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Kaffee aus Kapseln ohne schlechtes Gewissen

Abbaubares Material Kaffee aus Kapseln ohne schlechtes Gewissen

Kaffeekapseln sind nicht nur ein gutes Geschäft, vor allem sind sie eine Umweltsünde. Der Unternehmer David Wolf-Rooney aus Bremen will die Lösung gefunden haben. Er produziert – wie einige andere auch – das Produkt aus abbaubarem Material.

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Der Boom lässt sich nicht aufhalten: In jedem dritten deutschen Haushalt wird Kapselkaffee getrunken.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Hannover. David Wolf-Rooney hat eine Vision: Millionen von Kaffeekapseln, die täglich im Hausmüll landen, könnten stattdessen auch auf dem Kompost verrotten. Langsam zwar, aber mit einer geringeren Belastung für die Umwelt - und das Portemonnaie der Kunden. Wolf-Rooneys Firma Velibre vertreibt deshalb Kaffeekapseln aus abbaubarem Kunststoff.

Denn trotz des derzeitigen Filterkaffeebooms gilt der Markt des Kapselkaffees als Wachstumsbranche: Allein 15 Milliarden Kaffeekapseln wurden vergangenes Jahr weltweit verkauft, in jedem dritten deutschen Haushalt steht eine Kapselkaffeemaschine. Ihr Vorteil: die Produktvielfalt. Die Einfachheit der Handhabung. Die Schnelligkeit, mit der sich der Kaffee brühen lässt. Doch Kaffeekapseln mögen zwar praktisch sein, zugleich aber produzieren sie einen Haufen Müll. Auf sechs Gramm Kaffee kommen drei Gramm Aluminium oder Plastik, hochgerechnet braucht man 300 Gramm Aluminium für ein Kilo Kaffeepulver. Im vergangenen Jahr verursachten drei Milliarden verkaufte Kaffeekapseln nach Berechnungen der Stiftung Warentest rund 5000 Tonnen Verpackungsmaterial. Etwa 500 Müllwagen wären notwendig, sie abzutransportieren.

Deutsche trinken 162 Liter im Jahr

Ein weiterer Nachteil ist der Preis. Immerhin trinken die Deutschen 162 Liter von ihrem Lieblingsgetränk pro Jahr - das sind rund 650 Tassen. Der Kaffee in Kapseln aber ist im Schnitt sechsmal so teuer wie in herkömmlichen Verpackungen. So kostet eine Kapsel etwa vom Marktführer Nespresso mindestens 35 Cent. Bei einem Gewicht von rund sechs Gramm pro Kapsel ergibt sich ein Kilopreis von etwa 60 Euro. Das ist rund sechsmal so teuer wie Kaffee ohne Kapseln. Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest kosteten die Kapseln in deutschen Lebensmittelmärkten zwischen 17 und 38 Cent pro Stück.

Inzwischen kämpfen mehr als zwanzig Hersteller, darunter auch Discounter, um Anteile auf dem rasch wachsenden Kapselmarkt. Selbst Tee gibt es in Kapseln. Wolf-Rooney will daran mitverdienen. Sein Ziel ist es, mindestens ein Prozent des Marktes für sein Produkt zu gewinnen.

Begonnen hat er sein Projekt Öko-Kapseln vor etwas mehr als zwei Jahren - und selbst in dieser noch jungen Sparte gibt es längst Mitbewerber. Damals saß Wolf-Rooney mit einem Freund in der heimischen Küche und irgendwie kam das Gespräch auf Kaffeekapseln. Man philosophierte darüber, wie viel Geld ein Hersteller allein mit einem Kilogramm Kaffee verdienen würde. Und so entstand die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das einerseits am Umsatz beteiligt ist, sich andererseits aber der Umwelt verschreibt.

Wer schlürft täglich am meisten Kaffee im Job? Eine Studie hat 10.000 Angestellte befragt. Die Ergebnisse überraschen – und widersprechen manchem Klischee.

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Seit Monaten nun ist Wolf-Rooney in der Welt unterwegs, um für sein Produkt zu werben. Velibre hat er die Firma genannt, das Wort steht für die Städte Veliko Tarnovo (veli) und Bremen (bre). Im bulgarischen Veliko Tarnovo saß sein erster Geschäftspartner, und dass die Firma nun ausgerechnet in Bremen beheimatet ist, der Heimat von Kaffee Hag und Jacobs, ist ein Zufall.

36 Investoren aus sechs Ländern hat Wolf-Rooney inzwischen von seinem Kapselkonzept überzeugen können. Unterstützung gibt es unter anderen von Biofed, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von abbaubarem Plastik spezialisiert hat, und von Innovialfilms, das sich mit der Produktion von Folien auskennt. Die Biokapseln von Velibre werden nach Angaben des Unternehmens auf Erdölbasis hergestellt, das Endprodukt jedoch besteht aus aliphatischem Kunststoff, das heißt, die Kapseln können innerhalb eines Jahres auf dem heimischen Kompost verrotten.

