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IWF: Große Risiken für Weltwirtschaft

Wachstumsprognose gesenkt IWF: Große Risiken für Weltwirtschaft

Der Weltwirtschaft droht eine Abwärtsspirale, die auch deutsche Unternehmen vor zunehmende Herausforderungen stellen dürfte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am Dienstag seine Konjunkturprognose für das laufende und kommende Jahr gesenkt.

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epa05110133 Migrant workers have lunch at a construction site in central business district (CBD) in Beijing, China, 19 January 2016. China’s economy grew 6.9 percent in 2015, according to official figures released 19 January, marking the slowest growth in more than a quarter of a century. The growth missed the 7-per-cent target that the government had set for the year and is the weakest since 1990. It matched predictions of 6.9 percent by economists. EPA/WU HONG +++(c) dpa - Bildfunk+++

Quelle: Wu Hong

Davos. „Die Wachstumserwartungen scheinen stetig zu sinken. Wir haben wohl einen holprigen Weg vor uns“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld in London.

So rechnet der Währungsfonds für das laufende Jahr nur noch mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent und für 2017 mit einem Plus von 3,6 Prozent. Der IWF hat damit seine Prognose vom Herbst um je 0,2 Punkte nach unten korrigiert.

Vor allem Chinas Wandlung von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft mache der Konjunktur zu schaffen. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft verringerte sich im vorigen Jahr auf 6,9 Prozent, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte. Dies war der geringste Zuwachs seit 25 Jahren. Der Wert lag im Rahmen der Erwartungen, sodass die Finanzmärkte eher gelassen auf die neuen Konjunkturdaten aus China reagierten. Der IWF nimmt allerdings an, dass das Wirtschaftswachstum in China im laufenden Jahr auf 6,3 Prozent und 2017 auf 6 Prozent zurückgehen werde. Dies dürfte auch die deutsche Exportwirtschaft nicht kaltlassen, für die China ein wichtiger Markt ist.

Als weiteres Risiko sieht der IWF die noch schwer abzuschätzenden Auswirkungen der Flüchtlingskrise. Hier dürften auf die betroffenen Länder weitere Ausgaben zukommen. Der Flüchtlingszustrom führe zu „größeren Herausforderungen“ für die Arbeitsmärkte in den EU-Ländern. Nach UN-Angaben nimmt die globale Arbeitslosigkeit weiter zu. 2015 stieg die Zahl der Menschen ohne Job der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge auf 197,1 Millionen Menschen - dies war nahezu eine Million mehr als im Vorjahr. Die Schwächen der Weltwirtschaft und die Verlangsamung des Wachstums könnten „in einigen Fällen soziale Unruhen auslösen“, warnte die ILO vor dem heutigen Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Hintergrund ist auch, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer - bisher Motor der Weltkonjunktur - lahmen. Der niedrige Ölpreis und das Ende der Politik des ultrabilligen Geldes der US-Zentralbank Federal Reserve sind laut IWF zusätzliche Risiken. Für Deutschland erwarten die Experten des Währungsfonds ein Wachstum von jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017. Dies liegt etwas unterhalb anderer europäischer Länder wie Spanien und Großbritannien. „Wenn diese Hauptherausforderungen nicht erfolgreich gemeistert werden, könnte das globale Wachstum aus der Bahn geworfen werden“, heißt es in dem Bericht. Der IWF rief Regierungen und Zentralbanken dazu auf, weiter eine lockere Geldpolitik zu verfolgen.

„Wir bringen die Entscheider zusammen“

Herr Rösler, die Politik- und Wirtschaftselite ist zu Gast in Davos – können Sie noch ruhig schlafen angesichts der Terroranschläge der vergangenen Wochen?

Wir sind seit 46 Jahren als Weltwirtschaftsforum hier in Davos immer in guten Händen der Schweizer Behörden gewesen. Das wird auch in diesem Jahr so sein – natürlich unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. Das ganze Umfeld wird geschützt, sowohl die Teilnehmer als auch die Anwohner in der Region.

IS-Terror, Flüchtlingskrise, Klimawandel, Cyberangriffe – was kann ein Wirtschaftstreffen ausrichten, wenn die Welt aus den Fugen gerät?

Der Dialog ist der Anfang von vielem, wenn nicht sogar von allem. Wir bringen genau die richtigen Gesprächspartner zusammen, also die Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Alle wichtigen internationalen Organisationen wie die UN sind hier versammelt. Wir erwarten 50 Staats- und Regierungschefs sowie 900 Vorstandsvorsitzende, insgesamt sind es 2500 Teilnehmer. Sie werden sich natürlich mit aktuellen Themen wie Flüchtlingskrise und Terror befassen.

Kann man in so einem formalen Rahmen etwas bewegen?

Es gibt auch viele private, vertrauliche Treffen, bei denen man im kleinen Kreis sprechen kann. Wir als Weltwirtschaftsforum wollen die Plattform sein für all diese Gespräche.

Eigentliches Thema der Veranstaltung ist „Die Meisterung der vierten industriellen Revolution“ – bleibt angesichts der aktuellen Probleme überhaupt Zeit dafür?

Natürlich, viele einzelne Veranstaltungen beschäftigen sich speziell mit diesem Thema. Die klassische Wirtschaft – und zwar jeder Zweig – kann künftig nicht mehr ohne Digitalisierung bestehen. Wir werden darüber reden, welche Auswirkungen das auf die einzelnen Branchen hat.

Das Weltwirtschaftsforum dauert drei Tage – was machen Sie den Rest des Jahres?

Neben dem großen Weltwirtschaftsforum in Davos veranstalten wir noch ein zweites Treffen, das im Sommer in China stattfindet. Zwischendrin organisieren wir jährlich fünf bis sechs kleine „Davos“-Treffen in Südamerika, Asien und Afrika, dafür sind meine Teams und ich verantwortlich. Zwischen den großen Treffen in Davos bin ich also viel unterwegs in der Welt.

Wie hat sich Ihr Leben verändert,
seit Sie nicht mehr in der Politik
 unterwegs sind?

Meine Familie und ich wohnen in Genf, unsere Kinder gehen dort auf die Deutsche Schule. Aber unser Herz bleibt natürlich in Hannover, und unser Haus ist auch noch in Hannover. Wir haben also weiterhin einen Anker in der Stadt. Gerade wenn man so viel unterwegs ist, ist es schön, wenn man weiß, wo das Zuhause ist. Wir versuchen, zu Familienfesten, Geburtstagen und Feiertagen nach Hannover zu fahren, um den Kontakt zu halten.

Erwägen Sie ein „Comeback“ in der deutschen Politik?

Da, wo ich bin, bin ich genau richtig. Wie man so schön sagt: Ich bin angekommen. Und hier möchte ich bleiben.

Interview: Inken Hägermann

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