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00:18 01.07.2015
Die Produkte der Ölpalme sind effizient und billig. Quelle: dpa
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Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hat mit ihrem Aufruf zum Nutella-Boykott geschafft, was viele Nichtregierungsorganisationen schon lange versuchen: die öffentliche Aufmerksamkeit auf Palmöl und seine negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu lenken. Fest steht: Der Palmölkonsum hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Weltweit ist es mit 60 Millionen Tonnen pro Jahr das meistverwendete Pflanzenfett der Welt. Allein Deutschland hat im Jahr 2013 rund 1,5 Millionen Tonnen Palmöl und 400 000 Tonnen Palmkernöl importiert und verarbeitet. Jedes zweite Supermarktprodukt enthält das Fett der Ölpalme.

Schokolade, Eis oder Müsli

Wir essen es nicht nur, wir baden sogar darin und tanken unsere Autos damit – meist ohne es überhaupt zu wissen. Das Pflanzenfett versteckt sich vor allem in Lebensmitteln wie Schokolade, Eis oder Müsli. Doch auch Tenside werden daraus gewonnen, die etwa in Seife, Shampoo, Hautcremes und Waschmittel stecken.

Aber warum ausgerechnet Palmöl und nicht etwa Sonnenblumenöl? Dafür gibt es gute Gründe: Der Stoff, der aus der Ölpalme gewonnen wird, ist billig, wie Heidrun Schubert, Expertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, sagt. Die Ölpalme ist der effizienteste Lieferant von pflanzlichem Öl, und zwar noch vor Kokos und Soja. Der Ertrag der Palmölpflanze ist im Schnitt rund dreimal so hoch wie bei Rapsöl in Deutschland. Die Palmen sind genügsam, ihre olivenähnlichen Früchte sowie ihre Samen bestehen bei der Ernte zur Hälfte aus Fett. Palmöl im Naturzustand leuchtet orangerot, weil es viel Betacarotin enthält, zudem viel Vitamin A und E. Das aus den Kernen gewonnene Öl dagegen ist dem Kokosfett sehr ähnlich und besteht vorwiegend aus gesättigten Fettsäuren.

Industriell bearbeitet allerdings verliert Palmöl seine Farbe und auch einen großen Teil der wertvollen Inhaltsstoffe. Dafür hat es bedeutende praktische Eigenschaften für die Lebensmittelindustrie. Bei Raumtemperatur ist es fest, bei Körpertemperatur schmilzt es. Palmöl macht Essen also weich und cremig – perfekt für Süßigkeiten wie Eis und Schokolade, in denen das Palmöl meist einen Teil der deutlich teureren Milchprodukte ersetzt. Noch häufiger findet Palmöl Verwendung in der Margarineproduktion. Den Produkten verleiht das Fett seinen butterigen Geschmack. Im Vergleich mit kaltgepressten Oliven- oder Sonnenblumenölen allerdings gilt Palmöl als eher geschmacksneutral.

Einige Hersteller bieten Palmöl zwar auch in Deutschland pur in der Flasche oder im Glas an. Das Öl eignet sich wegen seiner hohen Temperaturverträglichkeit durchaus zum Frittieren oder Braten. In der afrikanischen und asiatischen Küche etwa wird damit mariniert, gebacken und gedünstet. Allerdings ist dieser Einsatz in Deutschland nicht notwendig – es gibt Alternativen. Palmöl gilt als weniger gesund, zumindest verglichen mit anderen Pflanzenölen. Experten raten schon aus diesem Grund, genau hinzuschauen und so oft wie möglich auf Produkte mit Palmöl zu verzichten.

Dass es die meisten Verbraucher meist nicht bemerken, wenn sie Palmöl konsumieren, liegt unter anderem daran, dass sich das Fett auf der Zutatenliste bisher meist hinter Begriffen wie „pflanzliches Öl“ oder „pflanzliches Fett“ verbarg. Seit Dezember 2014 reichen diese vagen Bezeichnungen nicht mehr aus. Stattdessen muss nun die Pflanze angegeben werden, aus der das Fett stammt. Lebensmittel, die nicht entsprechend dieser Vorschrift gekennzeichnet sind, aber vor dem 13. Dezember 2014 in Verkehr gebracht wurden, dürfen noch verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind. Vorsicht ist noch immer bei kosmetischen Inhaltsstoffen wie Stearyl und Stearaten geboten: Beide Zutaten enthalten Stearinsäure, die aus Palmöl stammen kann. Aus demselben Grund sollte man auch auf den Kauf von Stearinkerzen verzichten.

„Es gibt eigentlich immer Alternativen ohne Palmöl“

„Es gibt eigentlich immer Alternativen ohne Palmöl“, sagt Schubert. Sie rät dazu, sich die Mühe zu machen und die Produkte zu vergleichen. Da andere Fette teurer sind, müssen Käufer dann gegebenenfalls ein bisschen mehr bezahlen. Selbst frische Wurst vom Fleischer  kann Palmöl enthalten. In Lebensmitteln wie Butter ist es als Zusatz nicht erlaubt.

Wer doch zu Palmöl greift, sollte auf die Zertifizierung achten. 80 Prozent der Palmölprodukte sind allerdings nicht zertifiziert. Die Organisation Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO), ein Zusammenschluss aus Anbauern, Händlern, Produzenten, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen, setzt sich zwar für Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen auf den Plantagen ein. Der RSPO sei allerdings kein Öko-Label, betont der WWF. Palmöl mit dem europäischen Biosiegel kann nach Meinung von Experten verwendet werden.

Die Verbraucherzentralen listen im Internet Produkte ohne Palmöl auf.

von Maximilian Vogelmann

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