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15:13 30.08.2017
Das Bundeskriminalamt hat 2016 bundesweit mehr als 70 000 Fälle von Warenbetrug mit dem „Tatmittel Internet“ registriert. Quelle: Patan
Hannover

Es kann jeden treffen: Obwohl nichts bestellt wurde, tauchen in Briefkasten oder E-Mail-Postfach plötzlich seltsame Rechnungen, Mahnungen und Zahlungsbefehle unterschiedlicher Online-Versandhändler auf. Wie kann das sein? Offensichtlich haben sich Kriminelle Zugang zu personenbezogenen Daten verschafft und diese dazu genutzt, um im Internet Waren unter falschem Namen und auf Kosten der Bestohlenen zu kaufen. Identitätsdiebstahl hat inzwischen eine große Dimension angenommen – doch auf verlorenem Posten stehen Verbraucher noch nicht.

Mit Identitätsdiebstahl ist die widerrechtliche Nutzung individueller und streng vertraulicher Informationen durch unbekannte Dritte gemeint. Zum Beispiel zu Werbezwecken, aber auch für betrügerische Einkäufe im Netz. Das Bundeskriminalamt hat für das Jahr 2016 deutschlandweit 70 506 Fälle von Warenbetrug mit dem „Tatmittel Internet“ erfasst. In Niedersachsen sind es laut Auskunft von Hans Retter, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landeskriminalamt, beispielsweise 10 479 Fälle aus dem erwähnten Bereich. Ob im Vorfeld jeweils gestohlene Identitäten zum Tragen kamen, hat allerdings keine der beiden Behörden registriert.

Soziale Netzwerke öffnen Tür und Tor für Betrug

Für ihre Missetaten reichen den Tätern meist Name und Geburtsdatum des Opfers aus. In Besitz der scheinbar harmlosen Daten gelangen sie vor allem über die virtuelle Welt. „Gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook wird krimineller Energie Tür und Tor geöffnet“, betont Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen, „weil viele Nutzer mit ihren Profilen erstaunlich freizügig umgehen. Ohne daran zu denken, wer dort alles mitlesen kann.“

Aber auch über Suchmaschinen ist es ein Leichtes, persönliche Daten anderer Menschen abzugreifen. Hinzu kommen Hackerattacken auf große Datenbanken sowie die sogenannten Phishing-Angriffe: „Gefälschte Websites und E-Mails sollen den Empfänger dazu verleiten, Anmeldedaten preiszugeben oder einen Dateianhang zu öffnen, der eine Schadsoftware auf dem Rechner des Opfers installiert“, erläutert Professor Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Feststellbar sei der Datenklau häufig erst dann, wenn die erbeuteten Informationen bereits missbraucht wurden. Wer einem Verdacht nachgehen will, könne das zum Beispiel mit dem „Identity Leak Checker“ des HPI. Meinel: „Mit dem kostenlosen Online-Sicherheitstest kann jeder durch Eingabe seiner E-Mail-Adresse prüfen lassen, ob Identitätsdaten von ihm frei im Internet kursieren.“

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Ein hundertprozentiger Schutz gegen Identitätsdiebstahl existiert nicht. Trotzdem können verschiedene Verhaltensweisen das Risiko deutlich reduzieren. Verbraucher sollten auf Computer und mobilen Endgeräten ständig aktuelle Updates durchführen und ein gutes Antiviren-Programm installieren, rät Verbraucherschützerin Körber. Passwörter sollten sich je nach Account unterscheiden, aus Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen bestehen. Wörter aus dem Wörterbuch oder aber einfache Tastenkombinationen wie 1234 oder qwas sind zu vermeiden. „Auch kann es helfen, einen Passwort-Manager zu verwenden“, sagt die Produktmanagerin für die digitale Welt, „um den Überblick zu behalten.“

Fragwürdige E-Mail-Anhänge und dubiose Links sollten nicht angeklickt werden. Stattdessen sei es besser, sich im Zweifelsfall direkt bei den jeweiligen Diensten einzuloggen. Und wer im Internet unterwegs ist, sollte schließlich auch das gleiche gebotene Maß an Skepsis an den Tag legen wie im realen Leben. „Es empfiehlt sich immer, aufmerksam zu sein“, meint Körber, „auch mal einen Augenblick innezuhalten und zu überlegen, bevor man seine Daten in ein Formular eintippt. In unserer schnelllebigen Zeit wird das kaum noch gemacht.“

Forderungen lassen sich als unwirksam zurückweisen

Wenn alle Vorsicht nichts gebracht hat und Betrüger die eigene Identität missbrauchen, ist rasches Handeln geboten. „Sobald klar ist, dass die eigene Nutzername-Passwort-Kombination in kriminelle Hände geraten ist, sollte zuallererst das Passwort geändert werden“, betont HPI-Direktor Meinel. Das gelte auch für Konten, die dasselbe oder ein ähnliches Passwort wie das gestohlene haben.

Sind die Bankdaten wie Konto- oder Kreditkarteninformationen betroffen, müsse das Geldinstitut umgehend informiert werden. Zudem sollte auf Abrechnungen und Kontoauszügen Ausschau nach verdächtigen Transaktionen gehalten werden.

Im nächsten Schritt sollten Betroffene Strafanzeige bei der Polizei erstatten. So lassen sich Forderungen als unwirksam zurückzuweisen. Anschließend gilt es, jedes einzelne Unternehmen, das ungerechtfertigte Ansprüche stellt, zu kontaktieren, idealerweise per Einschreiben. „Das ist ärgerlich und lästig, führt aber unserer Erfahrung nach zum Erfolg“, sagt Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Viele Forderungen würden dann nicht mehr geltend gemacht.

Von Matthias Klöppel/RND

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