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Deutschland / Welt Karstadt verdient wieder Geld
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00:15 25.10.2015
Was wollen die Kunden? Karstadt – hier die Filiale an Hannovers Georgstraße — will in Zukunft die Sortimente seiner Warenhäuser verstärkt an den Bedürfnissen der Konsumenten in der jeweiligen Region ausrichten. Quelle: Thomas
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Essen/ Hannover

Die Gewerkschaft Verdi will dies jedoch „nicht als Geschenk“ verstanden wissen. Deutlich über die Hälfte der Karstadt-Mitarbeiter sei ohnehin gewerkschaftlich organisiert, sagte Juliane Fuchs, zuständige Verdi-Expertin in Hannover, am Donnerstag der HAZ. Da für die Beschäftigten die alten Tarifverträge weiter gälten, hätten sie mithin einen tariflichen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Für Ralf Samtleben, Betriebsrat bei Karstadt in Hannover und Mitglied der Tarifkommission, bleibt es das wichtigere Ziel, dass das Unternehmen zum Tarifvertrag zurückkehrt. Weil Karstadt vor zwei Jahren aus der Tarifbindung ausgestiegen sei, bekomme eine Vollzeitkraft bei Karstadt im Schnitt rund 170 Euro pro Monat weniger als etwa die Kollegen beim Konkurrenten Kaufhof.

Karstadt-Chef Fanderl hatte sich mit dem Start ins wichtige Weihnachtsquartal zufrieden gezeigt. Auch die Sanierungsbemühungen der vergangenen zwölf Monate zeigten inzwischen sichtbare Erfolge. Karstadt habe sogar mehr geschafft als geplant. „Wir verdienen an der Ladenkasse wieder Geld“, sagte Fanderl. „Das war viele Jahre nicht der Fall.“ Operativ hat Karstadt seinen Angaben zufolge in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr ein positives zweistelliges Millionenergebnis erzielt. Unter dem Strich hätten aber noch einmal rote Zahlen gestanden. Ziel sei es, „im kommenden Jahr auch unter dem Strich ausgeglichen abzuschließen“. Der Umsatz sei zuletzt „moderat“ gesunken.

Nach der weit fortgeschrittenen Sanierung der Warenhäuser will der Konzern jetzt auch die Lebensmittel-Abteilungen neu aufstellen. Perfetto, das Gemeinschaftsunternehmen mit Rewe, ist laut Fanderl ein Sanierungsfall. „Wir werden hier künftig rund 35 bis 40 von heute noch 43 Standorten profitabel weiterbetreiben.“

Grundsätzlich setzt der Konzern auf eine verstärkte Regionalisierung seiner Häuser, um die Geschäftslage zu verbessern. „Ich glaube, unsere Chancen in den jeweiligen Innenstädten definieren sich durch das Umfeld. Von Schreibwaren bis zu Elektrogeräten müssen wir in der Lage sein, das richtige Angebot zu bieten. Wenn im Umkreis zum Beispiel kein starker Schreibwarenhändler sitzt, dann müssen wir diese Kategorie verstärken“, sagte Fanderl.

Aus dem 16 Millionen Artikel umfassenden Gesamtangebot will Karstadt für jedes Haus ein eigenes Sortiment entwickeln. Karstadt habe sich aus zu vielen Warengruppen verabschiedet, sagte der Manager und kündigte an: „Diese verlorene Kompetenz werden wir zurückgewinnen – auch mit weiteren starken Partnerschaften.“ Wenn Karstadt diese von der Gewerkschaft schon seit Langem geforderte Strategie tatsächlich umsetze, sei das ein richtiger Schritt, sagte Verdi-Handelsexpertin Juliane Fuchs dazu.

Sechs Standorte

An sechs Standorten ist Karstadt in Niedersachsen noch vertreten. Der größte ist Braunschweig mit etwa 400 Beschäftigten, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt. Diese „Kopffiliale“ steuere das gesamte Geschäft im Land. In Hannover seien gut 200 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 140 Beschäftigte im Warenhaus in der Georgstraße und etwas über 60 Mitarbeiter im Sporthaus an der Großen Packhofstraße. Ebenfalls 200 Beschäftigte zählen die Standorte in Lüneburg und Göttingen. Zu den kleineren Karstadt-Häusern gehören die Filialen in Goslar (120 Mitarbeiter) und Celle (unter 100 Beschäftigte).

von Uta Knapp und Carola Böse-Fischer

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