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Finanzmarktkrise

„Kreditklemme“ verhindert Investitionen


Viele niedersächsische Unternehmen leiden darunter, dass sie kein Geld mehr von den Banken bekommen und deshalb wichtige Investitionen nicht finanzieren können.
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Der insolvente Zulieferer Stankiewicz in Adelheidsdorf bei Celle: Der Verband der Automobilindustrie begründete die Probleme der Firma auch mit dem Verhalten der Banken.

© Müller

Selbst gesunde Firmen würden nicht in ausreichendem Maße mit Liquidität versorgt, sagte Volker Schmidt, der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall und anderen Arbeitgebervereinigungen, am Dienstag in Hannover.
Vier Verbände hatten fast 600 Unternehmen über ihre Aussichten und die Folgen der Finanzmarktkrise befragt – und „alarmierende“ Antworten erhalten. An der Umfrage beteiligten sich – neben NiedersachsenMetall – Mitglieder des Arbeitgeberverbands der Deutschen Kautschukindustrie, des Verbands der Papier- und Kunststoffverarbeitenden Industrie Norddeutschlands und der Allgemeinen Arbeitgebervereinigung Hannover und Umgebung.

Die Verbände seien überrascht gewesen wegen der Dramatik der Kreditklemme, sagte Schmidt. Es sei nicht auszuschließen, dass bei einer weiteren Verweigerung dringend benötigter Kredite in den kommenden Monaten zahlreiche Unternehmen „absaufen“. Aus den Firmen gebe es zum Teil „beängstigende“ Signale. Ein großer Teil erwartet rückläufige Umsätze sowie weniger Investitionen und plant einen Stellenabbau.

„Wir stehen vor einer noch nie dagewesenen Situation“, sagte Schmidt. Die immensen Beträge, die der Staat zur Stimulierung der Investitionen bereitstelle, nutzten wenig, wenn die Firmen keine Kredite erhielten und nicht einmal mehr laufende Geschäfte bestreiten könnten. Die Banken legten Geld „lieber unter das Kopfkissen“, als es in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Um die Kreditklemme zu beheben, soll nach Schmidts Ansicht entweder jede Bank verpflichtet werden, ihr Eigenkapital um 10 Prozent zu erhöhen, oder es solle eine Mindestquote von 9 oder 10 Prozent vorgeschrieben werden. Schmidt bedauerte, dass manche Geldinstitute nicht bereit seien, den Rettungsfonds des Staates in Anspruch zu nehmen. Damit mehr investiert werde, müssten auch die Abschreibungsmöglichkeiten der Unternehmen verbessert werden.

Die Umfrage der Verbände hat ergeben, dass sich die Lage der Mitgliedsfirmen drastisch verschlechtert hat. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechneten für 2009 mit geringeren Umsätzen, erläuterte Verbandssprecher Werner Fricke. Bei den Metall- und Elektrobetrieben seien es 67 Prozent, in der Kautschukindustrie 61 Prozent.

Mehr als 60 Prozent der Firmen gaben an, dass ihre Kapazitätsauslastung voraussichtlich sinke. Jedes zweite Metallunternehmen habe vor, die Mitarbeiterzahl zu verringern. Bei den Kautschukbetrieben beabsichtigen den Angaben zufolge mehr als 60 Prozent, Stellen zu streichen. 40 Prozent der Metall- und Elektrounternehmen und 51 Prozent der Kautschukfirmen planen Kurzarbeit.

In der Krise sei ein flexibler Tarifvertrag von großer Bedeutung, betonte Schmidt. So wolle fast jeder zweite Metallbetrieb die Öffnungsklausel nutzen und die für Mai vorgesehene Entgelterhöhung verschieben – bis spätestens Dezember. Jedes neunte Unternehmen der Branche möchte den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung anwenden. Er ermöglicht, dass Firmen bei angespannter Wirtschaftslage die Wochenarbeitszeit auf bis zu 29 Stunden verringern. Notwendig sei auch, die Steuerlast der Bürger zu senken: Investitionen in Bildung und Infrastruktur seien wichtig. Bei einer einseitigen Konzentration auf Bauinvestitionen werde aber das Wegbrechen der Nachfrage in anderen Wirtschaftsbereichen übersehen.

von Dirk Stelzl

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