Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
„Das müsste jetzt der Tiefpunkt sein“

Milchpreis „Das müsste jetzt der Tiefpunkt sein“

Die Lage für die Milchbauern ist dramatisch: Sie erhalten für den Liter weniger als 20 Cent. Milchmarktexperte Erhard Richarts macht den Bauern allerdings Mut. Er erwartet höhere Preise – obwohl Iren und Holländer ihre Mengen steigern. Ein Interview.

Voriger Artikel
Lufthansa streicht Flüge nach Venezuela
Nächster Artikel
So lange warten Sie auf Ihren Steuerbescheid

Kostet die Milch bald wieder mehr? Zahlreiche Milchbauern geben auf. Dies führt zu einem geringeren Angebot - und bremst den Preisverfall. Foto: dpa

Quelle: Bernd Schoelzchen

Im Supermarkt kostet der Liter Milch nur noch 46 Cent, davon bekommt der Bauer von der Molkerei weniger als 20 Cent - können die Preise noch weiter heruntergehen, Herr Richarts?

Nein, eigentlich nicht. Das müsste jetzt der Tiefpunkt sein. Das Wachstum der Milchmenge ist bereits ins Stocken geraten - die ersten Bauern geben auf. Der Export zieht wieder an. Ich rechne daher mit einer baldigen Trendumkehr. Im Verlauf des Jahres dürften die Preise für die von den Landwirten an Molkereien gelieferte Milch sich in die Richtung von 25 Cent und darüber bewegen, und dann muss der Einzelhandel auch deutlich mehr für die Trinkmilch bezahlen, als er es jetzt tut.

Die Bauern suchen die Schuldigen für den Preisverfall bei den Molkereien und beim Lebensmitteleinzelhandel - liegen sie damit richtig?

Nur zum Teil. Schuld und Nichtschuld zuweisen ist nicht mein Anliegen. Immerhin haben seit einiger Zeit etliche Molkereien den Bauern höhere Preise gezahlt, als sie selbst erwirtschaften konnten. Die Frage ist, wie lange sie das durchhalten. Und die Einkäufer großer Handelsketten wie Aldi, Lidl oder Edeka machen sich ja nur den Umstand zunutze, dass derzeit schlicht das Angebot die Nachfrage übertrifft - sprich: dass einfach zu viel Milch auf dem Markt ist.

Viele Bauern haben nach dem Ende der Milchquote im Frühjahr 2015 ihre Kapazitäten erhöht. Hätten sie nicht damit rechnen müssen, dass danach die Preise in die Knie gehen?

Die beiden Jahre vor dem Auslaufen der Quote waren eine Hochpreisphase, in der zeitweise 40 Cent und mehr je Liter bezahlt wurden. Das hat Bauern zu Investitionen ermuntert, andere haben ihren geplanten Ausstieg aus dem Milchgeschäft hinausgeschoben und ihre Kühe behalten. Allerdings haben die Molkereien schon Anfang 2015 angefangen, Reserven anzulegen, weil sie nicht alles verkaufen konnten. Als die Quote auslief, stand der Markt also schon unter Druck.

Und davon haben die Landwirte nichts mitbekommen? Die Hälfte der Molkereien besteht doch aus Genossenschaften der Milchbauern.

Nach mehr als drei Jahrzehnten mit einer Quotenregelung haben sich viele einen solchen Preisabsturz einfach nicht vorstellen können. Die meisten Molkereien nehmen den Bauern heute noch alle Milch ab. Es wäre hilfreich, wenn sie sich künftig mit ihren Abnehmern im In- und Ausland - also nicht nur mit Aldi, Rewe und Co. - darauf verständigen würden, wie viel Milch gebraucht wird, und dann für die Menge über Preise verhandeln. Für jeden Liter Milch, der darüber hinaus angeliefert würde, müssten dann Preise akzeptiert werden, den sonstige Märkte vielleicht hergeben. Und das ist zumeist weniger.

