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Deutschland / Welt Wie Baumarktkonzerne Praktiker aufteilten
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07:16 08.01.2016
Von Astrid Fabricius
Steht bis heute leer: Max-Bahr-Markt in Hannover-Wülfel. Quelle: Michael Zgoll

Es lief ab wie immer, wenn große Handelskonzerne in die Insolvenz müssen. Erst zeigt der eine oder andere Konkurrent Interesse am gesamten Unternehmen. Dann fällt schnell auf, wie viele „lahme Enten“ der Übernahmekandidat unter seinen Standorten hatte, meist kommen Querelen mit den Vermietern hinzu. Schließlich ließ die Branche vor gut zwei Jahren den Baumarktbetreiber Praktiker fallen, und das große Rosinenpicken begann. Hier eine Praktiker-Filiale, dort ein Max-Bahr-Markt: Aus einem Angebot von mehr als 310 Häusern allein in Deutschland suchte sich jeder das Passende aus - hieß er nun Obi, Bauhaus, Hornbach, Hagebau oder Globus.

Sie alle bedienten sich auch kräftig bei den niedersächsischen Filialen. Globus beispielsweise, bislang eher im Süden der Republik aktiv, übernahm einst acht Läden - fünf davon in Niedersachsen. Von den vier Häusern im Raum Hannover mit gut 200 Beschäftigten gingen zwei an den Möbelhändler Lutz, eins an Obi, und ein weiteres wurde zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Es ist damit übrigens das einzige in Hannover, das derzeit genutzt wird. Bundesweit fand sich für zwei von drei Häusern ein neuer Interessent.

Was aber wurde aus den 15 000 Beschäftigten, die damals die Insolvenz miterlitten - und von denen jeder zweite in eine Transfergesellschaft wechseln musste? Dieser Frage ist eine wissenschaftliche Untersuchung nachgegangen, deren Ergebnisse gestern vorgelegt wurden. Demnach fanden rund zwei Drittel der Mitarbeiter eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder in die Selbstständigkeit. Ein Viertel blieb dagegen arbeitslos. Und: Nur rund 20 Prozent der Beschäftigten konnten am gleichen Standort weiterarbeiten. Trotzdem sei das ein sehr gutes Ergebnis - auch im Vergleich zu ähnlichen Fällen, sagte Studienleiter Gernot Mühge vom Bochumer Helex-Institut. Bei der Schlecker-Insolvenz fand nur jeder zweite Beschäftigte wieder eine Stelle, 39 Prozent blieben dagegen arbeitslos.

Mit 7600 Betroffenen in sechs verschiedenen Transfergesellschaften war der Fall Praktiker/Max Bahr der größte seit 1998. Transfergesellschaften werden nicht nur bei Insolvenzen eingesetzt, sondern auch bei größeren Entlassungen. An den Kosten beteiligen sich die Unternehmen oder Gläubiger sowie die Agentur für Arbeit. Bei Praktiker/Max Bahr lagen die Kosten in der Größenordnung von 100 Millionen Euro. Dabei waren die Beschäftigten nur drei bis sechs Monate in den Transfergesellschaften - und damit kürzer als die gesetzliche Höchstdauer von zwölf Monaten. Andernfalls hätten die Gesellschaften noch erfolgreicher arbeiten können, meinte Mühge. Dafür fehlte den Insolvenzverwaltern allerdings das Geld.

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