Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt US-Kongress befasst sich mit Abgas-Skandal
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt US-Kongress befasst sich mit Abgas-Skandal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:21 22.09.2015
Anzeige
Wolfburg/New York

Mit dem VW-Skandal um manipulierte Abgastests in den USA wird sich ein Ausschuss des US-Kongresses befassen. Das kündigten die beiden US-Politiker Fred Upton (Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses) und Tim Murphy (Untersuchungs-Unterausschuss) in Washington an. In den kommenden Wochen wird danach eine Anhörung zu den Vorwürfen der US-Umweltbehörde EPA angesetzt, dass VW Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeug-Tests geschönt haben soll. Das hat VW inzwischen eingeräumt. "Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert", heißt es in der Erklärung der beiden US-Kongressmitglieder.

VW war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In Kriminalfällen können die Ermittlungen in den USA Monate oder Jahre andauern, ergebnislos enden, aber auch zu heftigen Strafen führen. Das Justizministerium wollte sich gegenüber Bloomberg nicht zu dem Fall äußern.

Der Amerika-Chef von VW, Michael Horn, entschuldigte sich unterdessen. "Wir waren unehrlich", sagte Horn am Montagabend (Ortszeit) bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut."

Eine Marke nimmt Schaden.

Die US-Umweltbehörde wirft VW die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vor, es drohen milliardenschwere Strafzahlungen. Die Wolfsburger haben das Fehlverhalten bereits eingeräumt und versprachen, mit der Behörde zu kooperieren. Der Konzern erließ zudem einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA.

Neben einem Imageverlust drohen Volkswagen Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar durch die EPA, Rückrufkosten sowie mögliche Regressansprüche von enttäuschten Kunden und Aktionären. Volkswagen erließ einen Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle in den USA. Am Mittwoch will sich der innerste Zirkel des Aufsichtsrats bei einem Krisentreffen mit dem Thema beschäftigten, verlautete aus VW-Kreisen.

Die US-Regierung zeigte sich am Montag "ziemlich besorgt" über das Verhalten des deutschen Autobauers. Letztlich sei es aber Aufgabe der EPA, ihre Regelungen durchzusetzen und gegebenenfalls Ermittlungen anzustoßen, sagte Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest in Washington.

Am Wochenende hatte Volkswagen eingeräumt, dass Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert worden waren. VW-Chef Martin Winterkorn hatte eine externe Untersuchung und eine rasche Aufklärung zugesagt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte der "Bild"-Zeitung: "VW muss jetzt als erstes das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, das heißt: vollumfängliche Aufklärung und Transparenz verbunden mit einem Signal, wie man möglichen Schaden beheben will."

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Er warnte zugleich vor Vorverurteilungen. "Wir gucken uns in den nächsten Tagen an, was passiert ist, wer die Verantwortung trägt", sagte er am Montag auf der IAA in Frankfurt.

Der Abgas-Skandal hat auch das Vertrauen der Anleger erschüttert. An der Frankfurter Börse verlor das Papier von Europas größtem Autobauer am Montag zeitweise mehr als ein Fünftel an Wert und zog auch die Titel anderer Hersteller mit in die Tiefe. Am Handelsende stand noch ein Minus von 18,60 Prozent für die VW-Aktie zu Buche. Das bedeutete einen Börsenwert-Verlust von etwa 14 Milliarden Euro für den Konzern.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Niedersachsen VW-Skandal um Abgaswerte - Eine Marke nimmt Schaden

Unruhe im Konzern, Aktienkurs im freien Fall und die Geschäftsaussichten in Gefahr: Die Manipulation der Abgaswerte bringt VW in Bedrängnis – und führende Manager auch. 

Stefan Winter 24.09.2015

Als einen strategischen „Super-GAU“ für die Weltmarktstellung von VW bewertet die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz die Abgas-Manipulation des Automobilkonzerns. Schadensersatzansprüche bei VW-Aktienbesitzern seien nach deutschem Recht aber so gut wie unmöglich.

22.09.2015

Der Skandal um die manipulierten Abgastests bei Volkswagen in den USA hat bei den VWN-Mitarbeitern in Hannover-Stöcken für viel Gesprächsstoff gesorgt. Viele glauben, dass der Autobauer aus Wolfsburg nicht der einzige ist, der Messwerte geschönt hat.

24.09.2015

Eher zufällig ist am neuen Hauptstadtflughafen ein folgenschwerer Mangel aufgefallen. Nun zieht die Bauaufsicht die Notbremse. Kippt damit der nächste Eröffnungstermin für den Pannen-Airport?  

21.09.2015
Deutschland / Welt Andauernder Tarifstreik - Wieder Streiks bei Amazon

Der Streit um die Bezahlung beim Versandriesen Amazon geht in eine neue Runde. Am Montag begannen an mehreren Standorten in Deutschland wieder Streiks. Die Kunden sollen davon aber laut Amazon nichts spüren.

21.09.2015

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat seinen Börsengang angekündigt. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sollen rund 25 Prozent des Grundkapitals breit bei den Anlegern an der Börse gestreut werden. Schaeffler ist Großaktionär beim hannoverschen Reifenkonzern Continental.

21.09.2015
Anzeige