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ContiTech will auf die Schiene

Interview ContiTech will auf die Schiene

Hans-Jürgen Duensing, Firmenchef von ContiTech, sagt im Interview mit der HAZ, wie er Züge sicherer machen will. Er stellt aber auch klar, dass das Engagement keinen Abschied von der Autobranche bedeutet.

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Hannover - Porträt für Interview Contitech-Chef Hans-Jürgen Duensing für Wirt, ContiTech AG - Foto Tim Schaarschmidt

Quelle: Tim Schaarschmidt

ContiTech ist gerade dem Europäischen Verband der Bahnindustrie beigetreten. Werden Sie der Straße abtrünnig, Herr Duensing?

Keineswegs - für uns war das ein überfälliger Schritt. Wir sorgen mit unseren Federungselementen seit mehreren Jahrzehnten dafür, dass der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV ruhig auf den Schienen rollt. Auch die Deutsche Bahn nutzt diese Technik bei ihren ICE.

Wie groß ist Ihr Bahngeschäft aktuell?

Aus meiner Sicht ist es im Moment noch zu wenig. Deshalb engagieren wir uns ja so stark in diesem Umfeld. Der chinesische Markt hat mittlerweile einen der größten Anteile am Gesamtmarkt, denn China baut seine Infrastruktur massiv aus. Die Wachstumschancen sind groß. Man muss bedenken, dass die Technik in der Bahnbranche in einigen Märkten noch extrem konservativ ist. Die Züge fahren wie vor 100 Jahren in gebührendem Abstand, trotzdem gibt es noch Unfälle. Mit unseren Sicherheitssystemen aus dem Autobereich können wir hier viel bewegen - zum Beispiel mit Radar- und Kamerasystemen unserer Kollegen aus den Automotive-Divisionen.

ContiTech ist ja als Autozulieferer ein Begriff. Wollen Sie davon weg?

Nein. Wir wollen weiterhin die Balance halten: 50 Prozent Umsatz mit der Autobranche, 50 Prozent in anderen Branchen wie dem Schienenbereich, Agrar, Bergbau oder Maschinenbau.

Bleibt das auch so, wenn die Autohersteller auf Elektroantrieb umschwenken?

Wir erwarten, dass Verbrennungsmotoren ihren Zenit erst nach 2025 erreichen und damit noch Wachstum vor sich haben. Bis dahin wird es kaum Einflüsse geben. Wenn es danach zur überwiegenden Elektrifizierung kommt, entfallen einige Produkte, aber andere werden gestärkt. Zum Beispiel brauchen Elektroautos zwar keine zentralen Motorriemen - dafür aber mehr kleine Hochleistungsriemen. Unter dem Strich werden wir auch dann weiterhin rund 50 Prozent des Umsatzes mit Autos machen.

Auf der Hannover-Messe haben auch Sie sich als Vorreiter für die vernetzte Welt der „Industrie 4.0“ präsentiert. Ist das im Fabrikalltag schon mehr als ein Schlagwort?

In den Köpfen auf jeden Fall. Wir versuchen, bei der Digitalisierung eine hohe Schlagzahl zu erreichen. ContiTech hat jedoch mehr als 100 Werke weltweit. Da müssen wir auch die Ressourcen im Auge behalten - mit Blick auf die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter und die Investitionen.

Ihr Paradebeispiel für das „Internet der Dinge“ sind Transportbänder mit integrierten Sensoren, die eine vorausschauende Wartung ermöglichen. Das zeigen Sie aber schon seit zwei Jahren ...

... mit entsprechendem Fortschritt, und dabei wird es natürlich nicht bleiben. Wir entwickeln mittlerweile eine ganze Familie von vernetzten Förderbändern direkt für Endkunden. Im nächsten Schritt geht es darum, gemeinsam mit Maschinenbauern zu größeren Serien zu kommen und gleichzeitig das Servicegeschäft weiter auszubauen. Wir sind hier guter Dinge.

Für die vorausschauende Wartung müssen Maschinen Daten liefern - wem gehören die am Ende?

Da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. In Deutschland sind viele Kunden eher konservativ und möchten nicht jedermann Zugriff auf die Daten gewähren. In den USA oder auch in China hat man mit einer breiteren Verfügbarkeit weniger Probleme, wenn das Vorteile bringt. Wir loten aus, was unsere Kunden wollen und bieten dann ganz individuelle Lösungen an.

Hat ContiTech für diese Herausforderungen schon die richtigen Leute an Bord?

Noch nicht in allen Bereichen. Früher haben wir primär Chemiker, Maschinenbauer und Betriebswirte eingestellt, heute sind die Anforderungen viel breiter gestreut. Insbesondere bei Datenanalysten gibt es einen großen zusätzlichen Bedarf - da dürfen die Universitäten gern noch mehr produzieren.

Was tun Sie, um solche begehrten Leute zu rekrutieren und im Unternehmen zu halten?

Continental bietet allen Mitarbeitern weltweit flexiblere Arbeitszeiten an - sowohl im Büro als auch im Schichtbetrieb. Das betrifft zum Beispiel Sabbat-Zeiten mit Job-Rückkehr-Garantie oder Teilzeitarbeit, wo betrieblich machbar. Wir haben dabei bewusst keine Grenze gezogen. Das ist mutig und fordert uns sehr viel Flexibilität ab. Trotzdem haben wir beschlossen, das auszuprobieren. Wir wollten nicht nur Standard-Pilotprojekte machen.

Interview: Christian Wölbert und Jens Heitmann

Zur Person

Hans-Jürgen Duensing ist der Lokalmatador im Konzernvorstand von Continental: Er ist von Geburt an Hannoveraner, hat hier seine Lehre bei der Conti abgeschlossen und anschließend Wirtschaftswissenschaften studiert. Innerhalb von drei Jahrzehnten ist er vom Serviceleiter zum Chef des Kautschukspezialisten ContiTech mit insgesamt 42.000 Mitarbeitern aufgestiegen. Das Amt hat der 59-jährige verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder seit Mai 2015 inne.

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