Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt IHK-Ehrenpräsident Goehrmann muss um Doktortitel fürchten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt IHK-Ehrenpräsident Goehrmann muss um Doktortitel fürchten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:02 11.12.2012
Von Stefan Winter
IHK-Ehrenpräsident Klaus E. Goehrmann muss um einen seiner Doktortitel bangen. Quelle: Surrey
Hannover

Nahezu jede zweite der gut einhundert Textseiten in der Dissertation enthalte Bestandteile einer anderen Arbeit, die nicht als Quelle genannt werde, heißt es in der Anzeige eines bayerischen Plagiatsjägers. Die Universität werde „diesem Hinweis sorgfältig nachgehen“, sagt ihr Sprecher.

Goehrmann weist den Plagiatsvorwurf zurück, hat der Hochschule aber die Rückgabe seines Titels angeboten – „falls jemand Formfehler findet oder ein Verstoß gegen die geübte Praxis festgestellt wird“.

Der Dissertation des Ehrensenators der Leibniz Universität Hannover fehlt möglicherweise ein wichtiger Baustein: der Hinweis, dass sie auf einer Forschungsarbeit des Laserzentrums Hannover (LZH) aufbaut. Auch seinen Betreuern an der TU Clausthal und dem LZH fiel die fehlende Quellenangabe offenbar nicht auf.

Am Anfang der Zweitpromotion Goehrmanns stand das Bedürfnis des Marketingexperten, sich auch auf technischem Gebiet zu beweisen. Er befasste sich lange mit Technologiemanagement – als Honorarprofessor in Hannover und seit über 20 Jahren als Kuratoriumsvorsitzender des landeseigenen LZH. Nach dem Ende der aktiven Laufbahn war dann Zeit, mit den „Doktor-Ingenieuren“ akademisch gleichzuziehen. Dem „Dr. rer. pol.“ aus den sechziger Jahren und dem „Dr. h.c.“ der bulgarischen Universität Plowdiw sollte ein „Dr.-Ing.“ folgen.

Das Promotionsthema fand sich im Laserzentrum: „Beitrag zum technologisch-wirtschaftlichen Vergleich des gepulsten zum kontinuierlichen Laserstrahlschweißen“, heißt die Arbeit, die Goehrmann im Herbst 2009 in Clausthal einreichte – nach einem regulären Promotionsstudium, wie er betont.

Der späte Doktorand konnte auf die Begleitung des LZH bauen: Die technischen Daten der beiden Schweißverfahren lieferte eine bis dahin unveröffentlichte Arbeit von zwei LZH-Forschern. Auf deren Basis baute Goehrmann seine kaufmännischen Betrachtungen auf. Doktorvater war der LZH-Vorstand und Clausthaler Professor Volker Wesling, als Mitberichterstatter fungierte der LZH-Mitgründer Professor Heinz Haferkamp. Die mündliche Prüfung am 13. April 2010 leitete der Clausthaler Professor Norbert Müller.

Sie kannten die Quelle der Basisdaten, die der Doktorand schon wegen mangelnder Ausbildung an den Geräten nicht selbst erhoben haben konnte. „Eine förmliche Danksagung an das LZH hätte genügt“, sagt ein Beteiligter inzwischen. Doch dafür sorgten weder Goehrmann noch seine Betreuer.

Offenbar fehlt auch die in der Promotionsordnung vorgeschriebene „Selbstständigkeitserklärung“, in der ein Doktorand versichert, kein fremdes Material ohne Kennzeichnung übernommen zu haben. Goehrmann erinnert sich an akribische Korrekturen seiner Betreuer, aber nicht an Hinweise auf den Formfehler: „Wenn einer Kommafehler korrigiert, hätte er das ja auch mal sagen können.“

Von einem Plagiat könne aber keine Rede sein, sagt Goehrmann. Er habe die LZH-Arbeit nicht abgeschrieben, das Basismaterial sei „gemeinsam erarbeitet“ worden. Außerdem habe man vorher ausdrücklich geklärt, dass diese Zulieferung nicht zur eigenständigen Veröffentlichung vorgesehen sei. Nahezu zeitgleich mit der Abgabe der Doktorarbeit wurde sie trotzdem vom LZH bei einem Fachverband abgegeben.

Goehrmanns Hoffnung auf eine schnelle Erledigung des Falles wird sich wohl nicht erfüllen. Einen Doktortitel könne man nicht einfach zurückgeben, heißt es in Clausthal. Erst einmal prüfe die TU-Vertrauensperson, Professor Wilhelm Oppermann vom Institut für Physikalische Chemie, die Vorwürfe. Seine Ergebnisse gehen dann an eine Kommission der Hochschule. „Über den zeitlichen Rahmen kann derzeit keine Aussage getroffen werden“, erklärt die TU.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

ThyssenKrupp steckt in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte. Fehlinvestitionen in Übersee-Stahlwerke verursachten Milliarden-Verluste. Arbeitnehmervertreter fordern einen Neuanfang.

11.12.2012

Schicke Fahrräder werden in den Städten immer mehr zum Statussymbol. Nach einer Änderung im Steuerrecht könnten die leichten Renner nun auch den hergebrachten Dienstwagen Konkurrenz machen. Staat und Chef beteiligen sich an dem umweltfreundlichen Verkehrsmittel.

11.12.2012

Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro verbucht. Auf das Geschäft mit Stahlwerken in Übersee seien im Geschäftsjahr 2011/2012 (30.9.) Wertberichtigungen von 3,6 Milliarden Euro vorgenommen worden, teilte ThyssenKrupp am Montagabend in Essen mit.

10.12.2012