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Deutschland / Welt IT bei Landwirten immer wichtiger
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19:58 25.07.2011
Traktor von Mercedes, Düngerspritze von John Deere: Weil die Software der Hersteller nicht kompatibel ist, klappt der Datenaustausch nicht. Quelle: HAZ
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Suthfeld

Was einfach klingt, hat jedoch in der Praxis noch viele Haken. Landwirte und Lohnunternehmer rüsten ihren Fuhrpark zumeist mit Maschinen verschiedener Hersteller aus, mit einem Traktor von John Deere etwa und einer Düngerspritze von Amazone. Deshalb hapert es mit dem Datenaustausch zwischen den Geräten. Die Software der Landtechnikfirmen ist nicht kompatibel. Diese „Insellösungen“ machen die Kommunikation zwischen den Maschinen unmöglich, wie Klaus Schernewsky von der Lohnunternehmer Service GmbH, der Dienstleistungstochter des Bundesverbandes Lohnunternehmen, erklärt.

Dabei gibt es bereits eine genormte Schnittstelle: „ISO-BUS“. Vor einigen Jahren ist sie auf der weltgrößten Landtechnikmesse Agritechnica in Hannover schon als Durchbruch gefeiert worden. Mithilfe von „ISO-BUS“ können Schlepper und Maschinen miteinander „sprechen“. Mit nur noch einem Terminal auf dem Traktor ist es möglich, die unterschiedlichen angekoppelten Geräte zu steuern. Aber die großen Landtechnikhersteller ließen sich nicht gerne in ihre Karten gucken, meint Schernewsky, weil sie viel Geld in die Entwicklung ihrer eigenen Software gesteckt hätten. „ISO-BUS“ wird deshalb bislang kaum genutzt.

Die Lohnunternehmer lassen nicht locker. Wenn landwirtschaftliche Betriebe eine bestimmte Größe erreichen, haben die Landwirte keine Zeit mehr, alle Arbeiten selbst zu erledigen, sagt der Manager. Zudem binden Maschinen Kapital, das vielleicht an anderer Stelle fehlt. Lohnunternehmen mit einem großen Maschinenpark übernehmen laut Schernewsky daher immer häufiger den klassischen Job des Landwirts. Umso wichtiger sei ein reibungsloser Datenaustausch zwischen den Geräten – vom Acker bis zum Absatz der Agrarprodukte. Über die Lohnunternehmer könnten dann auch kleinere Betriebe, für die die Anschaffung der Technik zu teuer ist, profitieren – und Kosten sparen. Nicht nur das. Mithilfe exakter Boden- und Ertragskarten, die aufgrund der gesammelten Daten erstellt werden, könne effizient gewirtschaftet werden, erklärt Schernewsky. Dadurch würden Ressourcen und Umwelt geschont.

Mit diesen Argumenten haben Praktiker und Wissenschaftler das Bundesforschungsministerium von der Notwendigkeit überzeugt, das „Internet auf dem Acker“ zu fördern. Rund 14 Millionen Euro hat es für ein dreijähriges Projekt mit Namen iGreen locker gemacht. 24 Partner – Universitäten, Forschungsinstitute, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Unternehmen wie die Landtechnikhersteller Krone oder Claas, aber auch der Softwarekonzern SAP – machen mit. Die Lohnunternehmer-Service GmbH ist für die Erprobung in der Praxis zuständig. Koordiniert wird das Projekt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Bis 2012 sollen praxistaugliche Ergebnisse erzielt werden.

Zur Halbzeit des Projekts wurden jetzt Beamten des Ministeriums die ersten Fortschritte mit Feldvorführungen in Spelle bei der Firma Krone demonstriert. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die sogenannte iGreen-Box. Das ist ein Server, in dem alle Daten von der Lage des Feldes, auf dem Getreide oder Kartoffeln wachsen sollen, über das Auftragsvolumen bis hin zu Rüstzeiten der Maschinen und Energieverbrauch zusammenlaufen. Der Lohnunternehmer kann nun die Informationen, die er für die Abwicklung eines Auftrags vom Landwirt braucht, online von der iGreen-Box abrufen. Damit kann er genau disponieren und kalkulieren, wie Schernewsky erläutert: den Arbeitsaufwand sowie den Einsatz von Düngermengen und Pestiziden etwa.

Dann kann es losgehen. Die über die Schnittstelle „ISO-BUS“ vernetzten Maschinen erhalten ebenfalls über die iGreen-Box den Arbeitsauftrag online vom Lohnunternehmer. Sind die Flächen bestellt oder abgeerntet, bekommt der Landwirt vom Lohnunternehmer einen „elektronischen Lieferschein“ einschließlich der Geodaten von den Feldern, die – einmal vorhanden – künftig die Bearbeitung vereinfachen.

Vorerst gibt es nur eine zentrale iGreen-Box, die beim DFKI in Kaiserslautern steht, wie Schernewsky berichtet. Aus Datenschutzgründen, noch fehle der rechtliche Rahmen für die Nutzung der „personengebundenen Daten“ des Landwirts durch die Lohnunternehmer. Aber an der iGreen-Box für den einzelnen Lohnunternehmer mit einem bestimmten Zugriffsrecht auf die Daten eines Landwirts werde zurzeit gearbeitet. Dann steht der schönen neuen Welt auf dem Acker nichts mehr Weg. Denn die Lohnunternehmer sind es, die laut Schernewsky die Innovationen in der landwirtschaftlichen Praxis verbreiten.

Carola Boese-Fischer

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