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Kiffen als Goldgrube: Milliarden-Markt boomt

Drogenhandel in den USA Kiffen als Goldgrube: Milliarden-Markt boomt

Marihuana und Produkte rund um die Droge herum sind in den USA ein großes Geschäft. Der Markt wuchs 2015 um 17,4 Prozent, obwohl das ganz große Geld noch gar nicht fließt. Der Boom zieht Unternehmer und Wagniskapitalisten an. Auch der Fiskus kassiert kräftig mit.

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In Seattle ist der Handel mit Cannabis seit dem 8. Juli 2014 legal.

Quelle: Stephen Brashear/EPA

New York/Tuscon. Der Brownie hat es in sich: 40 Milligramm des berauschenden Cannabis-Wirkstoffs THC enthält das Stück Schokokuchen - das sollte reichen, um selbst erfahrene Kiffer ziemlich high zu machen. Verkauft wird der 12,5 Dollar teure Cookie ganz legal, unter anderem in der Globe Farmacy in Arizona.

In den US floriert das Geschäft mit Marihuana. 23 der 50 Bundesstaaten haben den Verkauf inzwischen erlaubt, wenngleich meist nur zum medizinischen Gebrauch. Der Markt wächst rasant - im vergangenen Jahr stieg der Umsatz dem Analysehaus Arcview Market Research nach von 4,6 auf 5,4 Milliarden Dollar (4,8 Mrd Euro).

Dabei entfällt ein wesentlicher Teil nicht auf die Droge an sich, sondern Produkte rund um Marihuana herum. Die «Edibles» genannten Artikel reichen von Gebäck über Drinks bis hin zu Tinkturen, Lotionen oder Entspannungspillen. Selbst Beruhigungsmittel und Appetitmacher für Haustiere («Canna-Pet») hat die kreative Branche im Angebot.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Die Marktforscher von Arcview prognostizieren, dass die jährlichen Erlöse der Branche 2016 um 24 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar klettern. 2020 werde der Umsatz 21,8 Milliarden Dollar erreichen. Das lockt immer mehr «Ganjapreneure» genannter Kleinunternehmer in den Markt.

Der US-Sender MSNBC begleitete eine Reihe dieser Start-ups in der Reality-TV-Serie «Pot Barons of Colorado». Eine Erfolgsgeschichte unter den vorgestellten Geschäften: Die Firma «Medicine Man» der Brüder Andy und Pete Williams, die sich mit zwei Filialen in Denver und Aurora zu einem Schwergewicht der Branche entwickelt hat.

Ende 2015 erhielt das mit den Läden verbundene Beratungsunternehmen «Medicine Man Technologies» die Zulassung der Finanzaufsicht, unter dem Tickersymbol MDCL Aktien auszugeben. Ein öffentlicher Börsengang ist zwar nicht geplant, die Papiere sollen zunächst nur ausgewählten Investoren angeboten werden. Dennoch ist es ein weiteres Indiz für das wachsende Interesse am Marihuana-Geschäft.

Die Branche hat bereits einige Star-Investoren. Ganz vorne mit dabei: Hip-Hop-Star Snoop Dogg, der nach eigener Auskunft 81 Joints pro Tag raucht und behauptet, bereits im Weißen Hauses gekifft zu haben, als Präsident Barack Obama ihn einst zum Besuch einlud. Der 44-Jährige steckt seit Jahren schon Teile seines im Musikgeschäft gemachten Vermögen ins Cannabis-Business.

Zuletzt machte Snoop durch eine Partnerschaft mit der kanadischen Firma Tweed, einem Anbieter von Marihuana und Zubehör, von sich reden. Der Rapper ist selbst mit seiner Gesellschaft LBC Holdings im Geschäft und wirbt für Cannabis-E-Zigaretten («Vaporizer») und andere Produkte rund ums Kiffen. Das tut auch eine andere Musik-Ikone - allerdings ohne dass sie es sich hätte aussuchen können.

Reggae-Legende Bob Marley ist zwar schon lange tot, aber dennoch Aushängeschild der Marke «Marley Natural», die zum ersten globalen Cannabis-Label werden soll. Dahinter steckt die Gesellschaft Privateer Holdings aus Seattle, die die Erben des Kultstars aus Jamaika als Partner gewinnen konnte. An Privateer wiederum ist der berühmte Tech-Investor Peter Thiel aus dem Silicon Valley beteiligt. Er wurde mit frühen Einstiegen bei Facebook und Paypal steinreich.

Trotzdem: Auf das ganz große Geld der Profi-Anleger wartet die Branche bislang vergeblich. Weil die Bundesgesetze Marihuana weiterhin als illegal einstufen, machen Banken aus Angst vor Geldwäscheverdacht einen Bogen um das Geschäft - von Krediten und Finanzierungen sind die Start-ups weitgehend abgeschnitten.

Gut verdienen indes dank hoher Steuern und Lizenzgebühren die Bundesstaaten. Colorado, das mehr Cannabis- als Starbucks-Läden hat und längst nicht mehr nur wegen der Rocky Mountains den Spitznamen «The High State» trägt, nahm 2015 etwa 135 Millionen Dollar mit dem Marihuana-Geschäft ein. Das waren 77 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hannes Breustedt, dpa

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