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Mit kleinen Schrauben das große Rad drehen

Medizin-Start-up Syntellix Mit kleinen Schrauben das große Rad drehen

Das hannoversche Medizin-Start-up Syntellix sieht sich mit Knochenimplantaten vor dem Durchbruch. „Wir sind an der Schwelle, ein richtig großes Rad zu drehen“, sagte Utz Claassen. Die 20-Mann-Firma will den Markt für Knochenimplantate revolutionieren.

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Für den Weltmarkt: Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic und Utz Claassen mit den neuen Schrauben.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Vor Kurzem war Utz Claassen - wie schon so viele Manager vor ihm - zu Besuch im „Valley“, um sich kalifornische Start-ups und deren Werben um Investoren anzuschauen. Der Besuch ließ ihn etwas desillusioniert die Rückreise ins heimische Hannover antreten. Fast alle „Erfinder“ waren Programmentwickler für Smartphones. „Wie lange kann eine Gesellschaft eigentlich Wert schaffen nur mit Handy-Apps?“, fragt er sich seitdem.

Zumal Claassen seit Jahren ein Unternehmen groß machen will, das „seriöseste Hardware mit einer ganz anderen Komplexität“ entwickelt hat und mit „ungleich höheren Markteintrittsbarrieren“ klarkommen muss. Der frühere Sartorius- und EnBW-Chef und heutige Inhaber des spanischen Fußballklubs RCD Mallorca ist nebenbei Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratschef der hannoverschen Syntellix AG - einer 20-Mann-Firma, die den Markt für Knochenimplantate revolutionieren will. Und sich nach Jahren der Erprobung und Überprüfung durch die Behörden vor dem Durchbruch sieht. „Wir sind an der Schwelle, ein richtig großes Rad zu drehen“, sagte Claassen am Mittwoch in Hannover.

Das 2008 gegründete Unternehmen vertreibt Kompressionsschrauben aus einer Magnesium-Legierung, die an der Universität Clausthal und der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt wurden und die ein thüringischer Lieferant in ihrem Auftrag fertigt. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Titan-Implantaten: Die Schrauben der Hannoveraner werden im Knochen binnen 12 bis 18 Monaten komplett abgebaut und anschließend durch körpereigenes Gewebe ersetzt. Eine zweite Operation entfällt also. „Diese Technologie kann und wird den Weltmarkt verändern“, ist sich der medizinische Chef von Syntellix, Martin Kirschner, sicher.

Die Genehmigungsverfahren haben das kleine Unternehmen viel Zeit und Geld gekostet. In der von milliardenschweren Riesenunternehmen bestimmten Medizinwelt gebe es wohl keinen vergleichbaren Fall eines Start-ups, das diese Last auf sich nehme, meinte Claassen. Dass das Unternehmen es so weit gebracht habe, sei auch „eine kleine Auszeichnung für den Wissensstandort Niedersachsen“, ergänzte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic.

Europa sind alle Freigaben erteilt

Inzwischen kann Syntellix die ersten Ernten einfahren. Für Europa sind alle Freigaben erteilt, gerade hat auch das in diesen Fragen besonders strenge Singapur die Anwendung erlaubt. In 16 Ländern werden die Schrauben bereits angeboten, neun weitere sollen in diesem Jahr hinzukommen. Bislang sind 3000 Operationen mit Syntellix-Schrauben durchgeführt worden. Allein in diesem Jahr werde die Zahl der Patienten auf 13 000 steigen, so Finanz- und Vertriebschef Thomas Meyer. „Die Phase exponentiellen Wachstums ist erreicht.“ Jedes Jahr soll sich der Umsatz fortan vervierfachen, die Belegschaft binnen drei Jahren auf 60 steigen.

Ganz bewusst haben sich die Syntellix-Manager dafür entschieden, die Schrauben nicht dramatisch teurer zu machen als die der Titan-Konkurrenz. Mit rund 150 Euro pro Stück kosten sie im Schnitt lediglich ein Viertel mehr. Ein vielfacher Preis würde das Risiko bergen, dass die Krankenhaus-Einkäufer vor der Innovation zurückschrecken. So ist auch gewährleistet, dass die Kassen die Kosten übernehmen.

Claassen will es nicht bei Kompressionsschrauben für Hand und Fuß belassen. Der Werkstoff eigne sich schließlich für alle Implantate, die nicht auf Dauerhaftigkeit angelegt seien. „Wir planen den Rollout über die ganze Welt und über alle Produktgruppen“, so seine Vorgabe. Spätestens dann wird der Unternehmer wohl selbst im Silicon Valley nach Investoren suchen müssen.

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