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Hunderttausende Herzschrittmacher müssen zum Update

Hackerangriffe möglich Hunderttausende Herzschrittmacher müssen zum Update

Es ist ein Alptraum für Patienten: Aufgrund einer Sicherheitslücke besteht die Gefahr, dass Hacker auf die Herzschrittmacher der Firma Abbott zugreifen. Der Software-Fehler soll mit einem Update geschlossen werden. Ärzte raten dennoch zu Gelassenheit.

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Hunderttausende Patienten mit Herzschrittmachern der Firma Abbott müssen ins Krankenhaus (Symbolbild).

Quelle: dpa

Hannover. Es ist eine Vorstellung, die für alle Betroffenen äußerst unangenehm sein dürfte: Wegen eines Systemfehlers können Hacker per Funk auf die Herzschrittmacher eines US-Herstellers zugreifen und die Einstellungen verändern. Hunderttausende Patienten mit Geräten des Pharmakonzerns Abbott müssen deshalb weltweit zum Update ihrer Geräte ins Krankenhaus. Darauf weist das Unternehmen auf seiner Internetseite hin. Möglich sei es unter anderem auch, die Batterien über den Zugriff per Funk zu leeren – theoretisch jedenfalls. Bisher sei dem Unternehmen allerdings kein solcher Fall bekannt.

Diese Geräte sind betroffen

In Deutschland sind rund 12 000 Geräte des Herstellers St. Jude Medical betroffen, wie eine Sprecherin von Abbott am Freitagmorgen auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) sagte. Bei den Herzschrittmachern, um die es geht, handelt es sich um die Modelle Accent SR RF, Anthem RF, Accent MRI, Accent ST, Accent DR RF, Assurity, Assurity MRI, Allure RF sowie Allure Quadra RF und Quadra Allure MP RF. Abbott hatte das Unternehmen im Januar diesen Jahres übernommen. Mit einem Software-Update soll die Sicherheitslücke nun geschlossen werden, „um das Risiko zu reduzieren, dass Patienten durch potenzielle Schwachstellen in der Internetsicherheit gefährdet werden“, heißt es bei der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA).

Die Gefahr für einen Hackerangriff ist gering

Ärzte raten Betroffenen in diesem Fall allerdings zu großer Gelassenheit. „Ein Cyberangriff auf Herzschrittmacher – das hört sich wild an, die Gefahr ist meines Erachtens aber enorm gering“, erklärt der Kardiologe Christian Veltmann von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Auch Oliver Grieve vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein warnt vor einer Panikmache. „Das Update ist eine reine Vorsorgemaßnahme. Weltweit habe noch keinen Fall gegeben, dass ein Herzschrittmacher gehackt wurde.“ Ein Update müsse deshalb auch nicht sofort – also heute oder morgen – aufgespielt werden. „Die betroffenen Herzschrittmacher werden im Rahmen der nächsten Routinekontrolle upgedatet.“

Um einem Schrittmacherpatienten schaden zu können, müssten sich Hacker dem Betroffenen zunächst bis auf wenige Meter nähern und sich dann mit großem technischen Aufwand und Können in das Gerät hacken. Selbst wenn all das gelinge – und falls jemand überhaupt ein Motiv für solch eine Tat haben sollte –, setze das Herz des Trägers keineswegs sofort aus, sondern falle auf seinen eigenen Rhythmus zurück, erläutert Veltmann. „Mit einem Puls von zum Beispiel 40 kann man schlecht dauerhaft leben, es ist aber auch nicht akut lebensbedrohlich“, erläutert der Kardiologe. Ein größeres medizinisches Problem gebe es in diesem sehr theoretischen Fall vor allem, wenn der Patient über keinen eigenen Herzrhythmus mehr verfügt.

Das Update dauert nur drei Minuten

Insgesamt tragen in Deutschland nach Schätzungen rund 500 000 Menschen einen Herzschrittmacher. Ähnliche Sicherheitslücken sind nach Veltmanns Einschätzung auch bei anderen Herstellern theoretisch denkbar, bislang aber nicht bekannt. An der MHH wurden rund 30 Stück eines der betroffenen St.Jude-Modelle eingesetzt. „Wir werden jeden Fall individuell prüfen“, versichert Veltmann.

Nach Angaben des Herstellers dauert das Update rund drei Minuten. Weil die Geräte per Funk gesteuert werden können, ist eine Operation nicht notwendig. Während des Prozesses wird das Gerät kurzzeitig in den Back-up-Modus versetzt, lebenserhaltende Maßnahmen werden laut Abbott aufrechterhalten. Für das Update werde ein mit einem Computer verbundener Stab über den Herzschrittmacher gehalten. So könne der Arzt die aktuellen Einstellungen überprüfen und gegebenenfalls anpassen, erklärte die Sprecherin den Prozess dem RND. Der Herzschrittmacher funktioniert auch ohne das Update einwandfrei, versichert Abbott betroffenen Patienten. Von einer vorsorglichen Entfernung rät das Unternehmen ab.

Einstellungen können zurückgesetzt werden

Doch es gibt auch Risiken, gibt das Unternehmen zu bedenken. So sei es möglich, dass das Gerät aufgrund eines unvollständigen Updates wieder auf eine vorherige Version zurückgesetzt wird. Auch die aktuellen Einstellungen könnten gelöscht werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geräte während des Updates tatsächlich ausfallen, sei mit 0,003 Prozent extrem gering.

Weltweit sind 745 000 Herzschrittmacher betroffen, darunter 465 000 in den USA, wie die Kontrollbehörde FDA mitteilte.

Von Anne Reck und Thorsten Fuchs/RND

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