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Kleinere Maschinen verbinden mehr Städte

Luftverkehr Kleinere Maschinen verbinden mehr Städte

Auf der Pariser Luftfahrtmesse zeigen die Flugzeugbauer Boeing und Airbus derzeit wieder ihre neuen Modelle, zum Beispiel Ultralangstreckenflieger. Der große Trend der Zukunft sind aber kleine Flugzeuge für die Fernstrecke, zum Beispiel in die USA. Das bringt Reisenden einige Vorteile.

Mit der Boeing 777 fliegt Qatar Airways die Route von Doha nach Auckland – bisher der längste Flug der Welt.

Quelle: Boeing

Berlin. Als der Airbus A380 auf den Markt kam, war das eine Sensation: Ein durchgängig zweistöckiges Flugzeug – so groß, dass es nicht einmal auf allen Flughäfen landen kann. Mehr als 600 Passagiere fasst die Maschine in der Konfiguration der Fluggesellschaft Emirates. Konkurrent ist die 747-8 von Boeing, der Jumbo.

In den kommenden Jahren sind derart neuartige Flugzeugmodelle jedoch nicht zu erwarten. Der Trend geht in eine andere Richtung: Kleinere Maschinen kommen für Fernflüge zum Einsatz, etwa über den Atlantik. Für Reisende könnte das zwei Dinge bedeuten: Sie müssen seltener umsteigen, und die Ticketpreise sinken tendenziell.

Doch zunächst der Status quo: „Die riesigen Flugzeuge sind darauf ausgelegt, von Drehkreuz zu Drehkreuz zu fliegen“, erklärt der Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg aus Hamburg. Kleine Zubringermaschinen bedienen die zentralen Drehkreuze, wo die Passagiere auf die großen Flieger verteilt werden. In Deutschland sind das Frankfurt, München und Düsseldorf. Die Lufthansa etwa fliegt mit dem A 380 in die USA, nach Singapur, Peking, Tokio und Hongkong. Natürlich kann man von den Drehkreuzen auch zu kleineren, regionalen Flughäfen fliegen – wodurch die großen Flughäfen zunehmend überlastet sind.

Die 747-8 von Boeing ist auch als Jumbo Jet bekannt

Die 747-8 von Boeing ist auch als Jumbo Jet bekannt.

Quelle: Boeing

Doch in den vergangenen Jahren ist viel passiert. Damit hätten vor allem die Billigflieger zu tun, sagt Schellenberg. „Sie fliegen mit kleineren Flugzeugen zu kleineren Flughäfen.“ Diese sogenannten Point-to-Point-Verbindungen sind für viele interessant. Nürnberg–Mailand statt München–Rom, Karlsruhe/Baden-Baden–Thessaloniki statt Frankfurt–Athen: Die Anreise ist bequem, kein Umsteigen.

Genau dieses Konzept könnte nun auch auf Interkontinentalstrecken kommen. Die Maschinen der A-320-neo-Familie von Airbus und die Reihe 737 Max von Boeing werden so angepasst, dass sie es von Deutschland aus zum Beispiel an die Ostküste der USA schaffen.

Der relativ kleine A321-neo von Airbus kann für Interkontinental-Flüge etwa in die USA eingesetzt werden – und so auch Städte miteinander ve

Der relativ kleine A321-neo von Airbus kann für Interkontinental-Flüge etwa in die USA eingesetzt werden – und so auch Städte miteinander verbinden, für die sich sonst kein Direktflug lohnen würde.

Quelle: AIRBUS

Die Fluggesellschaft Norwegian zum Beispiel fliegt vom nächsten Monat an von Irland und Großbritannien aus über den Atlantik zu Kampfpreisen. Billig fliegen auf der Langstrecke, das ist die Idee. Die Preise könnten purzeln, ein Urlaub in den USA dadurch deutlich günstiger werden.

Die neuen Maschinen schaffen die Transatlantikstrecken sogar von Mitteleuropa aus. „So können auch kleinere Orte miteinander verbunden werden“, sagt Johannes Reichmuth, Direktor beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Warum von Frankfurt oder Düsseldorf in die USA fliegen, wenn es auch von Hamburg, Bremen oder Hannover funktioniert?

Auch die Baureihe 737 Max von Boeing ist deutlich kleiner als die Riesenflugzeuge des Herstellers

Auch die Baureihe 737 Max von Boeing ist deutlich kleiner als die Riesenflugzeuge des Herstellers.

