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Mit harter Hand zurück in die Gewinnzone

Neuer Karstadt-Chef Mit harter Hand zurück in die Gewinnzone

Sechs Karstadt-Häuser sollen 2015 geschlossen werden. Der neue Chef denkt schon über weitere Einschnitte nach. Was kommt noch auf die Mitarbeiter zu?

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Karstadt muss unrentable Standorte womöglich sogar schließen. Doch die Mitarbeiter haben ein Anrecht darauf, zu wissen, woran sie sind. 

Quelle: Caroline Seidel

Essen. Standortschließungen und Einsparungen beim Personal: Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl will den Warenhauskonzern mit harter Hand sanieren. Doch er muss sich auf den massiven Widerstand der Gewerkschaften gefasst machen.

Unmittelbar nach seiner Ernennung durch den Aufsichtsrat kündigte der neue Chef der Warenhauskette nicht nur die Schließung von sechs Häusern an. Er verlangte von den knapp 17.000 Karstadt-Mitarbeitern auch finanzielle Opfer zur Rettung der Warenhauskette. „Wir müssen über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern“, sagte Fanderl dem „Handelsblatt“ (Freitag).

Bis Mitte nächsten Jahres sollen zwei klassische Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart schließen. Außerdem sollen die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette K-Town in Köln und Göttingen sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt/Oder ihre Tore zumachen. Fanderl zufolge sind von den Schließungen 350 Arbeitsplätze betroffen. Zusätzlich ist nach Angaben der Gewerkschaft Verdi der Abbau von rund 2000 Stellen in der Zentrale und den verbleibenden Warenhäusern geplant.

Auch die Zukunft zahlreicher weiterer Filialen ist ungewiss. Fanderl kündigte an, bei weiteren acht bis zehn Geschäften individuelle Lösungen zu suchen. „Wir sprechen etwa mit den Vermietern, ob es alternative Nutzungen für den Standort gibt und eine Chance besteht, früher aus den laufenden Mietverträgen herauszukommen“, sagte der 51-jährige Manager dem „Handelsblatt“. Zugleich kündigte er an, die Signa-Holding werde weiteres Geld zur Verfügung stellen. „Die Signa wird nach der erfolgreichen Sanierung über die kommenden Jahre in dreistelliger Millionenhöhe in das präsentierte Zukunftskonzept investieren.“

Von Warenhaus bis K-Town: Welche Karstadt-Häuser gibt es

 Mit dem Namen Karstadt sind vor allem die großen Warenhäuser verbunden, die in Innenstadtlagen ein breites Sortiment anbieten. Doch die Marke Karstadt umfasst auch andere Läden:

Warenhäuser: Derzeit gibt es 83 klassische Karstadt-Warenhäuser, von denen zwei (Stuttgart und Hamburg-Billstedt) geschlossen werden sollen. Für die verbleibenden Häuser hat der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl eine Aufteilung in die Kategorien Erlebnishaus und Nahversorger mit jeweils speziellen Sortimenten angekündigt.

Luxushäuser: Die drei Luxushäuser in Berlin (KaDeWe, München (Oberpollinger) und Hamburg (Alsterhaus) bieten spezielle Waren für den gehobenen Bedarf. Die als besonders lukrativ geltenden Häuser waren bereits 2013 zusammen mit den Sporthäusern mehrheitlich von Benko übernommen worden.

Sporthäuser: Die Karstadt-Homepage listet aktuell bundesweit 26 Standorte der als gewinnträchtig geltenden Läden auf. Angeboten wird ein Sortiment von Sportartikeln vom Fahrrad bis zur Ski-Unterwäsche.

K Town: Mit einem speziell auf junge Kunden zugeschnittenen Warenhausangebot aus Mode und Accessoires wollte der frühere Karstadt-Chef Andrew Jennings dem angestaubten Warenhausunternehmen ein modernes Image verpassen. Mit viel Werberummel hatte der Brite vor drei Jahren die „K Town“-Filialen als Modellprojekt aus der Taufe gehoben. Doch die Modelfilialen in Köln und Göttingen erwiesen sich offenbar als Flop, sie werden geschlossen. 

Schnäppchenmärkte: Auch in zwei speziellen Schnäppchenmärkten (Paderborn und Frankfurt/Oder) sollen die Lichter ausgehen. Damit verabschiedet sich Karstadt jedoch nicht von der Idee der Resterampe. Schnäppchenfreunde können auch künftig in zwei speziellen Läden in Gießen und Berlin fündig werden.

Der Karstadt-Gesamtbetriebsratchef Hellmut Patzelt sprach von einem „dunklen Tag für die Beschäftigten“. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warf der Konzernspitze vor, keine genaue Ursachenforschung betrieben zu haben, warum Karstadt in der Krise sei. Stattdessen werde überstürzt die Entscheidung gefällt, einzelne Filialen zu schließen und in weiteren Filialen noch mehr Personal abzubauen. „Für die Beschäftigten ist das heute ein bitterer Tag. Erneut werden sie für Managementfehler der letzten Jahre bestraft“, sagte Nutzenberger.

