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In aller Stille

Aldi-Gründer Karl Albrecht ist tot In aller Stille

Deutschlands Einzelhandel hat viele Unternehmerlegenden hervorgebracht. Der letzte und reichste unter den Großen, Karl Albrecht, ist am Montag beerdigt worden.

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Starb im Alter von 94 Jahren: Aldi-Mitgründer Karl Albrecht.

Quelle: dpa

Essen. Manchmal merkt man an Kleinigkeiten, dass eine Epoche zu Ende geht. Über Jahrzehnte haben sie im Aldi-Reich eisern geschwiegen über Unternehmen und Gründer. Karl und Theo Albrecht wurden behandelt wie Phantome – weil sie es so wollten. Am Montag jedoch, am Tag der Beerdigung von Karl Albrecht, brachen bei Aldi Süd förmlich die Dämme. Das Unternehmen verschickte zum ersten Mal in seiner Geschichte hochoffiziell eine relativ junge Aufnahme des Gründers und eine Pressemitteilung zu Leben und Wirken. Es war der Mannschaft in Mülheim an der Ruhr offenbar ein Bedürfnis, diese Worte loszuwerden: „Wir verneigen uns vor ihm.“

Und sie werden nicht die Einzigen sein. Karl und sein 2010 verstorbener Bruder Theo Albrecht haben eine Handelsform perfektioniert, die heute für jeden Deutschen längst zum Einkaufen dazugehört und in vielen Ländern der Welt ihren Siegeszug angetreten hat – den Discount. Kein Schickschnack, nur die wichtigsten Produkte – dafür in großen Mengen und billig, billig, billig. Aldi ist heute das, was sie in der Branche Preisführer nennen. Will heißen: Günstiger kann, will und darf kein anderer sein.

Zwei Pfennigfuchsern aus Essen-Stoppenberg haben es die Deutschen zu einem Gutteil zu verdanken, dass sie bis heute im europäischen Vergleich so günstig Lebensmittel einkaufen können wie kaum eine andere Nation. Das nennt man dann wohl nachhaltiges Wirken. Die Geschichte wird zeigen, ob in Deutschland die Namen von heute hochgejubelten Internetstars wie Mark Zuckerberg oder Larry Page in 60 Jahren zur Allgemeinbildung gehören werden wie die der Albrechts.

Mit dem 94-jährigen Karl Albrecht ist der letzte der großen Gründergeneration gestorben, die der deutsche Einzelhandel nach dem Krieg hervorgebracht hat. Das Erbe von Josef Neckermann und Gustav Schickedanz ist längst in Luft aufgegangen, das von Werner Otto führt inzwischen die dritte Generation. Und auch in den Aldi-Imperien leiten andere die Geschäfte – auch wenn Karl „bis wenige Tage vor seinem Tod die Unternehmensgeschicke aufmerksam und wohlwollend“ begleitet hat, wie der Discounter behauptet.

Der Handelsriese Aldi

Mit Backwaren legte die Familie Albrecht vor gut 100 Jahren den Grundstein für das Handelsimperium Aldi. In Deutschland gelten Aldi-Preise als Messlatte für die Konkurrenz. Mit dem Discount-Konzept schrieben die Brüder Karl und Theo Albrecht Wirtschaftsgeschichte. Bereits 1961 teilten sie sich das Geschäft in Aldi Nord und Aldi Süd auf. Weltweit kommen beide Gesellschaften auf mehr als 10 000 Filialen. Konzernzahlen werden nicht veröffentlicht. Für 2013 schätzt das Handelsinformationsunternehmen Planet Retail den Umsatz auf 28,3 Milliarden Euro (Aldi Nord) beziehungsweise 38,5 Milliarden Euro (Aldi Süd).

Und das seit 1948. Damals starteten die beiden Brüder im elterlichen Geschäft, das sie schnell zu einer kleinen regionalen Kette ausbauten. Obwohl sich Karl und Theo ideal ergänzt haben sollen, teilten sie 1961 das Filialnetz auf und schufen zwei selbstständige Unternehmen. Karl Albrecht führte Aldi Süd, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theo Aldi Nord. Der berüchtigte „Aldi-Äquator“, der die Machtgebiete teilte, verläuft bis heute in einer Linie, die zwischen den Nachbarstädten Essen und Mülheim beginnt und sich diagonal Richtung Nordbayern erstreckt. Heute sind die Konzerne – fein abgestimmt – in 17 Ländern aktiv und kommen auf mehr als 10 000 Filialen und 67 Milliarden Euro Umsatz.

Die Aldis wuchsen, obwohl sie verschlossen agierten wie kaum ein anderer Konzern dieser Größenordnung. Das lag vor allem an den Gründern selbst, die nichts so sehr mieden wie die Öffentlichkeit. Nicht ohne Grund: Theo Albrecht wurde 1971 entführt und erst nach 17 Tagen und der Zahlung von sieben Millionen Mark Lösegeld wieder freigelassen. Inzwischen aber öffnen sich die Konzerne in kleinen Schritten – schon allein, weil der zunehmende Wettbewerb und der Kampf um die besten Köpfe sie dazu zwingen.

Karl Albrecht hat das Magazin „Forbes“ regelmäßig zum reichsten Deutschen erklärt, letzter Vermögensstand: 25 Milliarden Dollar. Doch die Macht über Geld und Unternehmen liegt schon lange bei zwei Stiftungen. Albrecht selbst soll sich außer einem Hotel mit eigenem Golfplatz in Donaueschingen nur wenig geleistet haben. Er lebte über 67 Jahre zusammen mit seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Mia in einer Nachkriegsvilla in Essen-Schuir, wo er bereits am vergangenen Mittwoch gestorben sein soll. Wie schon Aldi Nord bei Theo, wartete auch Aldi Süd mit der Nachricht über den Tod des Gründers bis nach seiner Beisetzung. Die fand in Essen-Bredeney im engsten Familienkreis statt. Karl Albrecht liegt dort nun unter einem schlichten Grabstein neben seiner Frau. Und nicht weit entfernt von Bruder Theo.

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Nach Tod des Gründers
Foto: Der Tod des letzten Aldi-Gründers, Karl Albrecht,  fällt in eine Zeit, in der der Handelskonzern vor einigen Herausforderungen steht.

Kurz vor seinem Tod zeigte sich Karl Albrecht mit Blick auf die Konkurrenz selbstbewusst: „Ohne Lidl wären wir eingeschlafen“. Doch der Rivale ist dabei, Aldi den Rang abzulaufen.

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