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Liuyang Welthauptstadt des Feuerwerks

Im Fokus Liuyang Welthauptstadt des Feuerwerks

Mehr als die Häfte der weltweit verkauften China-Böller, Heuler und Feuerwerksraketen werden in Liuyang hergestellt. Die Feuerwerksindustrie hat in Liuyang eine lange Tradition.

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Handfeuerwerk und kleine Raketen werden in Liuyang für den deutschen Markt gepackt. Die Chinesen selbst bevorzugen große Kaliber.

Quelle: dpa

Die Bewohner von Liuyang sind das ohrenbetäubende Geknalle den ganzen Tag über gewöhnt. Doch so richtig laut wird es, wenn es dunkel wird. Dann zischt und heult es aus allen Ecken und zusätzlich zu den explodierenden Böllern zerplatzen am abendlichen Himmel bunte Feuerwerkskörper.

In Liuyang wird jedoch keineswegs Silvester gefeiert. Es gibt auch keinen anderen Anlass. Vielmehr geht es in der Anderthalbmillionenstadt in der südostchinesischen Provinz Hunan das ganze Jahr über so ab. Geknallt und geböllert wird, um Kunden und Pyrotechnikern aus aller Welt die aktuellen Produkte anzupreisen. Denn Liuyang ist die Hauptstadt des Feuerwerks.

Silvester-Stress in Wilhelmshaven

Das Sortiment ist groß: 3000 verschiedene Feuerwerksartikel vertreibt die in Bremerhaven ansässige Firma Comet Feuerwerk GmbH – alles Importware aus China, von der Knallerbse bis zum „Batterieverbund“ mit 220   Schuss. In einem riesigen Hallenkomplex, 216 Meter lang und 120 Meter breit, stapeln sich in den Wochen vor Silvester Kartons mit den Böllern und Raketen. Für 30 000 Läden in ganz Deutschland werden hier jeweils individuelle Sendungen zusammengestellt.

Es ist ein absolutes Saisongeschäft. Denn nur an den letzten drei Tagen des Jahres darf Comet laut Verordnung zum Sprengstoffgesetz richtig Geld machen, 95 Prozent des Jahresumsatzes. Und da die Läden die explosive Ware vor Verkaufsbeginn nicht beliebig lang horten können, wird sie möglichst erst auf den letzten Drücker angeliefert. Also Stress pur. Von Anfang Dezember bis kurz vor Weihnachten wird bei Comet rund um die Uhr gearbeitet.

Auch nach Neujahr gibt es noch genug zu tun. Als erstes werden die Ladenhüter eingesammelt: Etwa ein Viertel der ausgelieferten Silvesterartikel geht zurück nach Bremerhaven, zur Sichtkontrolle: Ist noch alles in Ordnung für die nächste Verkaufsrunde? Feuerwerkskörper haben ja kein Verfallsdatum. Parallel dazu holt die Vertriebsabteilung schon die neuen Aufträge herein. Und bei den Herstellern in China muss rechtzeitig die Ware geordert werden. Im Mai legen die ersten Frachter in Bremerhaven an, die auch Pyrotechnik für Comet an Bord haben – bis November oder sogar Anfang Dezember insgesamt tausend Container.

75 Millionen Euro Jahresumsatz macht Comet – und gehört damit zu den drei großen Unternehmen in Deutschland, die den Einzelhandel mit Raketen, Böllern und Wunderkerzen versorgen. Marktführer ist die Firma Weco in Eitorf (Nordrhein-Westfalen); auf Platz zwei steht Comet; danach kommt die Unternehmensgruppe Nico Feuerwerk (Wuppertal) und Nico Europe (Berlin).

stg

Mehr als die Häfte der weltweit verkauften China-Böller, Heuler und Feuerwerksraketen werden in Liuyang hergestellt. Offiziellen Angaben zufolge arbeitet fast ein Drittel der Stadt in den über zehntausend Fabriken, die ausschließlich Feuerwerk für den Weltmarkt herstellen. Chen Xin ist einer dieser Feuerwerks-Fabrikanten. „Ja, die letzten Wochen haben wir für das Silvestergeschäft in Europa auf Hochtouren gearbeitet“, berichtet er. Doch das ganz große Geschäft stehe noch bevor: das chinesische Neujahrsfest. Es wird dieses Mal Anfang Februar begangen. Mehr als 200 000 Tonnen hätten die Chinesen vergangenes Jahr zur Begrüßung ihres neuen Jahres an Feuerwerkskörpern in die Luft geschossen. Das Europa-Geschäft sei nicht einmal halb so groß.

