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Glänzendes Blech, trübes Geschäft

IAA Nutzfahrzeuge Glänzendes Blech, trübes Geschäft

Auf der IAA in Hannover beherrschen die diversen Krisenherde die Gespräche. Heute öffnet die Messe für das Publikum. Das bietet die Brummi-Schau.

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Keine Messe ohne Rundgang: VW-Chef Martin Winterkorn inspiziert den neuen T5-Konkurrenten Mercedes Vito.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. So sieht also die Zukunft aus. Strahlend weiß und glatt steht Daimlers „Future Truck“ am Ende der großen Messehalle, erhaben wie eine Statue. Solche Inszenierungen kümmern Martin Winterkorn wenig, er strebt ins Fahrerhaus, wo der Trucker der Zukunft alles Mögliche erledigen kann, manchmal auch fahren. Der VW-Chef nimmt auf seinem obligatorischen Messerundgang stets auch Produkte und Visionen der Konkurrenz unter die Lupe, und diesmal liefern die Stuttgarter das Bild von der Zukunft. Doch die schillernde Vision fesselt nicht lange, Winterkorn wendet sich aktuellen Modellen eigener und fremder Marken zu.

Eigentlich gebe es zwei Messen, sagt ein Manager: eine spektakuläre zum Schauen und eine eher trübe fürs Geschäft. Winterkorns Lkw-Manager und ihre Kollegen von der Konkurrenz haben in den Pressekonferenzen viel von Herausforderungen gesprochen, abseits des Protokolls wird auch mal geflucht. Den Ton hatten Daimler und die VW-Lkw-Tochter MAN schon im Vorfeld der IAA gesetzt. Daimlers Truck-Chef Wolfgang Bernhard sagte für dieses Jahr einen mindestens fünfprozentigen Absatzrückgang in Europa voraus - „die Betonung liegt auf mindestens“. Sein MAN-Kollege Anders Nielsen handelte sich den Unmut der Messeveranstalter mit der Ankündigung von Kurzarbeit für 4000 seiner 34 000 Mitarbeiter ein - nicht eben stimmungsfördernd. Bernhards Schätzung hält Nielsen für zu optimistisch, um zehn bis 15 Prozent werde der europäische Markt schrumpfen.

Hier bremst vor allem die Euro-VI-Einführung Anfang des Jahres die Nachfrage. Die neuen schadstoffarmen Trucks kosten 6000 bis 8000 Euro mehr als die bisherigen Modelle. So deckte sich die Branche Ende 2013 mit Euro-V-Lkw ein. Außerdem würden alte Fahrzeuge länger betrieben, sagt ein Manager: „Wir sehen, dass viele Leasingverträge verlängert werden, statt das Fahrzeug zu wechseln.“ Die seit zwei Jahren versprochene Begünstigung der neuen Technik bei der Lkw-Maut „hat die Politik nicht zustande gebracht“, sagt ein anderer. Erst im künftigen Mautkonzept taucht sie auf.

Ausgleich ist in der Lkw-Welt schwer zu finden. Daimler kann sich am US-Wachstum freuen, doch dort sind die VW-Lkw-Töchter MAN und Scania nicht aktiv. In Russland hatte sich die Konjunktur schon länger eingetrübt, mit der Ukraine-Krise wird daraus wohl eine Rezession. Um 25 Prozent werde der russische Lkw-Import in diesem Jahr einbrechen, sagt Nielsen. Nicht viel besser sieht es in Brasilien aus. „Das war schon immer eine Achterbahn“, sagt zwar ein Manager, aber früher fuhr dort nicht so viel Geschäft auf und ab. Für Mercedes Trucks ist Brasilien inzwischen der größte Einzelmarkt, bei der Münchener Konkurrenz steht MAN Latin America für mehr als ein Viertel des Nutzfahrzeuggeschäfts.

Das verantwortet der sturmerprobte Roberto Cortes, und auch ihn besucht Winterkorn auf seinem Rundgang. Man nimmt im „Volksbus“ Platz, stoppt kurz am schweren „Constellation“. Sie sind sozusagen das Gegenmodell zu Daimlers Vision von 2025: robuste Laster für die Pisten dieser Welt. Die Branche muss den Spagat schaffen zwischen riesigen Investitionen in Hightech und günstigen Arbeitstieren. Nach Überzeugung der Unternehmensberatung PWC gewinnen Letztere an Bedeutung. Ihre Experten sagen trotz der aktuellen Probleme voraus, dass der weltweite Lkw-Markt jährlich um durchschnittlich 3,7 Prozent wachsen wird und 2020 insgesamt 3,6 Millionen Fahrzeuge erreicht. Drei Viertel davon würden aber außerhalb der etablierten Industrienationen verkauft.

So sind auf der IAA mehr Arbeitstiere als visionäre Exponate zu sehen. Auf den Ständen ist der Begriff TCO allgegenwärtig - „Total Cost of Ownership“. Die Kundschaft schaut auf die Kosten, Fortschritt, der sich nicht rechnet, ist keiner.

Das bietet die Brummi-Schau

Die neuesten Trends: Heute eröffnet die IAA ihre Tore für jedermann. Die Schau der Lkw-, Bus-, Transporter- und Aufliegerhersteller sowie ihrer Zulieferer belegt 265.000 Quadratmeter im Südwesten des hannoverschen Messegeländes. Mehr als 2000 Aussteller zeigen mehr als 300 Weltpremieren. Die Tagestickets kosten an Werktagen 22 Euro, ermäßigt 7 Euro. Am Wochenende ist eine Tageskarte für 13 Euro zu haben, zudem gibt es hier Familienkarten für maximal zwei Erwachsene und drei Jugendliche unter 18 Jahren für 24 Euro. Kinder bis zum 6. Lebensjahr sind generell frei. Die Messe endet am 2. Oktober.

Am Wochenende findet traditionell auch die Modellauto-Sammlerbörse zusätzlich zur Messe in Pavillon 11 statt. In Halle 22 präsentieren sich Lkw-Oldtimer und US-Trucks. Erstmals gibt es zudem eine Job- und Karrieremesse (in Halle 23). Auf dem Freigelände westlich von Halle 27 lassen sich Probefahrten mit leichten und schweren Nutzfahrzeugen im öffentlichen Straßenverkehr buchen. Das Freigelände südlich vom Convention Centre ist Probefahrten mit Elektroautos vorbehalten. Eine „Innovationsbühne“ nördlich von Halle 26 klärt über die neuesten Trends in der Branche auf – etwa über vernetzte Fahrzeuge.

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