Der für Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzende Arno Peukes sagte, nach wie vor sei die Zukunft von 21 Warenhäusern, die rote Zahlen schreiben, ungewiss. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft würden alles daran setzen, alle Häuser zu erhalten. Die nächste Aufsichtsratssitzung sei für Anfang nächsten Jahres geplant.

Die Warenhauskette hat nach eigenen Angaben auch im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 rote Zahlen geschrieben. Gleichzeitig gingen die Umsätze zurück. Das Unternehmen habe seit der Insolvenz im Jahr 2009 fast 30 Prozent seiner Kundschaft im Alter zwischen 35 und 50 Jahren sowie bei den über 55-Jährigen verloren, klagte Fanderl. Mehr als jede vierte Filiale verdiene kein Geld. Einige seien sogar „dunkelrot“.

Um wieder auf ein akzeptables Ergebnisniveau zu kommen, gibt sich Fanderl drei Jahre Zeit. 2017 wolle er mit einer operativem Rendite von zweieinhalb bis drei Prozent im Tagesgeschäft wieder schwarze Zahlen schreiben. „Aber es geht nur, wenn wir jetzt zügig und konsequent handeln“, erklärte der Karstadt-Chef.

Benko hat Interesse an Kaufhof

Karstadt-Eigentümer Benko signalisierte unterdessen einem Medienbericht zufolge erneut Interesse an einer Übernahme der Warenhauskette Kaufhof. Der Kaufpreis solle bei 2,5 Milliarden Euro bis 2,7 Milliarden Euro liegen, schrieb die "Lebensmittel Zeitung" unter Berufung auf Insider. Konkrete Verhandlungen über einen Verkauf der Metro-Tochter hätten jedoch noch nicht begonnen.

Ein Sprecher des österreichischen Benko-Unternehmens Signa wies die Meldung allerdings zurück. "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH", erklärte Signa-Sprecher Robert Leingruber. Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro lehnte eine Stellungnahme zu "Marktgerüchten und Spekulationen" ab.Nach Medienberichten sollte ein weiteres wichtiges Thema die Neubesetzung des seit drei Monaten vakanten Karstadt-Chefsessels sein. Einziger Kandidat für den derzeit wohl schwierigsten Job im deutschen Einzelhandel war den Berichten zufolge der bisherige Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl.

René Benko - vom Schulabbrecher zum Immobilienmagnaten

Dem Tiroler René Benko gelang eine Blitzkarriere vom Schulabbrecher zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Österreichs. Mit Anfang 20 gründete er 1999/2000 seine Signa-Gruppe, Spezialist für Luxus-Immobilien in Spitzenlagen. Das Immobilienvermögen liegt nach Unternehmensangaben mittlerweile bei mehr als 6,5 Milliarden Euro. Der schillernde Selfmade-Millionär ist bestens vernetzt in Politik und Wirtschaft.

In Deutschland sind Benko und Signa keine Unbekannten: Ebenso wie der bisherige Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hatte auch Signa 2011 Interesse an einer Übernahme des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof bekundet. Im September 2013 übernahm Signa dann von Berggruen die Mehrheit an den Karstadt-Edelkaufhäusern wie dem KaDeWe in Berlin und den Karstadt-Sporthäusern.
Benko wurde am 20. Mai 1977 als Sohn eines Beamten in Innsbruck geboren. Die Schule brach er im Alter von 17 Jahren ab. Stattdessen erlernte er den Ausbau von Dachgeschossen und fand dabei Geschmack am Immobiliengeschäft. Der 37-Jährige ist zum zweiten Mal verheiratet und hat drei Kinder.

Ein rechtskräftiges Urteil zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung bremste den Höhenflug Benkos im August 2013 erstmals. Ein Wiener Gericht sah es als erwiesen an, dass er gemeinsam mit seinem Steuerberater eine „verbotene Intervention“ in einer Steuerangelegenheit in Italien versucht hatte, die Richterin sprach von einem „Musterfall der Korruption“. Kurz danach zog sich Benko aus der operativen Führung der Signa-Gruppe in den Beirat zurück, er hält die Zügel aber weiter in der Hand.

dpa

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Neue Einsparungen
Foto: Der Betriebsrat befürchtet weitere Stellenstreichungen bei Karstadt.

Beim krisengeplagten Warenhauskonzern Karstadt befürchtet der Betriebsrat noch schärfere Einsparungen. Die Unternehmensleitung habe angekündigt, neben der bekannten Schließung von sechs Standorten jetzt alle Filialen auf den Prüfstand zu stellen.

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