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Lösegeld? Zahlt die Versicherung

Hilfe im Entführungsfall Lösegeld? Zahlt die Versicherung

Es ist ein Geschäft über das keiner gerne redet, weil es die Erfolgschancen mindert und zwielichtige Gestalten anzieht: Versicherungen wie die Allianz und der HDI-Konzern bieten Policen für den Entführungsfall an. Sie arbeiten dabei eng mit Krisenberatern zusammen.

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Wer hilft im Entführungsfall? Die Polizei sichert Spuren, Versicherer zahlen gegebenenfalls das Lösegeld - aber nur in enger Zusammenarbeit mit den Behörden. Foto: dpa

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Hannover. Viele deutsche Unternehmen machen weltweit Geschäfte und die Mitarbeiter müssen nicht selten auch in gefährliche Gegenden reisen. Ob El Salvador oder Kenia, Algerien oder Pakistan - in etlichen Ländern drohen erhebliche Risiken, Entführungen zum Beispiel. Für den Fall des Falles können aber Vorkehrungen getroffen werden. Es hat sich inzwischen eine Branche entwickelt, deren Geschäft es ist, den Opfern zu helfen. Dazu gehören auch Versicherer, die Lösegeldzahlungen abdecken. Doch der Markt ist klein und verschwiegen, gerade in Deutschland. Die hiesige Aufsichtsbehörde will nicht, dass das Angebot an die große Glocke gehängt wird - man fürchtet ungewollte Werbung für diese Form der Kriminalität. Bis Ende der Neunzigerjahre war das Geschäft hierzulande sogar ganz verboten.

Insgesamt bietet nur etwa ein Dutzend Versicherer weltweit Versicherungsschutz für „Kidnap und Ransom“ (K&R), also für den Entführungs- und Lösegeldfall, meist noch erweitert um den Tatbestand der Erpressung. In Deutschland sind es die Allianz sowie der hannoversche HDI-Konzern. Als klarer globaler Marktführer gilt jedoch der Londoner Spezialversicherer Hiscox.

Keine Werbung erlaubt

Mit einem geschätzten jährlichen Prämienvolumen von rund 400 Millionen Euro ist der Markt sehr überschaubar, man kennt sich in der Branche. „Wir sind wie eine Familie“, sagt ein Insider, der nicht genannt werden will. Die Zurückhaltung ist in Deutschland nicht ohne Grund besonders ausgeprägt. Bis 1998 waren derartige Versicherungen hier ganz verboten - wegen der Sorge, dass dadurch die Entführungskriminalität noch gefördert wird. Seitdem können die Versicherer zwar solche Verträge anbieten, aber nur unter Bedingungen. So dürfen die Unternehmen keine Werbung dafür betreiben und müssen ihre Kunden vor dem Abschluss beraten, wie man Entführungen vorbeugen kann.

Seitdem hat sich auch hierzulande allerhand getan. „Heute haben praktisch alle Dax-Unternehmen eine K&R-Police abgeschlossen“, berichtet ein Experte. Doch der Kundenkreis sei viel größer. Schließlich seien heute auch mittlere und kleinere Unternehmen in Ländern unterwegs, wo Entführungen und Erpressungen fast an der Tagesordnung sind.

Auch für wohlhabende Privatleute

„Wenn ein kleiner Maschinenbauer im Süddeutschen einen Mitarbeiter zum Beispiel nach Mexiko oder Nigeria schickt, ist der oft nicht begeistert.“ Da gehöre es zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, für maximale Sicherheit zu sorgen. Dabei darf das Unternehmen die Mitarbeiter noch nicht einmal über die Tatsache informieren, dass eine solche Versicherung überhaupt existiert. Stattdessen heißt es dann: „Wir haben ein entsprechendes Risk Management installiert.“ Versicherungsverträge werden unter Codenamen abgeschlossen.

Aber auch wohlhabende Privatleute sichern sich für den Entführungsfall ab. Dabei sind die Lösegelder, die bei Entführungen gefordert werden, oft gar nicht so hoch. Manchmal sind es nur ein paar Tausend Euro. „In manchen Ländern sind Entführungen eine regelrechte Industrie, da bringt es die Masse“, sagt ein Insider.

Der Lösegeldtransfer ist eine Herausforderung

Die Versicherer sind allein für die Erstattung des Lösegeldes zuständig, die Verhandlungen führen sogenannte Krisenberater. Diese sind an sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar und stets der erste Ansprechpartner, wenn der Mitarbeiter eines Unternehmens gekidnappt wurde. Marktführer dieser kleinen Branche ist Control Risks in London, im Geschäft sind auch Red24 in London, die Result Group in München und Toribus in Hamburg. Manche Versicherer arbeiten exklusiv mit einer dieser Firmen zusammen, andere haben einen Pool, damit der Kunde selbst die Auswahl treffen kann. „In dem Geschäft geht es um Vertrauen, da muss die Chemie stimmen.“

Ohne die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort geht es nicht. Dabei kommt es allerdings auf genaue Kenntnisse des jeweiligen Landes und seiner Behörden an, erläutert der Experte. Die Krisenberater wissen, an wen sie sich zu wenden haben. „Die Polizisten um die Ecke sind oft korrupt, aber es gibt meist auch in schwierigen Ländern Stellen, die sauber sind.“

Eine Herausforderung ist oft der Lösegeldtransfer. Wegen der verschärften Geldwäschebestimmungen in den meisten Ländern kann man größere Summen Bargeld nicht einfach im Koffer an Ort und Stelle bringen. Auch dafür braucht es Kontakte zu den richtigen Stellen - was zum Beispiel die Möglichkeit eröffnet, Geld im Diplomatengepäck über die Grenze zu bringen.

Zehn Länder extrem gefährlich

Weltkarte der Risiken: Der Sicherheitsspezialist Control Risks in London aktualisiert alljährlich eine Weltkarte, die alle Länder nach ihrer Gefährlichkeit einteilt. Berücksichtigt werden dabei die Risiken Diebstahl und Kleinkriminalität, Überfall, Sachbeschädigung und Betrug, Entführung, Mord und Totschlag. Die Skala reicht von unbedeutendem bis zu extremen Risiko. Derzeit sind zehn Länder beziehungsweise Regionen in diesen Ländern als extrem gefährlich eingestuft, drei mehr als vor einem Jahr. Das sind Somalia, der Irak, Syrien, Afghanistan, Jemen, die Zentralafrikanische Republik, Sudan, Nigeria, Pakistan und die demokratische Republik Kongo.

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