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Deutschland / Welt Kassen warnen trotz Milliardenüberschuss vor Pleiten  
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kassen warnen trotz Milliardenüberschuss vor Pleiten  
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12:11 26.02.2018
Die Krankenkassen warnen trotz hoher Überschüsse vor Pleiten. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
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Berlin/Hannover

 Die gesetzliche Krankenversicherung verfügt über ein riesiges Geldpolster. Zusammen weisen die 110 Krankenkassen für das vergangene Jahr einen Überschuss von rund 3,1 Milliarden Euro aus. Ihre Rücklagen und die des Gesundheitsfonds hätten mit rund 28 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag mit. Dies sei eine Folge der guten Konjunktur, die für eine hohe Beschäftigung und damit steigende Einnahmen sorge, hieß es.

Auf Beitragssenkungen können die Mitglieder der Kassen dennoch nicht hoffen: Zuletzt hätten sich auch die Ausgaben für Arzthonorare, Medikamente, Hebammen und Kliniken deutlich erhöht, erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Darüber hinaus hätten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag Reformen für den Gesundheitsbereich vereinbart, die eher zu Verteuerungen führten statt Spareffekte auszulösen. 

Zudem täuschen nach Einschätzung der Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen die guten Zahlen für das Gesamtsystem darüber hinweg, dass einzelne Kassen deutlich schlechter dastehen. Während die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit 1,45 Milliarden Euro fast die Hälfte der insgesamt erzielten Überschüsse verbuchen konnten, gilt die Finanzlage etwa ei der DAK, der KKH und einigen Betriebskrankenkassen als angespannt.

„Wir sind nicht auf der Seite derer, die aus dem Gesundheitsfonds ausreichend Geld zur Verfügung gestellt bekommen“, sagte KKH-Chef Wolfgang Matz der HAZ. Wie seine Kollegen aus dem Lager der Ersatzkassen macht er dafür den Verteilungsmechanismus des Gesundheitsfonds verantwortlich: Die Krankenkassen bekommen mehr Geld, wenn Versicherten bestimmte Krankheiten diagnostiziert werden, deren ambulante Behandlung besonders teuer ist. Es geht um einen Katalog von 80 Krankheiten.

Da über die Diagnosen die Ärzte entscheiden, sehen Ersatzkassen hier ein Einfallstor für Manipulationen. Sie werfen den AOK vor, die Mediziner so zu „beraten“, dass sie die Einträge „richtig“ kodierten – dadurch bekämen die AOK mehr Geld aus dem Finanzausgleich als andere. Barmer-Chef Christoph Straub erklärte kürzlich, dass als Konsequenz daraus Kassen mit zusammen mehr als 15 Millionen Versicherten vor der Schließung oder der Insolvenz stünden. Die KKH plädiert für eine Reform des Verteilungsmechanismus: „Die Schere darf nicht weiter auseinander gehen“, sagte Matz.

Bei der AOK Niedersachsen weist man den Verdacht der Manipulation zurück. „Wir haben keine Mitarbeiter in den Arztpraxen, die bei der Kodierung beraten“, sagte Vorstandschef Jürgen Peter. „Das sind Verleumdungen.“ Dass einige Ersatzkassen eine Schlagseite hätten, sei auch auf Defizite im Managementbereich zurückzuführen.

 

Von Jens Heitmann und Basil Wegener

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