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Kleiner Aktionärsverein kämpft gegen "unprofessionelle" Aufsichtsräte bei Nordzucker

Rübenanbau Kleiner Aktionärsverein kämpft gegen "unprofessionelle" Aufsichtsräte bei Nordzucker

Beeindruckend schnell ist Nordzucker die Ertragswende gelungen. Der Konzerngewinn fiel im Geschäftsjahr 2010/11 mit 91 Millionen Euro doppelt so hoch aus wie erwartet. Die Anteilseigner bekommen eine Dividende von 0,46 Euro je Aktie, womit sie für den Ausfall der Ausschüttung im Vorjahr, dem ersten mit einem Verlust seit Gründung des Unternehmens, entschädigt werden sollen. Schulden wurden abgebaut.

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Zuckerrüben für Nordzucker: Immer mehr Landwirte ärgert, dass sie trotz hoher Zuckerpreise weniger Rübengeld bekommen.

Quelle: Rainer Dröse (Archiv)

Hannover. Eigentlich könnten die gut 16 000 Rübenanbauer, davon 7500 in Norddeutschland, die zugleich Aktionäre des Braunschweiger Unternehmens sind, zufrieden sein, zumal der neue Konzernchef Hartwig Fuchs auch für das laufende Jahr „mindestens“ ähnlich gute Zahlen versprochen hat. Viele Landwirte sind es dennoch nicht.

Nordzucker hat nach Ansicht von Hans-Heinrich Voigts Glück gehabt. Wenn der Zuckerpreis nicht so hoch wäre, sähen die Zahlen schlecht aus, sagt der Betriebsleiter der Calenberg Bredenbeck GbR in Wennigsen, die einer der größten Rübenanbauer der Region ist. Grund dafür seien schwere strategische Fehler, die auf das Versagen der Aufsichtsräte zurückzuführen seien. Ausbaden müssten das die Rübenanbauer.

Um ihren Interessen Nachdruck zu verleihen, hat Voigts vor einem Jahr den Zuckerrüben Aktionärsverein Niedersachsen Süd West gegründet. Seitdem hat sich die Zahl der Mitglieder auf 180 verdoppelt, wie Vereinschef Voigts auf der ersten Jahresversammlung berichten konnte. Weil Landwirte aus anderen Konzernregionen, sogar aus Litauen und Polen, dazugestoßen sind, hat man sich in Norddeutscher Zuckerrübenaktionärsverein umbenannt.

Eingeschossen haben sich die Zuckerrebellen besonders auf den Nordzucker-Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Harald Isermeyer, der „falsche Entscheidungen“ abgenickt und damit den Konzern in die Krise gestürzt hat, wie Vereinschef Voigts meint. So sei die vom dänischen Danisco-Konzern erworbene Tochter Nordic Sugar „nicht so profitabel, wie man uns glauben machen will“. Fuchs hatte jüngst die besondere Profitabilität der dänischen Tochter gelobt – blieb konkrete Zahlen aber schuldig.

Danisco habe nichts mehr investiert, sagt Landwirt Friedrich Rodewald. Die Werke seien teils in schlechtem Zustand. Zuverlässige Quellen berichten laut Rodewald von einem „Reparaturstau von bis zu 200 Millionen Euro“. Der Kaufpreis sei „überhöht“ gewesen und zudem „höchst riskant“ fremdfinanziert.
Die Restrukturierung, so glaubt der Aktionärsverein deshalb, gehe zulasten der Landwirte, sie bekämen trotz hoher Zuckerpreise weniger Rübengeld. Mit seiner Preispolitik gefährde Nordzucker den Zuckerrübenanbau, wie Voigts erklärt. Angesichts steigender Preise für Getreide, das zur lukrativen Anbaualternative geworden ist, macht er eine einfache Rechnung auf: „Ohne Bauern keine Rüben, keine rentable Fabrik, keine Dividende.“

Für einen schweren Fehler halten Voigts und seine Mitstreiter auch den Ausstieg aus dem Vertriebsunternehmen Eurosugar, das Nordzucker mit dem französischen Zuckerhersteller Cristal Union und der Londoner ED&F Man Holdings, einem der größten Zuckerhändler der Welt, gegründet hatte. Eurosugar wurde aufgelöst. Welche Chancen Nordzucker vertan habe, sich etwa über ED&F Man Importe von Rohrzucker zur besseren Auslastung der eigenen Raffineriewerke zu sichern, sieht man laut Voigts bei Südzucker. Der Branchenprimus sei mit 25 Prozent bei dem Zuckerhändler eingestiegen.

Schuld daran gibt der Aktionärsverein „unprofessionellen Aufsichtsräten“ – und fordert ihren Rücktritt. Ohnehin hat das Gremium, vor allem Chefkontrolleur Isermeyer, einen schweren Stand. Gegen einige Aufsichtsräte laufen wegen jahrelang zu viel kassierter Sitzungsgelder Verfahren wegen Untreue bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Solange das Verfahren schwebe, könnten sie auf der Hauptversammlung nicht entlastet werden, so der Verein.
Den „Grund allen Übels“ sieht Voigts in der Holdingstruktur des Konzerns. Drei Holdingsgesellschaften, zuvor selbstständige Zuckerfabriken, an denen wiederum die Rübenanbauer beteiligt sind, sind die größten Anteilseigner. Die Landwirte selbst halten nur gut 5 Prozent direkt an Nordzucker, Einfluss haben sie damit nicht.

Fast 95 Prozent des Kapitals werden auf den Aktionärstreffen von nur sechs Personen, je zwei Vorständen der Holdings, vertreten. Und die sind gleichzeitig Vorstände in den Anbauerverbänden, die laut Voigts von Nordzucker finanziert werden. „Die Doppelmandate dienen nicht der Kontrolle, sondern gegenseitiger Rückdeckung.“ Die Anbauerverbände, die die Interessen der Rübenanbauer etwa in den Verhandlungen über das Rübengeld vertreten sollen, seien der „verlängerte Arm“ von Nordzucker, weil sie sich erpressbar gemacht hätten.

Ändern kann das der kleine Aktionärsverein nur, wenn er selbst Einfluss gewinnt – durch neue Mitglieder und Überzeugungsarbeit. Derzeit baue man ein Netzwerk auf, sagt Voigts kämpferisch. Ab Juli auch über das Internet unter ndzrav.de.

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