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Landwirte preschen mit „Aktionsplan“ vor

Deutscher Bauerntag Landwirte preschen mit „Aktionsplan“ vor

Zum Auftakt des Deutschen Bauerntages dringt der Verband auf mehr Geld für not leidende Landwirte, höhere Preise vom Lebensmittelhandel und neue Strukturen auf dem Milchmarkt.

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Quelle: dpa

Hannover . „Politik, Gesellschaft und Marktpartner sind gefordert (...) Strukturbrüche zu verhindern“, heißt es in einem „Aktionsplan“, den das Präsidium am Dienstag in Hannover beschlossen hat. „Wir erwarten nicht, dass uns der Staat aus der Krise hilft“, sagte Werner Hilse, Präsident des Niedersächsischen Landvolks. Vielmehr gehe es darum, aus der aktuellen Notlage die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen.

In der Gegenwart reicht dem Bauernverband die von der Bundesregierung angekündigte Soforthilfe für die Landwirte von 100 Millionen Euro „bei Weitem nicht aus“, wie es in dem Papier heißt. Auch aus Brüssel erhoffe man sich Zahlungen, sagte Generalsekretär Berhard Krüsken. Der Verband fordert Zuschüsse zur Unfallversicherung, steuerliche Freibeträge zur Tilgung von Liquiditätshilfen, eine geringere Agrardieselbesteuerung und die Ausweitung der steuerlichen Risikovorsorgemöglichkeiten sowie Bürgschaftsprogramme.

Weniger Kühe und Schweine

Betriebe geben auf: Der Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch hat in den Ställen Spuren hinterlassen. Die Zahl der Betriebe mit Milchkühen lag Anfang Mai um 4,6 Prozent unter dem Vorjahreswert gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilt. Zum Stichtag besaßen noch 71 302 Betriebe Milchkühe. Die Zahl der Kühe sank im selben Zeitraum nur um 0,3 Prozent auf 4,27 Millionen Tiere.

Trend zur Größe: In Niedersachsen sank die Zahl der Milchkühe um 2 Prozent auf knapp 852 000 Tiere, die Zahl der Haltungen um rund 3 Prozent auf 10 400. Der Trend zu größeren Herden ist ungebrochen: Im Mai 2015 gab es 40 Betriebe mit mehr als 500 Tieren, ein Jahr später waren es bereits 58. Die Zahl der Schweine sank um knapp 8 Prozent auf 8,4 Millionen Tiere, die Zahl der Betriebe um fast 5 Prozent auf 6200.

Darüber hinaus verlangt der Verband vom Lebensmittelhandel „sofortige Nachverhandlungen, um zu einer Erholung der Preise beizutragen“. Zudem müsse der Gesetzgeber der „missbräuchlichen Ausnutzung von Nachfragemacht kartell- und wettbewerbsrechtliche Grenzen“ setzen. Weitere Fusionen nach dem Vorbild von Edeka und Tengelmann müssten untersagt werden.

Nach Einschätzung des Landvolks werden die Milchpreise im Herbst wieder steigen – „aber nicht gleich um 10 Cent je Liter“, sagte Hilse. Weil einzelne Länder nach dem Ende der Milchquote vor einem Jahr ihre Produktion deutlich erhöht haben und sich gleichzeitig der Export in Länder außerhalb der Europäischen Union nicht so entwickelt hat wie erhofft, sind die Preise abgestürzt – von 40 Cent auf heute 20 Cent je Liter.

Damit sich so ein abrupter Niedergang nicht wiederholt, mahnt der Verband Reformen in der Beziehung zwischen Bauern und Molkereien an. Milchviehhalter hätten derzeit keine Chance, „ihren Erzeugerpreis über einen längeren Zeitraum abzusichern“, heißt es. Die Molkereien wiederum hätten keine Kontrolle über die angelieferte Menge, weil es dazu keine Abstimmung mit den Landwirten gebe. „Ziel des Milchsektors muss sein, nicht Mengen zu verwalten, sondern durch eine zeitgemäße Gestaltung der Lieferbeziehungen Schwankungen am Markt zu begegnen“, fordert der Bauernverband. Auf dem Weg dorthin sollten die Molkereien Warenterminbörsen stärker nutzen, die Bauern müssten sich auf schwankende Preise einstellen.

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