Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Lego und Shell gehen getrennte Wege
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Lego und Shell gehen getrennte Wege
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.10.2014
Von Jens Heitmann
Die Kleinen von der Tankstelle: Greenpeace protestiert gegen die Kooperation von Lego und Shell. Quelle: Greenpeace
Anzeige
Berlin

Eigentlich passen sie ganz gut zusammen: Die kleinen Klötzchen des einen sind aus Plastik, der andere fördert das Öl, aus dem der Kunststoff gewonnen wird – kein Wunder also, dass Lego und Shell beim Marketing gemeinsame Sache machen. Seit drei Jahren verkaufen die Tankstellen des Ölmultis Lego-Modelle der Nobelmarke Ferrari, des Dritten im Bunde. Doch bald ist Schluss damit, der Spielzeugkonzern kappt die lukrative Verbindung – die Dänen beugen sich dem Druck von Greenpeace.

Die Umweltorganisation kämpft aktuell gegen die Pläne von Shell, in der Arktis nach Öl zu bohren. Das gefährde die schöne heile Welt, die Lego den Kunden vorspiele, findet Greenpeace – und lässt sie seit Juli auf Youtube in einer schwarzen Öllache absaufen: Unterlegt mit dem schmalzigen Titelsong des Kinokassenschlagers „The Lego Movie“ ist das Video knapp sechs Millionen mal angeklickt worden.

Bei Lego hat man zunächst versucht, die Kampagne zu ignorieren. Das sei eine Sache zwischen Shell und Greenpeace, erklärte Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp im Sommer. Mit der Zahl der Klicks auf Youtube wuchs aber die Besorgnis, dass auch der eigene Ruf Schaden nehmen könnte. „So wie die Dinge liegen, werden wir deshalb unseren Vertrag mit Shell nicht verlängern, wenn dieser ausläuft“, teilte Knudstorp gestern mit.

Den möglichen Imageschaden schätzen die Dänen offenbar höher ein als den Wert der Zusammenarbeit mit Shell. Die Verärgerung aber ist groß: „Wir sind der klaren Auffassung, dass Greenpeace direkt mit Shell reden sollte“, sagte Knudstorp. „Die Marke Lego hätte niemals Teil dieser Kontroverse werden dürfen.“

Ein bisschen schlechtes Gewissen klingt auch bei Greenpeace durch – aber nur mit Blick auf die eigene Kasse: Es sei schon riskant gewesen, den Lego-Film für die Kampagne zu nutzen, andererseits habe man darauf vertraut, weder das Urheberrecht noch die Gefühle der Lego-Fans verletzt zu haben. Nach dem Kniefall der Dänen hofft die Umweltorganisation auf Nachahmer: Das „Science Museum“ in London etwa sollte jetzt auch lieber noch mal über seine Partnerschaft mit Shell nachdenken, hieß es.

Der Mineralölkonzern ist für Greenpeace ein besonders attraktiver Gegner. Im April 1995 hatten Aktivisten die ausrangierte Ölplattform Brent Spar in der Nordsee besetzt, um deren Versenkung zu verhindern. Für Shell war das Echo verheerend, für Greenpeace zahlte sich der Streit doppelt aus: Shell musste die Plattform recyclen, die Umweltorganisation fand viele neue Förderer. Eine Wiederholung dieses Erfolgs käme derzeit sehr gelegen: Seit verlustreiche Zockereien mit Termingeschäften in der Zentrale aufgeflogen sind, haben Tausende Geldgeber ihren Dauerauftrag gestoppt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Deutschland / Welt Stadtwerke und Energieversorger profitieren - Verbraucher zahlen doppelten Strompreis

Seit Jahren sinken an der Strombörse die Preise, doch die Verbraucher bekommen das nicht zu spüren. Sie müssen für eine Kilowattstunde inzwischen fast doppelt soviel bezahlen als noch vor 14 Jahren.

09.10.2014

Der Supermarkt Netto Marken-Discount ruft Sauerkirchen im Glas zurück. In einzelnen Gläsern könnten sich Glasscherben befinden, warnte das Unternehmen in Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz.

09.10.2014

Es ist ein Wachstumsmarkt nicht nur für die Werbewirtschaft geworden. Vielfach werden die Systeme auch als stets aktuelle Wegweiser genutzt. „Digital Signage“ wird diese Anwendung genannt - digitale Zeichen weisen den Weg. Und von „Digital out of home“ spricht die Werbewirtschaft - Digitales erreicht die Menschen überall.

Stefan Winter 11.10.2014
Anzeige