzerns.   Quelle: Jochen Lübke
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Hannnover

Lange haben sie in Wolfsburg von einem alten Feindbild gelebt. Wolfgang Bernhard war von 2005 bis 2007 Chef der Markengruppe Volkswagen, heute ist er Lkw-Chef bei Daimler. Der Mann aus dem Unterallgäu wollte damals die VW-Kernmarke radikal verschlanken, die hauseigene Komponentenfertigung weitgehend ausgliedern. Es dauerte nicht lange, da war die Belegschaft auf der Zinne. Am Ende setzte sie sich durch und Bernhard floh in die USA zu einem Finanzinvestor. In diesen Tagen fällt Bernhards Name wieder auffallend oft auf den Fluren und in den Hallen Wolfsburgs. Denn so mancher in der VW-Machtzentrale erlebt ein Déjà-vu.

Der neue Buhmann heißt Herbert Diess, ist Österreicher und ein BMW-Gewächs. In München soll er sich einen Ruf als Kostendrücker erworben haben, dem er nun offenbar erneut gerecht wird - in Wolfsburg, als Chef der Marke VW Pkw. Nicht weniger als ein „New Volkswagen“ will Diess bauen - effizienter, produktiver, auf die Technologien der Zukunft ausgerichtet.

„Unsere Branche wird sich dramatisch verändern“, rief er den Beschäftigten bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg am Dienstag zu. „Und wir müssen alles daransetzen, dass unsere Marke dann zu den Gewinnern gehört.“ Deshalb will Diess Wildwuchs stärker kappen, als sie das in Wolfsburg gewohnt sind. Nicht nur, weil der Abgas-Skandal den Konzern schon genug Milliarden kosten wird. Auch, weil die Marke das Geld für die Zukunftsinvestitionen verdienen muss.

„Inhaltlich setzt er viele richtige Themen“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh noch im Januar. Nur „beim Mitnehmen der Menschen muss er dazulernen“. Damals bestätigte der Betriebsratschef erstmals, dass Diess im Verwaltungsbereich 10 Prozent Produktivitätsgewinne anstrebt - innerhalb eines Jahres. Das Ziel haben beide Seiten inzwischen auf zwei Jahre gestreckt.

Die Wogen geglättet hat das allerdings nicht - im Gegenteil: Osterloh geht Diess inzwischen weitaus härter an. Im nicht öffentlichen Teil der Betriebsversammlung fand er unter dem Applaus der 20 000 Beschäftigten deutliche Worte. „Wer seine Botschaften so verteilt, als würden sie wie Weisheiten vom Himmel regnen“, soll Osterloh gewettert haben, „der hat noch nicht verstanden, was wir bei Volkswagen brauchen: zum Beispiel Führungskräfte, die tatsächlich Bescheid wissen und im wahrsten Sinne des Wortes im Film sind.“

Auch Diess’ Pläne, die Marke VW in vier Baureihen zu unterteilen, um sie dezentraler führen zu können, stoßen auf wenig Gegenliebe. „Bei dem einen oder anderen Chart, das uns beim Thema Struktur gezeigt wird, werde ich den Verdacht nicht los, dass auch Führungskräfte alle ihre Denkzellen anstrengen müssen, damit sie vor lauter Bäumen den Wald noch sehen“, machte sich Osterloh lustig. Klar ist, zwischen den beiden verläuft künftig die Frontlinie - wie einst zwischen Osterloh und Bernhard. Mit einem Unterschied, wie ein Gewerkschafter meint: „Bernhard hatte uns wenigstens am Anfang als Freunde an seiner Seite.“

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