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20:35 23.02.2014
„Ich kann nicht nur im Büro sitzen“: Eva-Lotta Sjöstedt sucht Kontakt zu den Kunden. Quelle: dpa
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„Ich kann nicht nur im Büro sitzen und darüber nachdenken, was jetzt zu tun ist“, erklärte die frühere Ikea-Managerin in einem Interview. „Hier auf der Fläche erfahre ich jeden Tag etwas Neues, das uns helfen kann.“ Jetzt allerdings bleibt ihr Platz auf der Verkaufsfläche leer, nun muss sie doch im Büro sitzen und nachdenken: Heute rückt die 47-jährige Schwedin an die Spitze des angeschlagenen Warenhauskonzerns.

 Der Aufsichtsratschef der Karstadt Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, drückte schon Ende Januar aufs Tempo. Alle 83 Warenhäuser müssten auf den Prüfstand gestellt werden, forderte er und schloss auch Filialschließungen nicht aus. „Wir haben wenig Zeit. In zwei bis drei Monaten sollte der Plan stehen“, schrieb er der neuen Chefin ins Auftragsbuch. Denn nach wie vor steckt Karstadt in den roten Zahlen. Die bisherigen Sanierungsbemühungen scheinen wenig gefruchtet zu haben. „Die Häuser, die wir saniert haben, funktionieren nicht besser als die Häuser, die wir nicht saniert haben“, klagte kürzlich der Eigentümer der Warenhauskette, der Investor Nicolas Berggruen.

Ob die Schwedin, die bisher mit Billy-Regalen und Klippan-Sofas befasst war, die Richtige ist, Karstadt zu retten, ist durchaus umstritten. Sie hat zwar für den schwedischen Konzern schon in Japan und den Niederlanden gearbeitet. Erfahrung mit dem hart umkämpften deutschen Markt, auf dem sich Karstadt nicht nur gegen Kaufhof, sondern auch gegen Otto und H&M oder Internetanbieter wie Zalando behaupten muss, hat sie aber nicht.

Allerdings bringt Sjöstedt von Ikea etwas mit, was Karstadt zuletzt fehlte: Den unbedingten Willen, sich an den Wünschen der Kunden zu orientieren. Das schwedische Möbelhaus gilt als Meister in dieser Disziplin. Frau Sjöstedts Gespür für den Kunden könnte am Ende mit darüber entscheiden, ob Karstadt eine Zukunft hat.

Schon nach einigen Tagen in den Filialen stellt die Managerin jedenfalls die Strategie ihres Vorgängers Andrew Jennings infrage, der vor allem auf Mode setzte und die Kunden mit einer Vielzahl neuer britischer, amerikanischer und skandinavischer Modelabels verwirrte. „Es geht bei Karstadt nicht nur um Mode. Die Menschen erwarten, bei uns auch Dinge des täglichen Bedarfs zu finden. Das macht ein Warenhaus aus“, sagte sie dem Fachblatt „TextilWirtschaft“. Wertvoll für Karstadt könnten auch ihre Erfahrungen im sogenannten Multi-Channel-Geschäft werden – der Verbindung von stationärem Handel und Internethandel.

Dass ihr nicht viel Zeit bleibt, den angeschlagenen Warenhausriesen wieder auf stabile Beine zu stellen, weiß die Mutter von drei erwachsenen Kindern genau. Die schwierige Geschäftslage ist dabei allerdings nur ein Unsicherheitsfaktor. Ungewiss sind auch die Pläne, die Eigentümer Berggruen für das Unternehmen hat. Zwar beteuerte er in der Vergangenheit immer wieder, er kämpfe für Karstadt. Doch hinderte ihn dies nicht daran, die Mehrheit an den lukrativen Premium- und Sporthäusern an den Immobilieninvestor Rene Benko abzugeben. Für Berggruen wird Eva-Lotta Sjöstedt so viel Gespür brauchen wie für die Kunden.

dpa

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