Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Milliardengewinn trotz Militär-Problemflieger
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Milliardengewinn trotz Militär-Problemflieger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:55 21.02.2018
Der Airbus A400M belastet den Konzerngewinn. Quelle: dpa
Toulouse

Die Dauerprobleme beim Militär-Transportflugzeug A400M haben den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus eine weitere Milliardensumme gekostet. Vorstandschef Tom Enders hofft aber, das traurige Kapitel mit den nun zur Seite gelegten 1,3 Milliarden Euro finanziell weitgehend abzuschließen. Trotz dieser Sonderbelastung verdreifachte der europäische Boeing-Konkurrent seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr unter dem Strich nahezu auf fast 2,9 Milliarden Euro, wie Airbus am Donnerstag bekanntgab.

Doch jetzt macht Airbus’ größter Verkaufsschlager, der Mittelstreckenjet A320neo, Negativschlagzeilen. Triebwerke bei einem Teil der Baureihe drohen während des Flugs auszufallen. Flugsicherheitsbehörden haben bereits Betriebseinschränkungen verhängt. Der Flugzeugbauer macht es von der Lösung des Problems abhängig, ob er sein Ziel erreichen kann, in diesem Jahr insgesamt 800 Zivilflugzeuge auszuliefern. Enders sagte aber, er sei „recht zuversichtlich“, das Triebwerks-Thema zu bewältigen.

Probleme mit Triebwerksbauern

Betroffen sind 32 ausgelieferte Flugzeuge mit Triebwerken des Herstellers Pratt & Whitney (P&W) - bei einem Drittel davon geht es um beide Motoren. Dem Triebwerksbauer tritt Airbus schon seit 2016 auf die Füße, weil die Lösung von Hitze- und Softwareprobleme an den Triebwerken die Auslieferung vieler Jets verzögerte. Dadurch wackelten Airbus’ Auslieferungsziele 2017 bis kurz vor Jahresende, auch derzeit stehen rund 30 praktisch fertige Maschinen ohne Antriebe auf dem Hof.

Neben den Triebwerken von P&W habe es auch beim Konkurrenzantrieb des Herstellers CFM teilweise Probleme bei der Einsatzreife gegeben, hieß es. Dennoch hatte Airbus im vergangen Jahr mit 718 ausgelieferten Verkehrsmaschinen einen neuen Firmenrekord aufgestellt - auch wenn der amerikanische Erzrivale Boeing weiter die Nase vorn hat.

Vertragsstrafen reduzierten Gewinn des Unternehmens

Beim A400M-Programm ist Airbus zuversichtlich, die verbleibenden Risiken für das Unternehmen durch eine Vertragsanpassung mit Deutschland und den anderen Käuferstaaten deutlich zu reduzieren. Eine entsprechende Absichtserklärung, unter anderem den Zeitplan für die Auslieferungen anzupassen, war kürzlich unterzeichnet worden.

Die A400M gilt als modernstes militärisches Transportflugzeug der Welt, hatte aber in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme gemacht. Flugzeuge wurden später ausgeliefert als vereinbart, was zu Vertragsstrafen führt. Enders hatte dafür neben Technikärger auch eine „unrealistische Vertragsgestaltung sowie ein unzureichendes Budget“ verantwortlich gemacht und die Käufer zu Zugeständnissen gedrängt.

Der Gewinnsprung in 2017 erklärt sich auch dadurch, dass Airbus im Jahr davor noch stärker unter den A400M-Problemen gelitten hatte - damals wurden Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro verbucht. Zudem profitierte der Konzern im vergangenen Jahr vom Verkauf seines Verteidigungselektronik-Geschäfts.

Airbus steht an der Konzernspitze vor großem Umbruch

Airbus-Chef Enders zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Jahreszahlen: „Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse - insbesondere im letzten Quartal - haben wir all unsere Ziele für 2017 übertroffen“, erklärte er. Vor allem das zentrale Verkehrsflugzeug-Geschäft konnte dank der gesteigerten Produktion zulegen. Der um Sonderposten bereinigte operative Konzerngewinn (bereinigtes Ebit) wuchs um acht Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Airbus ihn um 20 Prozent steigern. Der Umsatz blieb 2017 stabil bei 67 Milliarden Euro.

Der Konzern steckt in turbulenten Zeiten: Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich haben den Flugzeugbauer erschüttert. Zudem wird das Top-Management umgebaut, Konzernchef Enders scheidet im Frühjahr 2019 aus. Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier, die Nummer zwei des Konzerns, übergibt seinen Job schon in diesem Monat an den bisherigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Bundesregierung hat mit ihrer Idee eines zeitweise kostenlosen Nahverkehrs eine große Debatte eröffnet. Die Sozialverbände haben jedoch mit Skepsis auf die Vorschläge aus Berlin reagiert. Sie sehen den Ausbau der Barrierefreiheit und die Erschließung des ländlichen Raums als wichtiger an.

15.02.2018

Die schwedische Modekette H&M will den Angriff auf die Wettbewerber im Online-Segment nicht verschlafen. Dennoch wird das Unternehmen erst frühestens ab 2019 im Internet zum Sturm auf Zalando und Co. blasen können. Noch drücken aktuelle Belastungen den Klamottenriesen in die Knie.

14.02.2018

Der aktuelle Trend um Kryptowährungen wie Bitcoin hat auch die obere Riege der Währungshüter auf den Plan gerufen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unterstrich am Mittwoch die Notwendigkeit für eine internationale Kontrolle des digitalen Zahlungsmittels. Ein Verbot sei jedoch nicht notwendig, so Weidmann

14.02.2018