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Erst die Abzocker, dann die Anwälte

Verbraucherschützer warnen Erst die Abzocker, dann die Anwälte

Mit zum Teil unseriösen Methoden werben Anwälte vermehrt um Anleger, die am Grauen Kapitalmarkt Geld verloren haben. Bei den privaten Investoren würden dadurch Hoffnungen geweckt, die sich vielfach nicht erfüllen ließen, warnen Verbraucherschützer.

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Wenn guter Rat teuer wird: Durch die Insolvenz der Windkraftfirma Prokon haben Anleger etwa die Hälfte ihres Geldes verloren.

Quelle: Christian Charisius

Hannover. „Für die Anwälte sind diese Verfahren attraktiv, weil sich ihre Honorare nicht am Erfolg, sondern am Streitwert bemessen“, sagt der Finanzspezialist Christian Urban von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Die Anleger laufen damit Gefahr, ein zweites Mal über den Tisch gezogen zu werden.“

Schon nach den Pleiten der Investmentbank Lehman Brothers und der isländischen Kaupthing-Bank 2008 hatten Anwälte versucht, von der Notlage der Anleger zu profitieren. Im gleichen Jahr gab der Gesetzgeber Juristen die Chance, sich als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht von der Masse der Kollegen abzusetzen. Diese Möglichkeit wird seither eifrig genutzt: Von 2010 bis Ende 2014 ist die Zahl der Fachjuristen auf 900 gestiegen und hat sich damit mehr als vervierfacht.

Im Internet und mit Massenrundschreiben werben Anwälte damit, zumindest einen Teil des in geschlossene Immobilienfonds, Genussscheine, Leasing-, Schiffs- oder Medienfonds investierten Geldes der Anleger zurückholen zu können. Insbesondere nach der Pleite der Windkraftfirma Prokon überboten sich spezialisierte Kanzleien mit Angeboten. Besondere Vorsicht sei angebracht, wenn Anwälte einen sicheren Erfolg vor Gericht oder im Insolvenzverfahren versprächen, sagt Gabriele Schmitz, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg: „Die Anleger sollten genau hinsehen, wer da um sie wirbt.“

Angeblich von Anlegern gegründete Selbsthilfe-Vereine

Um an die Adressen von potenziellen Mandanten zu kommen, bedienen sich Anwälte auch zweifelhafter Methoden. So werben im Internet angeblich von Anlegern gegründete Selbsthilfe-Vereine um Mitglieder, indem sie kostenlose Beratungen bei bestimmten Kanzleien anbieten. Die Folge seien zuweilen eilig zusammengeschriebene Massenklagen, sagt Schmitz: „Die Gerichte reagieren genervt, wenn sie Mengen von gleichlautenden Standardschriftsätzen bekommen - darunter leiden dann besser vorbereitete Verfahren.“ Und selbst wenn die Geschädigten recht bekommen: Bei Pleitefonds und deren Managern ist oft kein Geld mehr zu holen.

Andere Juristen durchforsten Gesellschafterverzeichnisse von in Not geratenen Firmen, um betroffene Anleger anzuschreiben. Der Bundesgerichtshof hatte diese Möglichkeit eröffnet, damit sich Anleger besser organisieren können. Hier bewegen sich die Juristen in einer Grauzone. Im Prinzip dürfen Anwälte zwar für ihre Dienste werben - auf den Einzelfall gerichtete Werbung aber ist verboten. Wenn ein Anwalt vermutet, dass ein Anleger Rechtsberatungsbedarf hat, darf er ihn also nicht von sich aus kontaktieren. Der Rechtsanwaltskammer Celle, die im östlichen Niedersachsen über die Einhaltung der Standesregeln wacht, seien hier in den vergangenen Jahren aber keine Verstöße gemeldet worden, sagt eine Kammersprecherin.

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