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Deutschland / Welt Dieser Zug soll die Bahn attraktiver machen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Dieser Zug soll die Bahn attraktiver machen
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00:18 10.10.2015
Die oberen Etage bietet eine schöne Aussicht: Der neue IC, der künftig auch zwischen Hannover und Norddeich fährt. Quelle: Michael Neuhaus
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Berlin

Mehr Komfort, mehr Service, mehr Platz - all das verspricht die Deutsche Bahn. Der neue Intercity 2 soll den Schienenverkehr im Wettbewerb mit den Fernbussen attraktiver machen. Eine erste Besichtigung zeigt: Die Fahrgäste können sich auf moderne doppelstöckige Züge freuen, müssen sich allerdings auch auf einige Mängel einstellen. Nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sollen 27 Züge des IC 2 zunächst auf der Strecke Leipzig-Hannover-Bremen-Norddeich starten. Danach folgen die Verbindungen Dresden-Köln und Köln-Leer-Emden-Norddeich. 2018 sollen die neuen Flitzer auch auf der Gäubahn in Baden-Württemberg fahren. Bis 2030 wird die Flotte nach den Plänen der Bahn auf 120 Züge wachsen und die bisherigen lokbespannten IC-Reisezüge ablösen, die zum Teil seit 40 Jahren im Einsatz sind.

Der IC 2 ist ein wichtiger Teil der laut Vorstandschef Rüdiger Grube „größten Kundenoffensive“ in der Geschichte der Bahn. Bis 2030 sollen 12 Milliarden Euro in den Fernverkehr investiert werden, unter anderem in die Modernisierung des Intercity-Express (ICE). Der erste ICE 4 - geliefert von Siemens - soll von Ende 2017 an im Einsatz sein; bestellt sind 130 weiß-rote Flitzer. Daneben entsteht ein neues IC-Netz, das in den nächsten 15 Jahren alle größeren deutschen Städte zumindest im Zweistundentakt verbinden soll. Ganz so neu, wie die Bahn behauptet, ist dieses IC-Netz allerdings nicht. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat der Konzern viele Fernverkehrsverbindungen ausgedünnt oder ganz gestrichen. Durch die Einstellung des Interregio wurde unter dem früheren Bahnchef Hartmut Mehdorn eine ganze Zugklasse ausgemustert. So hat die Bahn zahlreiche Städte vom direkten Zugang zum Fernverkehr auf der Schiene abgehängt - davon profitieren nun die Fernbus-Konkurrenten.

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Die Deutsche Bahn fährt bald mit dem neuen IC 2 – er ersetzt bis zu 40 Jahre alte Züge. Eine erste Besichtigung zeigt: Die Fahrgäste können sich auf moderne 
doppelstöckige Züge freuen.

Mit dem IC 2 will die Bahn gegenhalten. Schon vor der ersten Auslieferung gab es allerdings Probleme. Der Zughersteller Bombardier leistete sich rund zwei Jahre Lieferverspätung, was unter anderem mit verschärften internationalen Normen begründet wird. Umso mehr hofft man, dass wenigstens die weiteren Lieferungen im Zeitplan liegen. Bombardier hat für den IC 2 seine bekannten Doppelstöcker, die bisher im Regionalverkehr fahren, neu konzipiert. Das Ergebnis sei „insgesamt positiv“, sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn bei einer Präsentation in Potsdam.

Die schöne Aussicht aus der oberen Etage, doppelt so breite Eingangsbereiche für bequemeres Ein- und Aussteigen sowie die geräumigen neuen Kleinkindbereiche gehören zu den Stärken der Doppeldecker. Zudem verbraucht der IC 2 laut Bahn rund ein Fünftel weniger Energie als sein Vorgänger und hat mit 465 Sitzplätzen deutlich mehr Kapazität. Allerdings sieht Naumann auch Schwächen: „Leider fehlen Bistro und ein gemütliches Bordrestaurant, das ist schon sehr bedauerlich und im Fernverkehr ein ärgerlicher Mangel“, kritisierte der Experte. Stattdessen werden Snacks und Getränke von Servicekräften verkauft, die mit Rollwagen durch die Waggons gehen.

Ein Ärgernis wird für Fahrgäste mit größerem Gepäck die Schlepperei ins obere Stockwerk werden, wenn der Zug unten drangvoll ist. Oben gibt es zwar zentrale Abstellflächen - am Platz selbst allerdings bieten die engen Ablagegitter kaum Raum für einen größeren Rucksack. Auch Michael Ziesak, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland, sieht in zu geringem Stauraum eine deutliche Schwäche des IC 2. Ein Fortschritt seien dagegen die großzügigen Bereiche für Rollstuhlfahrer nahe dem Eingangsbereich, sagte Stefan Krusche von der Interessenvertretung „Selbstbestimmt Leben in Deutschland“.

Bessere Reise-Infos im Fernzug

Wo fährt der Zug gerade? Welche Anschlüsse gibt’s am nächsten Bahnhof? Auf welchem Gleis kommt man an? Und wie geht’s weiter, wenn der Zug Verspätung hat? Auf solche Fragen sollen stark verbesserte Info-Anzeigen im Zug künftig nützliche Antworten geben. Fahrgäste können die aktuellsten Reiseinformationen zur Fahrt bereits per Mobilfunk und Smartphone über die App „DB Navigator“ abrufen. Das neue System
„RIS-Fahrzeug“ der Deutschen Bahn macht Informationen in Echtzeit auch im Fernzug verfügbar. Dazu werden die Anzeigetafeln im Zug mit dem zentralen DB-Server vernetzt.
So können in den Abfahrtzeiten von Anschlusszügen auch aktuelle Verspätungen berücksichtigt werden. Zudem wird die Position des Zugs auf einer digitalen Karte angezeigt. Das neue Konzept wird zugweise umgesetzt. Seit Juni läuft das System als Vorstufe in den neuen ICE 3 der Baureihe 407. Nächstes Jahr sollen die ICE 2 und die neuen Intercity 2 folgen.     

Von Thomas Wüpper

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