Die aktuelle Krise führt dazu, dass vor allem kleinere Milchbauern aufgeben. In Niedersachsen stehen heute durchschnittlich 80 Kühe im Stall - doppelt so viele wie vor 15 Jahren. Gibt es eine Alternative zur Flucht in die Größe?

Zum Teil gibt den Takt auch die Technik vor: Ein Melkroboter reicht für 60 bis 70 Kühe - wer mit dieser Technik expandieren will, muss also die Zahl seiner Tiere auf diese Größe bringen oder auf das Doppelte oder Dreifache erhöhen. Für kleinere Betriebe rechnet sich die Milchviehhaltung unter solchen Bedingungen nur noch als Nebenerwerb.

Ist der Umstieg auf Biomilch eine Alternative?

Mit deutlich über 40 Cent je Liter ist der Preis für die Bauern zurzeit sehr attraktiv - eine Umstellung ist aber nicht von heute auf morgen möglich. So ein Prozess dauert drei Jahre. Dabei gilt es jedoch zu bedenken: Biomilch ist ein Nischenprodukt mit einem Marktanteil von unter 10 Prozent. Wenn zu viele Bauern auf Bio umstellen, gehen folglich auch dort die Preise in den Keller.

Die grünen Agrarminister der Länder fordern eine befristete staatliche Begrenzung der Milchmengen. Halten Sie so ein Instrument für wirksam?

Nein, was soll das bringen? Andere EU-Länder wie die Niederlande oder Irland haben an so etwas kein Interesse. Die Bauern in Holland fahren ihre Produktion derzeit hoch, um sich eine bestimmte Menge zu sichern, bevor schärfere Umweltauflagen greifen. Die Iren kommen auch mit dem aktuellen Preisniveau halbwegs zu recht, weil sie sehr niedrige Produktionskosten haben - wegen des milden Klimas und des vielen Regens grasen die Kühe dort fast immer auf der Weide.

Am Montag lädt die Bundesregierung zu einem „Milchgipfel“ ein. Kann die Politik den Bauern überhaupt helfen?

In gewisser Weise schon. Wenn akut gefährdete Betriebe, die eigentlich überlebensfähig sind, für einen bestimmten Zeitraum finanzielle Unterstützung bekommen, ist das sicher hilfreich. Man kann auch darüber nachdenken, die steuerlichen Lasten anders zu verteilen - also die Möglichkeit zu schaffen, gute und schlechte Jahre miteinander zu verrechnen. Das würde immerhin denen helfen, die so viel einnehmen, dass sie Steuern zahlen müssen.

Interview: Jens Heitmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Internetpetition
„Milch wird günstiger als Wasser verkauft.“

In der Milchkrise bitten die Landwirte aus dem Westen Niedersachsens die Verbraucher um Hilfe. Sie sollen im Internet eine Petition unterzeichnen, in dem insbesondere die Discounter aufgerufen werden, angemessene Preise für Milch und Milchprodukte zu zahlen. Denn die wird mittlerweile günstiger als Wasser verkauft.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 82,33 +2,69%
CONTINENTAL 182,01 +1,31%
DELTICOM 18,05 +5,47%
HANNO. RÜCK 103,20 -1,44%
SALZGITTER 35,11 +2,27%
SARTORIUS AG... 68,52 +1,03%
SYMRISE 55,77 +1,76%
TALANX AG NA... 31,54 +0,38%
TUI 13,12 +4,05%
VOLKSWAGEN VZ 128,10 +1,26%
DAX
Chart
DAX 11.192,50 +0,12%
TecDAX 1.734,50 +0,09%
EUR/USD 1,0609 -0,05%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. BANK 17,92 +3,37%
BAYER 93,10 +2,99%
THYSSENKRUPP 24,07 +2,11%
RWE ST 11,19 -4,51%
E.ON 6,35 -2,02%
MÜNCH. RÜCK 175,60 -1,04%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 165,03%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 111,00%
Polar Capital Fund AF 103,34%
Fidelity Funds Glo AF 92,98%

mehr