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Italien bangt um seine Banken

Krise im Schatten des Brexit Italien bangt um seine Banken

Italiens Regierung bemüht sich, Sparer zu beruhigen. Doch seit dem Brexit stehen die italienischen Krisenbanken im Fokus. Vor allem eine uralte Traditionsbank macht Probleme. Für Premierminister Renzi wird es ungemütlich.

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Die Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist besonders von faulen Krediten belastet.

Quelle: dpa

Im Schatten des Brexit wächst in Italien und dem Rest der EU die Angst um die italienischen Banken. Die Krisensymptome nehmen zu: So rauschten die Aktienkurse der Kreditinstitute in den vergangenen Tagen immer rasanter in die Tiefe - und die Ausfallversicherungen für Banken wurden immer teurer. Einige Experten warnen bereits vor der Sprengkraft der italienischen Bankenkrise und dass sich diese auf ganz Europa ausweiten könnte. "Der gesamte Bankenmarkt steht unter Druck", sagte Lorenzo Bini Smaghi, Verwaltungsratschef der französischen Großbank Société Générale, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kein Wunder, dass Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi die Krisenbanken lieber heute als morgen mit frischem Staatsgeld stützen würde. Doch noch stellt sich die EU quer. Zuletzt holte sich Renzi beim EU-Gipfel vergangene Woche eine Abfuhr für den Plan einer Kapitalspritze von 40 Milliarden Euro für die Banken. Renzi steht unter Hochdruck - im Ausland und im eigenen Land. "Die italienischen Sparer und Kontoinhaber haben kein Problem, und das hat für mich Priorität", beeilte er sich, verunsicherte Sparer zu beruhigen. Er sieht weniger das Problem in Italien als in Gesamteuropa. "Die wirkliche Frage zu den europäischen Finanzen sind nicht die notleidenden italienischen Kredite, sondern die Derivate anderer Banken", sagte er - was in Italien als Fingerzeig auf deutsche Banken gewertet wurde. Banker und Investoren fordern mutige Entscheidungen der Politik. Für Société-Générale-Chef Smaghi führt etwa kaum ein Weg an direkten Staatshilfen vorbei. Regeln, die diese begrenzten, sollten dringend überdacht werden, um Schlimmeres zu verhindern.

Besonders belastet: Die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena  

In den Bilanzen von Italiens Banken türmen sich Kredite in Höhe von rund 360 Milliarden Euro, bei denen Kunden Probleme mit der Rückzahlung haben. Das entspricht einem Drittel der gesamten faulen Darlehen in der Eurozone. Betroffen sind viele Regionalbanken. Neben der jahrelangen Talfahrt der italienischen Wirtschaft liegt das auch am Missmanagement bei der Vergabe von Krediten. "Italien kann eine größere Gefahr für die Eurozone werden als der Brexit", fürchtet Neil Wilson von der Handelsfirma ETX Capital. Die Aufseher der Europäischen Zentralbank sind alarmiert. In einem Schreiben drängen sie die von faulen Krediten besonders belastete Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) zu einem drastischen Abbau der faulen Kredite.

Das Traditionshaus steht im Fokus der Krise. Doch der Abbau kann nur gelingen, indem die Bank die Kredite mit deutlichen Verlusten verkauft und hohe Abschreibungen vornimmt. Dafür aber fehlen die Kapitalpuffer - trotz mehrerer Kapitalerhöhungen und zweier Rettungsaktionen durch den Staat seit der Finanzkrise 2008. Auch bei der größten Bank des Landes, Unicredit, wachsen die Sorgen vor neuen Lücken. Sie gilt als global systemrelevant. Eine Schieflage des Instituts, könnte im weltweiten Finanzsystem Schockwellen auslösen. Die angeschlagenen Banken Italiens bräuchten schnell Staatshilfe, erklärt der Vizepräsident des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Philipp Hildebrand, am Mittwoch in der "Financial Times".

Eine solche Hilfe sollte allerdings mit der klaren Vorgabe an die Institute einhergehen, endlich strukturelle Reformen anzugehen. Dann bestehe die Chance, den Bankensektor wirklich zu stärken und die Hilfsgelder zurückzubekommen. Doch bislang tut sich die EU, unter Druck aus Deutschland, schwer mit neuen Staatshilfen. Seit der Finanzkrise hatten alle Anstrengungen zum Umbau der Banken das Ziel, dass nicht noch einmal der Steuerzahler gerade stehen muss. Unter anderem müssen zunächst Eigentümer und Gläubiger einer Bank bei einer Schieflage an den Rettungskosten beteiligt werden. Doch diese Vorgabe, die erst seit Jahresbeginn vollständig gilt, wackelt angesichts der Lage in Italien. Das Problem ist nach Einschätzung von Kritikern, dass die italienischen Banken in das neue System gerutscht sind, ohne dafür reif zu sein. Der Bankensektor ist immer noch stark zersplittert und wenig effizient. Eine Möglichkeit zur befreienden Reform könnte sich nach Einschätzung von Morgan-Stanley-Analyst Alvaro Serrano Ende des Monats bieten, wenn die europäischen Bankaufsichtsbehörden die Ergebnisse der diesjährigem Stresstests vorlegen. Denn eine Ausnahme bei den Haftungsregeln sieht vor, dass in den Tests festgestellte Kapitallücken mit Staatsgeld gestopft werden können.

Renzi unter Druck

Doch hat Italien dafür überhaupt finanziellen Spielraum? Einerseits ja, denn das jährliche Haushaltsloch Italiens ist derzeit nicht so groß wie in anderen Euroländern wie Spanien oder Portugal. Andererseits ist Italien schon hoch verschuldet: Nach Griechenland hat der Stiefelstaat den - in Relation zur Wirtschaftsleistung - höchsten Schuldenberg in der Eurozone angehäuft. An dieser Stelle kommen die Banken ins Spiel, die einen erheblichen Teil der öffentlichen Schulden finanziert haben. Die hohen Bestände an Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken gelten zugleich als ein wichtiger Grund, warum die Geldhäuser die Sanierung ihrer Bilanzen seit Jahren aufschieben. Denn diese müssen - im Gegensatz zu herkömmlichen Krediten - nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden. Das mindert den Anreiz zur Aufstockung des Eigenkapitals.

Renzi steht auch politisch unter Druck. Im Herbst will er das Volk über seine tiefgreifende Verfassungsreform abstimmen lassen. Umfragen deuten auf einen knappen Ausgang hin - und Renzi hat seine politische Zukunft mit dem Referendum verbunden. Sollte der Premier jetzt den EU-rechtlich vorgeschriebenen Weg gehen und die italienischen Sparer für die Banken bluten lassen, könnte das seinen politischen Tod und Neuwahlen bedeuten. Die darauf folgende Ungewissheit wäre ein Schlag für die fragile italienische Konjunktur - und damit für die Banken.

dpa

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