Eine lange Tradition

Die Feuerwerksindustrie hat in Liuyang eine lange Tradition. Der Legende nach soll in der Song-Dynastie vor mehr als 1400 Jahren ein Mönch in Liuyang erstmals mit Schwarzpulver experimentiert und den Bewohnern von Liuyang eine bunte Lichtshow am Nachthimmel vorgeführt haben. Alte Bildrollen bezeugen, dass die Herstellung von Feuerwerk in Liuyang bis spätestens zum 17.  Jahrhundert zu einer Großindustrie herangewachsen war. Darauf sind Arbeiter zu erkennen, die Schwarzpulver in kleine Papierröhrchen füllen. Diese Rollen sind heute noch im Stadtmuseum zu besichtigen.

Ab 1875 begann die Stadt, ihre hochexplosive Ware ins Ausland zu exportieren, zunächst nach Japan, Korea, Indien, Persien und Russland, später auch in die USA und nach Europa. Seit der zweiten Hälfte des 19.  Jahrhunderts kennen die Europäer überhaupt erst China-Böller und Feuerwerksraketen. In Europa hat sich seitdem die Tradition durchgesetzt, vor allem in der Silvesternacht zu knallen. In den USA wird zum Nationalfeiertag am 4. Juni der Nachthimmel mit dem Schwarzpulvergemisch erleuchtet. In China wird rund um das chinesische Neujahrs- und Frühjahrsfest im Februar geböllert – und das bis zu vier Wochen lang.

Auch die Vorlieben unterscheiden sich. Während Amerikaner und Europäer vor allem die bunten und hell erleuchteten Raketen mögen, finden in China ausschließlich Knallkörper reißenden Absatz. Je lauter, desto besser. Denn die Chinesen glauben, dass sie mit dem Lärm die bösen Geister vertreiben.

Derzeit durchläuft die Branche allerdings eine ernsthafte Krise. Seitdem der gefährliche Smog in weiten Teilen Chinas offiziell als Problem anerkannt wird, haben zahlreiche Städte zu den Neujahrsfeierlichkeiten die Verwendung von Feuerwerk eingeschränkt. Die Hauptstadt Peking hatte das private Böllern im vergangenen Jahr an einigen Tagen wegen der hohen Luftbelastung sogar komplett verboten. „Die Nachfrage ist für dieses Jahr deutlich zurückgegangen“, beklagt sich Chen.

Ein gefährliches Geschäft

Überschattet wird das Geschäft zusätzlich von der schweren Explosionskatastrophe im August in der chinesischen Hafenmetropole Tianjin. Ein Chemielager hatte Feuer gefangen und war in die Luft gegangen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nicht eingehalten worden. 170 Menschen kamen ums Leben. Seitdem greifen die chinesischen Behörden landesweit mit harten Kontrollen durch.

Auch in Liuyang war es in den vergangenen Jahres immer wieder zu zum Teil schweren Explosionen in den Feuerwerksfabriken gekommen. Dort hatten die örtlichen Behörden bereits in den 1990er Jahren wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen mehrere Tausend Fabriken schließen lassen. „Seitdem wurden die Sicherheitsstandards massiv erhöht“, versichert Chen. Trotzdem explodierte erst vergangenes Jahr erneut eine Fabrik mit 12 Toten und 33 Verletzten.

Doch auch steigende Löhne setzen der Branche in der Feuerwerkshauptstadt zu. Einige Unternehmer haben ihre Fabriken bereits nach Bangladesh und Vietnam ausgelagert. Auch Chen spielt mit solchen Überlegungen. „Wir sind im Gespräch mit Brasilien.

Von Felix Lee

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