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Deutschland / Welt „Zitiert nicht aus der Wikipedia“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt „Zitiert nicht aus der Wikipedia“
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00:15 17.03.2014
Von Frerk Schenker
Auf der CeBIT: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Quelle: dpa
Hannover

Jimmy Wales ist ein freundlicher Mensch. Kollegen aus der Branche öffentlich zurechtweisen? Nichts liegt ihm ferner. Doch jetzt kann er sich nicht mehr zurückhalten. „Bei allem Respekt für Bill Gates – aber hier liegt er völlig falsch.“ Edward Snowden, der bekannteste Whistleblower der Welt, soll kein Held sein, wie es der frühere Microsoft-Chef wenige Stunden zuvor in einem Interview geäußert hatte? „Natürlich ist er ein Held“, sagt Wales.

Der Wikipedia-Gründer ist am Freitag zu Gast auf der CeBIT. Eine Stunde spricht er über das Onlinelexikon, die Freiheit im Netz – und seine Sicht auf die NSA-Affäre. „Ja, Snowden hat Gesetze gebrochen, aber das hat Nelson Mandela auch.“ Die Anklage wegen Verrats hält er für verfehlt, eine symbolische Haftstrafe  hingegen für angemessen. „Obama sollte Nachsicht zeigen und Snowden zurückholen“, sagt er in Richtung des US-Präsidenten und schiebt einen weiteren Rat hinterher: „Den Chef der NSA hätte ich längst gefeuert.“

Es sind Sätze wie diese, die das Publikum auf der CeBIT applaudieren lassen. Und in denen der Freiheitsgedanke durchscheint, dem sich der US-Amerikaner Wales verschrieben hat. Seit er 2001 das Onlinelexikon ins Leben rief, geht es ihm um nichts Geringeres, als „jedem einzelnen Menschen auf der Welt Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit zu ermöglichen“. Wales wiederholt diesen Satz mehrfach, denn er versteht ihn wörtlich. Die mehr als 500 Millionen Wikipedia-Nutzer sind für ihn nur ein Zwischenschritt, ebenso die 30 Millionen Artikel in 285 Sprachen: „Der Zugang zu Wissen ist ein universelles Menschenrecht.“

Um das durchzusetzen, hat er unlängst die Initiative „Wikipedia Zero“ gestartet. Sie wirbt bei Mobilfunkanbietern für einen kostenlosen Zugriff auf das Lexikon. In Kenia und Uganda können Nutzer per Handy bereits Wikipedia lesen, ohne für die Datenübertragung zu zahlen. „Ein wirklich aufregendes Projekt“, sagt Wales. Auch diesen Satz nimmt ihm das Publikum ab.

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Nicht alles ist gut bei Wikipedia. Das weiß auch Wales und spricht es in Hannover unumwunden an. Das Lexikon sei längst Teil der Infrastruktur des Internets. Zensur, wie zum Beispiel in China, könne aber auch er nicht verhindern. Zudem sei die Frauenquote zu gering und weibliche Themen damit unterrepräsentiert, denn der typische Wikipedianer sei eben männlich und etwas „nerdig“. Kleinkriege unter den freiwilligen Autoren, wie sie besonders in Deutschland ausgeprägt sind? Mitunter sei das doch ziemlich frustrierend, gesteht Wales.

Trotzdem schwärmt er für Wikipedia. „Die Qualität der Artikel ist sehr hoch, mitunter sogar höher als in einem gedruckten Lexikon.“ Nur in einem Punkt stimmt Wales mit seinen Kritikern überein. Sollten Schüler und Studenten direkt aus Wikipedia zitieren? „Natürlich nicht“, das sei doch nur etwas für faule Studenten. „Sie sollten aber das Wissen nutzen – um sich selbst Gedanken zu machen.“

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