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Deutschland / Welt IG BCE stößt Debatte über Arbeitszeit an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt IG BCE stößt Debatte über Arbeitszeit an
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00:18 12.12.2015
Von Lars Ruzic
Vassiliadis will die Arbeitszeitdebatte neu anstoßen.  Quelle: dpa
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Hannover

Die Gewerkschaften hätten das Thema in den letzten beiden Jahrzehnten vernachlässigt, sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis in Hannover. Das müsse sich ändern. Zunehmende Flexibilisierung und Veränderungsgeschwindigkeit übersetzten die Beschäftigten heute mit Überforderung. „Morgen wollen wir darunter mehr Wahlfreiheit und eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben und beruflichen Anforderungen verstehen“, sagte Vassiliadis. Die IG BCE will die Digitalisierung als Chance begreifen, ihren Mitgliedern neue Freiräume zu ermöglichen.

Der zweitgrößten Industriegewerkschaft schwebt dabei weniger die pauschale Arbeitszeitverkürzung für jeden Beschäftigten vor. Vielmehr gehe es beispielsweise um eine genauere Erfassung von Arbeitszeit, die mit digitalen Geräten präziser möglich sei, sagte der Gewerkschaftschef. Auch weniger arbeiten im Alter hat die IG BCE auf dem Plan. Im vergangenen Jahr hatte sie die Drei-Tage-Woche für Ältere gefordert.

Vassiliadis brachte auch eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit bei Schichtarbeitern ins Gespräch. Überall redeten die Arbeitgeber vom Zwang zur Flexibilisierung – aber bei den Belegschaften an den rund um die Uhr laufenden Maschinen wollten sie nichts ändern, kritisierte Vassiliadis. Die Schichtarbeiter stellen in der chemischen Industrie, wo viele Großanlagen möglichst ununterbrochen laufen müssen, gut ein Drittel der Belegschaft.

"Der Fokus liegt auf den Prozenten"

In der Chemie-Tarifrunde 2016 soll es allerdings zunächst nur ums Geld gehen. „Der Fokus liegt auf den Prozenten“, umschrieb es der Gewerkschaftschef. „Wir gehen davon aus, dass 2016 erneut ein konjunkturell gutes Jahr wird.“ Die Unternehmen profitierten von ihrer Exportstärke und einer stabilen Inlandsnachfrage. In der zurückliegenden Tarifrunde hatte die IG BCE einige Prügel von ihren Mitgliedern einstecken müssen, weil sie zwar hohe Summen für den Demografiefonds der Branche aushandelte, beim Lohnplus mit 2,8 Prozent jedoch deutlich hinter dem Abschluss der IG Metall zurückblieb. Die interne Debatte über die Forderungshöhe beginnt nach Ostern, bis zur Sommerpause soll das Ergebnis für die gut 600 000 Beschäftigten in der Chemieindustrie stehen.

Mit Blick auf die Energiewende, die die Gewerkschaft äußerst kritisch verfolgt, forderte Vassiliadis eine „Speicher-Offensive“. „Ohne die Frage zu lösen, wie Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert werden kann, wird die Energiewende nicht ihr Ziel erreichen.“ Im Land müsse eine Speicherkapazität geschaffen werden, mit der man auch zwei Wochen trübe Flaute im Winter überbrücken könne. Der Gewerkschaft schwebt eine „Roadmap mit klaren Zwischenzielen“ für den Ausbau sowie eine Befreiung des Speicherstroms von Abgaben und Umlage vor. „Das würde ein neues Geschäftsfeld eröffnen und Investitionen in Speicher anstoßen“, sagte Vassiliadis.     

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