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Das sind die Folgen für den Verbraucher

EZB senkt Leitzins Das sind die Folgen für den Verbraucher

Die EZB senkt den Leitzins auf null Prozent, sie brummt den Banken auch höhere Strafzinsen dafür auf, dass diese Geld bei ihr parken. Welche Folgen hat diese Entscheidung für den Verbraucher? Eine Übersicht zu Bankgebühren, Dispozinsen, Tagesgeld und Sparbuch finden Sie hier.

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Die Europäische Zentralbank hat völlig überraschend den Leitzins auf 0,0 Prozent gesenkt. Die Geldpolitik der Notenbank hat auch Folgen für Verbraucher. 

Quelle: Daniel Karmann/dpa

Frankfurt/Main. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat völlig überraschend den Leitzins auf 0,0 Prozent gesenkt. Sie stellt damit Banken extrem billige Kredite zur Verfügung – mit dem Ziel, dass noch mehr Milliarden in die Märkte gepumpt werden.

Die EZB senkte noch zwei weitere Leitzinsen: den Einlagezins, zu dem Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Zentralbank parken können. Er fällt von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent. Außerdem senkte die EZB den Leitzins, zu dem Geschäftsbanken kurzfristig und unbegrenzt Geld aufnehmen können. Er beträgt jetzt 0,25 Prozent statt 0,3 Prozent.

Mit diesen Maßnahmen will die EZB die Inflation und die schwächelnde Konjunktur im Euroraum ankurbeln. Die Geldpolitik der Zentralbank hat aber auch Folgen für die Verbraucher. Eine Übersicht: 

Fonds

Bei Geldmarktfonds und Rentenfonds mit kurzer Laufzeit werde es bei steigenden Strafzinsen immer schwieriger, Renditen zu erzielen, heißt es bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Im Schnitt halten die Fonds demnach 3 bis 5 Prozent des Volumens liquide vor – falls Anleger Anteile zurückgeben wollen. Dieses Geld werde von einigen Banken negativ verzinst.

Lebensversicherungen

Sie leiden unter den Niedrigzinsen und werfen immer weniger ab. Jetzt kommen noch die Negativzinsen hinzu. Von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds "muss die Parkgebühr mitbezahlt werden, das können wir nicht drauflegen", sagt der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Lebensversicherer legen das Geld ihrer Kunden vor allem in Staatsanleihen an, die als sicher gelten. Diese werfen aber kaum noch etwas oder gar nichts mehr ab. Die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung sinkt deshalb im Schnitt.

Gesundheitsfonds

Der Fonds, der das Geld für die gesetzlichen Krankenkassen einsammelt, musste im vergangenen Jahr rund 1,8 Millionen Euro Strafzinsen zahlen. Dadurch schmilzt die Liquiditätsreserve von rund 10 Milliarden Euro aber nur etwas ab, wie ein Sprecher des Bundesversicherungsamts erläutert. Das habe unmittelbar keine Folgen für die Höhe der Zusatzbeiträge, die Versicherte zahlen müssen.

Krankenkassen

Negativzinsen seien derzeit kein Problem, heißt es beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Falls ein Finanzhaus Strafzinsen ankündige, würden die Kassen die Bank wechseln. Auch beim Verband der Privaten Krankenversicherung gibt man sich gelassen: Eine Negativverzinsung gebe es vielleicht bei einzelnen Anbietern. Im Schnitt erwirtschafteten die Privaten aber eine Nettoverzinsung von mehr als 3,5 Prozent: „Versicherte müssen also keine höheren Beiträge infolge von Negativzinsen befürchten.“

Bankgebühren und Dispozinsen

"Wir werden versuchen, das Thema Negativzinsen unseren Privatkunden nicht zuzumuten", sagt der Präsident des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich. Allerdings könnten Geldhäuser gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen. Finanzexpertin Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen erwartet, "dass Banken schauen, wo sie Geld verdienen können, weil ein Teil ihrer Einnahmen wegbricht". Aus ihrer Sicht könnte ein Zusammenhang mit den von Verbraucherschützern als überhöht kritisierten Dispozinsen bestehen.

Tagesgeld, Sparbuch und Co.

Die Lieblinge vieler Sparer werfen kaum noch etwas ab. „Generell ist die Zinspolitik für Verbraucher, die überwiegend in sichere Anlageprodukte investieren, kritisch“, sagt Verbraucherschützerin Mohn. "Die Niedrigzinsphase müsste Anlass sein, über die Verteilung der Ersparnisse nachzudenken und zum Beispiel mehr in Aktien zu investieren."

Kredite

Häuslebauer und andere Kreditnehmer profitieren von den Niedrigzinsen – für sie wird es günstiger. Allerdings warnte der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, jüngst: Wenn die Zinsen negativer würden, müssten die Banken höhere Zinsen für Kredite fordern.

Von Friederike Marx
 und Jörn Bender

Das Werkzeug der Zentralbank

Strafzinsen: In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der Europäischen Zentralbank (EZB) Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Notenbank parken. Doch im Sommer 2012 senkten die Währungshüter den sogenannten Einlagezins zunächst auf null Prozent. Später verschärften die Währungshüter den Einlagenzins mehrmals – gestern dann sogar auf minus 0,4 Prozent. Kreditinstitute müssen nun Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB bunkern. Die Notenbank will erreichen, dass Geschäftsbanken das viele billige Geld, das die EZB ihnen zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, damit es in Investitionen und Konsum fließt. Das soll die Konjunktur anschieben und den Preisauftrieb verstärken.
Quantitative Lockerung: Die EZB pumpt künftig 80 Milliarden Euro monatlich in die Märkte. Das Programm heißt "Quantitative Easing", zu Deutsch: "Quantitative Lockerung". Dieser Begriff kommt daher, dass bei einer solchen Maßnahme die Menge, also die Quantität, des Zentralbankgelds zunimmt. Eine Notenbank druckt sich selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Meist sind das Anleihen von Staaten und Unternehmen. Mit dem Erwerb solcher Schuldscheine will die EZB langfristige Zinsen drücken. Dann können etwa Staaten günstiger frisches Geld bei Investoren einwerben. Im Idealfall kommt das zusätzliche Geld über die Banken, denen die Notenbank Wertpapiere abkauft, bei Unternehmen und Verbrauchern an: Mehr Kredite könnten zu mehr Investitionen und Wachstum führen.

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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