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Jeder dritten Firma fehlen Lehrlinge

Negativrekord Jeder dritten Firma fehlen Lehrlinge

Trotz Zugeständnissen bei der Einstellung kann fast jeder dritte Betrieb in Deutschland nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Deutschlandweit waren dies im vergangenen Jahr 31 Prozent, im Osten sogar 45 Prozent aller Unternehmen. Das zeigt eine am Dienstag in Berlin veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

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Negativrekord: So wenige junge Menschen wie noch nie seit der Wiedervereinigung haben 2015 eine Berufsausbildung begonnen.

Quelle: dpa

Hannover. „Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Zwar konnten im Vorjahr mit 32 Prozent noch etwas mehr Ausbildungsbetriebe nicht alle Plätze besetzen. Doch lag die leichte Verbesserung laut DIHK auch daran, dass viele Betriebe mangels Lehrlingen ihren Status als Ausbildungsbetrieb verlieren. Während der Anteil der Betriebe mit unbesetzten Lehrstellen im Gastgewerbe mit 61 Prozent fast stabil blieb, sank er im Baugewerbe um 7 Punkte auf 30 Prozent. Die Baubranche selbst führt dies auf hohe Ausbildungsvergütungen zurück – und auf Imagekampagnen. Rund 14 000 Unternehmen fanden im vergangenen Jahr sogar nicht einen einzigen Auszubildenden.

Hauptgrund für die wachsenden Lücken sei der Mangel an geeigneten Bewerbern, obwohl drei von vier Betrieben auch lernschwächere Jugendliche einstellten, hieß es gestern. Schweitzer warf den Schulen vor, für mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse vieler Jugendlicher verantwortlich zu sein. Immer mehr Firmen – nämlich rund jede zweite – klagen laut Umfrage über diese Schwächen potenzieller Bewerber beziehungsweise ihrer Azubis. Alarm schlug der DIHK auch wegen aus seiner Sicht wachsender Probleme mit Disziplin, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft. Immer mehr Unternehmen beklagen, dass die Jugendlichen den Anforderungen nicht gerecht werden – die Werte liegen bei 48 bis 53 Prozent.

Mit der Einstellung Lernschwächerer, mit Imagekampagnen und gezielten Angeboten an Jugendliche hätten es die Betriebe erreichen können, die Zahl der Ausbildungsverträge etwa stabil zu halten. Längst sei bei den Unternehmen Hilfe zur Selbsthilfe üblich, sagte Günther Hirth, für Berufsausbildung zuständiger Abteilungsleiter bei der IHK Hannover. „40 Prozent der Betriebe bieten intern Nachhilfe an, damit die Azubis die Prüfungen bestehen.“ Um die Motivation der Bewerber zu testen, böten die Firmen vor Ausbildungsbeginn zunehmend Praktika an: „Dann können beide Seiten früh sehen, ob es passt.“

Laut Statistischem Bundesamt begannen im vergangenen Jahr so wenige junge Menschen eine Berufsausbildung wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 516 200 Frauen und Männer traten eine duale Ausbildung an, also 0,4 Prozent weniger als 2014. Insgesamt bewerben sich rund laut Schweitzer rund 7 Prozent weniger junge Menschen um eine Ausbildung als vor zehn Jahren: „Gleichzeitig studieren rund 40 Prozent mehr.“

Flüchtlinge helfen noch nicht

Junge Flüchtlinge können den Mangel an Bewerbern nicht ausgleichen. Nur rund 3 Prozent der Betriebe geben an, Migranten auszubilden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass derzeit rund 10 000 Flüchtlinge in Ausbildung sind. In Zukunft werde ihre Bedeutung aber wachsen, heißt es – zumindest wenn die Bundesregierung den Plan rasch umsetze, dass die Flüchtlinge nach drei Jahren Ausbildung weitere zwei Jahre nicht abgeschoben werden.

Die Erfahrung zeigt: Vor einer Ausbildung stehen in der Regel der Wechsel von der Erstunterkunft in andere Wohnungen, das Deutschlernen, weitere Qualifizierungen – im Schnitt 22 Monate sind Betroffene vor Ausbildungsstart in Deutschland.

Von Basil Wegener
 und Jens Heitmann

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