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Warum Firmen-Erpresser keinen Erfolg haben

Experten-Interview Warum Firmen-Erpresser keinen Erfolg haben

Rewe, Aldi und nun auch Lidl – Supermarktketten sind immer wieder Ziele von Erpressern. Wie arbeiten die Gauner? Und warum gehen sie meistens leer aus? Diese und andere Fragen beantwortet Klaus Stüllenberg, Vorstand der Stiftung Kriminalprävention Münster, im Interview Carsten Bergmann.

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"Wie man auch die Erpressung durchführt – es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig Erfolg führen", sagt Klaus Stüllenberg, Vorstand der Stiftung Kriminalprävention Münster.

Quelle: dpa/Klaus Stüllenberg

Wie häufig kommt es zu Erpressungen von Supermarktketten wie Lidl, Metro oder Rewe?
Erpressungen im publikumswirksamen Bereich kommen eher seltener vor als auf kleinerer Ebene. Ich kann sagen, dieser Deliktbereich wird sehr sensibel von den Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden wahrgenommen. Statistisch ist Produkterpressung kein Hot Spot, aber üblicherweise ist mit solchen Straftaten potenziell eine Vielzahl von Menschen gefährdet. Daher hat die statistische Relevanz nichts mit der Priorisierung der Behörden zu tun. Dort stehen solche Fälle ganz oben, weil das Gefährdungspotenzial schlecht abzuschätzen ist. Die Polizei verfolgt zwei grobe Richtungen: Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Natürlich wollen sie die Täter fangen, aber Priorität hat immer die Abwehr.

Wie schützen sich Unternehmen gegen solche Versuche?
Gegen den Versuch kann man sich nicht schützen. Wir haben festgestellt, dass bei den größeren Straftaten sich die Täter nach sehr individuellen und für die Behörden aus kaum nachvollziehbaren Erwägungen für ein bestimmtes Unternehmen entscheiden. Im Fall Schwartau war es so, dass der Täter jeden Tag an dem Logo vorbeigefahren ist. Er hat sich gesagt: Die sind groß und sie wollen bestimmt keine Verunreinigung ihrer Produkte, also erpresse ich die jetzt. Opfer lassen sich nicht vorhersagen. Jeder Täter glaubt, er braucht Rahmenbedingungen, in denen er glaubt, auch an das Geld zu kommen.

Über die Lidl-Erpressung lesen Sie hier.

Haben sich diese Rahmenbedingungen verändert?
Wenn wir bis vor fünf, sechs Jahren eher die körperlichen Übergaben hatten – Kaufhaus-Erpresser Dagobert war ein Beispiel dafür, wie er sich immer wieder neue Sache ausgedacht hat. Umgekehrt hat Dagobert sein Wissen genutzt, das niemand sonst hatte. Am Ende des Tages will der Täter ans Geld kommen. Mit den veränderten digitalen Möglichkeiten, scheinbar auch anonymisiert, elektronische Geldflüsse initiieren zu können, verlagert sich vieles in diesen Bereich.

Sind die Erpresser also klüger geworden?
Nein, das hat weniger mit Klugheit als viel mehr mit den Möglichkeiten zu tun, die überall beschrieben werden – im Internet, in den Nachrichten. Der Erpresser weiß, dass eine klassische Erpressung mit Geldübergabe keinen Sinn macht. Also versucht er es nun im elektronischen Bereich. Doch die Polizei läuft nicht hinterher. Anders als noch vor zehn Jahren steckt sie heute eine Kompetenzbündelung in solche Ermittlungen, von denen ich glaube, dass sie kaum zu knacken ist. Im Prinzip gibt es viele digitale Wege, es hilft nur nicht viel, weil die Ermittlungsbehörden auch international auf allen Ebenen zusammen arbeiten. Mein Fazit: Wie man auch die Erpressung durchführt – es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig Erfolg führen.

Wie bereiten sich Unternehmen vor? 
Kein Unternehmen lässt sich mehr erpressen. Wenn bekannt wird, dass sie auf die Forderungen eingegangen sind, dann sind sie zukünftig auch Opfer. In jedem mittleren bis großen Unternehmen gibt es ein regelmäßig aktualisiertes Programm zur Abwehr solcher Gefahren. Diese Programme werden mit der Polizei abgestimmt. Die Polizei hat eine Präventionsarbeit aufgebaut, die kaum zu knacken ist.

Wann geht ein Unternehmen an die Öffentlichkeit?
Eine Unternehmenskommunikation ist heute so aufgebaut, dass man weiß: Nichts bleibt geheim. Die Kommunikation geht also proaktiv mit diesen Szenarien um. Man will seine Kunden informieren und nicht in den Verdacht geraten, etwas geheim halten zu wollen. Das soll die Gefahr für Menschen und das Unternehmen möglichst gering halten. Und der richtige Zeitpunkt der Kommunikation und deren Umfang werden ausschließlich nach dem Kriterium der möglichst geringen Gefährdung Beteiligter und Unbeteiligter gewählt, sind damit sehr unternehmens- und sachverhaltsspezifisch, für Täter nicht ausrechenbar.

 

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