Quelle: Boeing

Offen ist, ob das Fliegen auf der Langstrecke wegen kleinerer Maschinen in Zukunft noch unbequemer wird – Stichwort: Sitzabstand. Denn für die Bestuhlung sind die Fluggesellschaften zuständig.

Die Airlines haben in erster Linie ein Interesse an einer möglichst einheitlichen Flotte, die jedes angebotene Ziel erreichen kann. „So kann man auch mal eine Strecke ausprobieren, und wenn die nicht funktioniert, schließt man sie wieder“, sagt Reichmuth. Wenn ein Flugzeug sowohl die Badeziele in Europa als auch die USA erreichen kann, ist die Auslastung insgesamt deutlich besser.

Kleine Flugzeuge verbrauchen weniger Kerosin

Vielleicht tragen die neuen Flugzeugmodelle auch ein wenig dazu bei, dass sich Passagiere weniger für den ökologischen Fußabdruck ihrer Reise schämen. Die Flugzeuge sollen weniger Kerosin verbrauchen. Beim Antrieb haben die bestehenden Maschinen ihre Grenzen erreicht. „Nun geht es in erster Linie darum, durch ein geringeres Gewicht die Emissionen zu verringern“, sagt Reichmuth. Dabei helfen besonders leichte Carbonfaserverbundwerkstoffe.

Und dann gibt es da noch eine zweite Entwicklung, die durch neue Flugzeugmodelle getrieben wurde: Technisch ist die Ultralangstrecke möglich. „Dazu kann man alle Strecken mit mehr als 10 000 Kilometern Länge zählen“, sagt der Experte.

Qantas plant erste Direktverbindung von Australien nach Europa

Die australische Fluggesellschaft Qantas plant die erste Direktverbindung von Australien nach Europa überhaupt. Starten sollen die Maschinen von März 2018 an im westaustralischen Perth. Sie landen 17,5 Stunden später und 14 500 Kilometer weiter in London. Möglich wird dies durch das Modell Boeing 787 „Dreamliner“. Ohne Umsteigen nach Australien – das könnte bald auch für deutsche Urlauber Realität werden.

Doch ist eine derart lange Strecke nonstop nicht eine Qual für die Passagiere? Qantas-Chef Alan Joyce verspricht eine bequemere Economyclass als gewöhnlich. Auch beim Service will man so arbeiten, dass der Jetlag reduziert wird. Der „Dreamliner“ komme außerdem mit besserer Luftqualität, weniger Lärm in der Kabine und einer Technik, die Turbulenzen weniger spürbar macht.

Qatar Airways hält den Rekord

Den derzeitigen Rekord hält Qatar Airways mit der Route von Doha nach Auckland. 14 535 Kilometer werden zwischen dem Emirat Katar und Neuseeland zurückgelegt. Geflogen wird mit einer Boeing 777-200LR. „LR“ steht für Longer Range, längere Reichweite.

Qantas fliegt auch heute schon von London nach Sydney, jedoch noch mit Zwischenstopp in Dubai. Doch offenbar arbeitet man daran, die Distanz von knapp 18 000 Kilometern auch ohne Halt zu schaffen. Infrage kämen dafür Maschinen wie der Airbus A350-900 ULR (Ultra Long Range) oder die Boeing 777X, sagt Schellenberg. Während Singapore Airlines die Langstreckenversion des A 350 im kommenden Jahr von Airbus bekommen soll, ist die Auslieferung der Boeing-Maschine für 2019 oder 2020 geplant.

Der Airbus A350 soll in seiner ULR-Variante (Ultra Long Range) Nonstop-Flüge zwischen Europa und Australien ermöglichen

Der Airbus A350 soll in seiner ULR-Variante (Ultra Long Range) Nonstop-Flüge zwischen Europa und Australien ermöglichen.

Quelle: AIRBUS

Allerdings ist die Frage, wie viele Reisende sich diesen Direktflug tatsächlich leisten werden. „Das Ticket wird sicher teurer werden, wenn die Strecke ohne Zwischenstopp geflogen wird“, schätzt Schellenberg. So viele Geschäftsreisende gebe es auf der Strecke von Europa nach Australien nicht. Und so werden die meisten Urlauber vielleicht weiterhin umsteigen, etwa am Persischen Golf.

Die neuen Flugzeuggenerationen ermöglichen nicht nur von Deutschland und Mitteleuropa aus neue Ziele, so der Experte. „Von den Drehkreuzen am Golf zum Beispiel können mit den Maschinen so ziemlich alle Ziele auf der Welt bedient werden.“

Von Verena Wolff/dpa/RND

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