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Deutschland / Welt Lenkrad? Wir hätten da 117 Varianten ...
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10:00 24.11.2015
Von Lars Ruzic
Welches Lenkrad hätten Sie denn gerne?  Quelle: Hendrik Schmidt
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Hannover

Vor einem Jahr war die Welt noch in Ordnung bei Volkswagen. 600 000 Menschen richteten sich an zwei älteren Herren aus, die als Fixsterne agierten. Man hielt sich (und seine Motoren) für unfehlbar, verteilte Investitionen, als gäbe es kein Morgen. Und doch redeten sie in Wolfsburg schon damals vom Sparen. Vor dem Abgas-Skandal fand das alles noch in der Komfortzone statt. Noch Martin Winterkorn legte ein Effizienzprogramm auf, das 10 Milliarden Euro ausmachen sollte. Für einen Konzern mit 200 Milliarden Euro Umsatz eine machbare Größenordnung.

Zumal so langsam deutlich wird, welch ein Wildwuchs da zurückgeschnitten werden muss. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte schon immer getönt, man könne weit mehr sparen als vom Management vorgegeben, wenn man nur die Variantenvielfalt bei den Modellen und die unzähligen Spielwiesen der Entwickler zusammenstreichen würde. Jetzt ahnt man, was er damit gemeint hat. Im aktuellen Mitarbeitermagazin „Autogramm“ hat der Konzern am Beispiel des aktuellen Golf 7 dargelegt, welche Einsparungen ein optimiertes „Variantenmanagement“ bringen kann.

Für Otto Normalfahrer schier unvorstellbar

Die Zahlen sind für Otto Normalfahrer schier unvorstellbar. Allein für diese eine Golf-Generation gab es zum Beispiel bislang 58 unterschiedliche Heckspoiler, 117 Varianten des Lenkrades und 341 verschiedene Vordersitze. Selbst von einer normierten Standardkomponente wie der Autobatterie standen acht unterschiedliche Modelle in der Teileliste. Als sich die Einsparteams an die Arbeit machten, hätten sie erst einmal „Variantenbäume“ für die wichtigsten Bauteile erstellt, „um zu verstehen, warum es die ganzen Varianten überhaupt gibt“, zitiert „Autogramm“ VW-Prozessoptimierer Peter Bosch. Dann habe man in „Komplexitätsklausuren“ ausgetüftelt, was wirklich wichtig ist. Und am Ende von mehr als 2000 Varianten jede dritte gestrichen. Und das waren nur die sichtbaren Komponenten. Noch weit mehr Chancen schlummerten unter dem Blech, heißt es.

Die Logik liegt auf der Hand: Was man nicht braucht, muss nicht entwickelt, geordert oder selbst gefertigt, disponiert, gelagert, verbaut und hinterher über Jahre als Ersatzteil vorgehalten werden. Mitunter kann die teurere Alternative am Ende sogar die billigere sein. Im Golf werden künftig nur noch vier statt acht Batteriemodelle verbaut, dafür aber die teureren. Der Mehraufwand werde schon durch die geringeren Kosten in der Fabrik kompensiert, berichtete Bosch. Weil vier verschiedene Modelle direkt an der Fertigungslinie gelagert und direkt vom Mitarbeiter ausgewählt werden könnten. Zuvor mussten die Modelle just in time ans Band gebracht werden, was die Logistikkosten in die Höhe schnellen ließ.

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