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Landwirte wehren sich gegen niedrige Preise

Lebensmittelhandel Landwirte wehren sich gegen niedrige Preise

Was Schnäppchenjäger freut, geht bei vielen Landwirten inzwischen an die Existenz: Die Preise für Fleisch, Getreide und andere Waren sind im Keller. Die Bauern wollen nun Druck machen - und dringen auf einen größeren Anteil an den Lebensmittelpreisen im Supermarkt - am Mittwoch wollen sie protestieren.

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Darf’s ein bisschen mehr kosten? Die Landwirte hoffen, dass die Verbraucher eine andere Preispolitik akzeptieren würden. 

Quelle: Julian Stratenschulte

 „Die Preiskrise ist mittlerweile dramatisch“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Wir sehen leider kein Licht am Ende des Tunnels.“ Für Milch, aber auch für Schweinefleisch oder Brotweizen seien die Preise abgestürzt, die Erzeuger erzielen können.

Am Mittwoch wollen Landwirte mit einem bundesweiten Aktionstag gegen Schleuderpreise für Lebensmittel protestieren. „Wir wollen den Verbraucher informieren, dass von seinem Geld, das er an der Ladentheke ausgibt, der große Anteil nicht bei den Bauernfamilien ankommt“, sagte Rukwied. Kunden sollten zugleich animiert werden, „dass sie bereit sind, ein bisschen mehr auszugeben, um die deutsche Landwirtschaft zu unterstützen“.

Einzelhandel könnte besser zahlen

Für die Verbraucher in Deutschland seien die Milchpreise mit 73 Cent je Liter die günstigsten in Europa nach Portugal, im Discount lägen sie sogar bei nur 55 bis 59 Cent je Liter, sagt Schulte to Brinke, der im Präsidium des Landvolks Niedersachsen sitzt. Dabei könnte der Einzelhandel besser zahlen, meinen er und seine Kollegen. Aber die Marktmacht einiger weniger Konzerne nehme weiter zu, sagt der Landwirt und verweist auf die gegen den Rat des Kartellamtes genehmigte Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann. Hinzu kommt das russische Importverbot. „Allein das Russland-Embargo macht 4 Cent pro Liter aus.“ Das seien rund 4000 Euro Verlust für seinen Betrieb pro Monat, rechnet Schulte to Brinke vor.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels wies die Kritik zurück. „Die Ursachen für die niedrigen Milchpreise liegen doch nicht in den Margen des Handels“, sagte Hauptgeschäftsführer Franz-Martin Rausch. „Es ist derzeit einfach zu viel Milch am Markt.“ Die deutsche Milchbranche sei inzwischen auch viel stärker vom Weltmarkt abhängig als vor zehn Jahren. „Geht die Nachfrage dort zurück, kann der stagnierende Inlandskonsum diesen Überschuss nicht auffangen.“

Der Handelsverband Deutschland hob hervor, nur 37 Prozent der in Deutschland produzierten Milch gingen an den Einzelhandel. Von einer einseitigen Abhängigkeit der Milchwirtschaft könne keine Rede sein, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Zwischen 2010 und 2014 seien die Verbraucherpreise bei Frischmilch zudem um 24 Prozent gestiegen.

"Ruinöser Mengenwettbewerb"

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) betonte, er setze sich für weitere EU-Liquiditätshilfen für Milchbauern ein. Die Krise könne aber nur im Markt gelöst werden. „Die Wirtschaftsbeteiligten sind auf allen Stufen in der Verantwortung, ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden“, sagte Schmidt. Ruinöser Mengenwettbewerb drücke immer mehr die Preise. Der Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff kritisierte: „Preiserhöhungen beim Endverbraucher bleiben im Handel stecken. Das ist nicht akzeptabel.“

Einen kleinen Silberstreif sehen indes die Schweinemäster: Vor Ostern steigt die Nachfrage nach wertvolleren Teilstücken wie Lachs und Schinken wieder. Auch das Exportgeschäft nach China scheint besser zu laufen als noch zu Jahresbeginn. Dennoch sind die Erlöse der Betriebe derzeit alles andere als kostendeckend, rechnet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vor: Ein Schwein bringt im Schnitt als Erlös 121 Euro, aber die Mast kostet den Landwirt 149 Euro - macht einen Verlust von 28 Euro.

von Sascha Meyer

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