Die geringeren Kosten für Verpackungsmaterial in der Herstellung solle am Ende, so Wolf-Rooney, auch der Verbraucher zu spüren bekommen - der Preis für eine Kapsel mit fünf Gramm Kaffee liegt etwa bei 22 Cent. Vorerst gibt es den Kaffee in fünf Sorten nur im firmeneigenen Onlineshop, Kunden müssen auf den Preis also noch Versandkosten addieren.

Kapseln gelten als unökologisch

Allerdings lassen sich von seinem Konzept nicht alle überzeugen. Die Deutsche Umwelthilfe beispielsweise hält die Idee abbaubarer Kapseln grundsätzlich für den falschen Weg. Der Verband spricht von Greenwashing, und hat dafür seine Gründe. „Kaffeekapseln sind immer unökologisch. Der Entsorgungspfad ist dabei nicht das Entscheidende. Es gibt eine einfache Regel für das Öko-Design von Verpackungen“, sagt Thomas Fischer, Projektmanager Kreislaufwirtschaft. „Je kleiner die Verpackung, desto schlechter das Verhältnis von Füllgut zur benötigten Menge von Verpackungsmaterial.“

Im Vergleich zu Großverpackungen falle bei Kaffeekapseln 16-mal mehr Abfall an. „Das ist nicht ressourceneffizient und in keiner Weise ökologisch. Es ist einfach der falsche Weg.“ Wer unbedingt eine Kaffeekapsel nutzen möchte, sollte auf Mehrwegkapseln setzen. „Die können selbst befüllt werden, sind ebenfalls für Nespresso-Maschinen nutzbar - und sie sind 1000-fach benutzbar“, sagt Fischer.

Von Marion Hahnfeldt

Kaffee trinken – aber wie?

Kaffee gefiltert, aus der Espressomaschine oder aus Pads und Kapseln, Möglichkeiten zur Kaffeezubereitung gibt es viele. Welche Variante nun ist aber wirklich ökologisch? „Wer als Kunde auf die Umwelt und den Geldbeutel achten möchte, der sollte klassische Kaffee- oder Espressomaschinen benutzen“, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.
Wie Coffee-to-go-Becher oder Plastiktüten führen auch Kaffeepads und Kaffeekapseln zu einem deutlichen Anstieg der Verpackungsmengen – besonders wenn neben der Kaffeekapsel auch noch eine Milchkapsel zur Zubereitung benötigt wird. Auf die Weise verdopple sich die Verpackungsmenge. Fischer rät: „Greifen Sie alternativ auf Aufbrühsysteme mit Papier- oder Dauerfilter oder elektrische Kaffeemaschinen zurück – und kaufen Sie Kaffee in größeren Verpackungen. Das ist nicht nur für die Umwelt sinnvoll, sondern auch für Ihre Gesundheit und Ihren Geldbeutel.“
Wer unbedingt Kaffeekapseln benutzen möchte, sollte stattdessen zu Mehrwegkapseln greifen. „Die können selbst befüllt werden, sind ebenfalls für handelsübliche Maschinen geeignet – und sie sind 1000-fach benutzbar.“     

 

Rund um den Kaffee

Wer was trinkt: Mit einem Anteil von 70 Prozent war der Filterkaffee 2014 laut Kaffeeverband immer noch mit Abstand die populärste Zubereitungsart in Deutschland. Pads und Kapseln machten zuletzt rund 13 Prozent aus. Der Kaffeeverband geht davon aus, dass beide Strömungen nebeneinander bestehen bleiben. Viele Verbraucher greifen aus Bequemlichkeit zu Vollautomaten oder Einzelportionsmaschinen.
Kapseln im Test : Die Stiftung Warentest untersuchte erst im November 14 Kapselmarken. Zwar schnitt eines der teuersten Produkte am besten ab. Aber auch die günstigeren Kapseln, die teils in dieselbe Maschine passen, erreichten eine gute Bewertung. Große Ausreißer gab es nicht: Sieben Produkte bekamen die Note „gut“, sieben ein „Befriedigend“. Die Tester prüften den Geschmack des Kaffees, ob es Probleme bei der Zubereitung gab, Schadstoffe, die Verpackung und die Deklaration – also ob drin ist, was draufsteht.
Keime im Auffangbehälter: Nach einer Untersuchung der Universität Valancia in Spanien gelten Kaffeekapselmaschinen als unhygienisch. Besonders in Auffangbehältern wurden zwischen 35 und 67 Bakterienarten gefunden. Am häufigsten entdeckten die Forscher Pseudomonas und Enterokokken, die im menschlichen Körper zu Infektionen führen können – allerdings nur, wenn sie in großen Mengen aufgenommen werden. Wer den Behälter regelmäßig reinigt, gefährdet sich also nicht. Übrigens steigt die Zahl der Bakterien nach einer Weile nicht weiter an – das liegt daran, dass sich diese dann optimal an ihren Lebensraum angepasst haben und kein Platz für neue ist. Neuere Maschinen sind also ebenso betroffen wie ältere Modelle.     

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