Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt NSA spionierte französische Wirtschaft aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt NSA spionierte französische Wirtschaft aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:49 30.06.2015
Die Empörung über angebliche US-Spähaktionen gegen französische Präsidenten ist kaum verklungen, da legt Wikileaks nach. Die Amerikaner sollen nach Erkenntnissen der Enthüllungsplattform systematisch die französische Wirtschaft ins Visier genommen haben. Quelle: dpa/Archiv
Anzeige

Der US-Geheimdienst NSA hat Medienberichten zufolge massiv französische Unternehmen ausspioniert. Rund hundert französische Unternehmen, darunter alle im französischen Aktienindex CAC40 notierten Konzerne, seien ausgeforscht worden, berichtete die Zeitung ""Libération" am Montagabend unter Berufung auf von der Enthüllungsplattform Wikileaks bereitgestellte US-Dokumente. Die NSA interessierte sich den Wikileaks-Dokumenten zufolge insbesondere für "Projekte mit Verbindungen zur Telekommunikation, Elektrizität, Gas, Erdöl, Atomkraft und erneuerbare Energien". Auch Umwelttechnologien und die Gesundheitsbranche seien ausgeforscht worden.

Angeblich auch zwei Wirtschaftsminister ausspioniert

Die NSA hatte laut Wikileaks den Auftrag, alle Verhandlungen und Verträge französischer Firmen mit einem Umfang von mehr als 200 Millionen Dollar (179 Millionen Euro) auszuforschen. "Noch nie gab es einen solch klaren Beweis für massive Wirtschaftsspionage in Frankreich, die auf höchster Ebene des amerikanischen Staates organisiert wurde", schrieb dazu "Libération". Die französische Enthüllungsplattform Médiapart berichtete über fünf Dokumente über abgehörte Telefonate. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen entgangenen Aufträgen für die französische Wirtschaft und der US-Spionage kann laut Médiapart allerdings nicht hergestellt werden, weil die Dokumente keine Namen von Unternehmen enthielten.

Neben den Unternehmen wurden laut "Libération" und Médiapart auch mindestens zwei französische Wirtschaftsminister ausspioniert. Dabei handele es sich um den heutigen EU-Kommissar Pierre Moscovici, der von Mai 2012 bis August 2014 Wirtschaftsminiser von Frankreichs Staatschef François Hollande war sowie um François Baroin, der Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy von März 2010 bis Mai 2012 als Minister diente. Mediapart zitierte aus einem Abhörprotokoll vom Juli 2012, bei dem es um ein Gespräch zwischen Moscovici und einem sozialistischen Senator ging. Der heutige EU-Kommissar sagte Mediapart, er sei "zutiefst schockiert" über die Enthüllungen.

Vorige Woche hatten die beiden französischen Medien unter Berufung auf Wikileaks-Dokumente bereits berichtet, dass die NSA mindestens zwischen 2006 und 2012 Telefonate der drei französischen Präsidenten Jacques Chirac, Sarkozy und Hollande abgehört habe. Die Enthüllungen sorgten in Paris für Empörung und warfen auch die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen NSA und Bundesnachrichtendienst (BND) auf. Wikileaks veröffentlichte unter anderem eine Liste "vorrangiger Ziele" der NSA in Frankreich mit den Handy-Nummern von Präsidenten, wichtigen Beratern und Ministern. Anhand solcher sogenannter Selektoren durchsucht die NSA weltweite Datenströme. Schon 2005 war BND-Mitarbeitern aufgefallen, dass die Unternehmen EADS und Eurocopter unter den von den USA gelieferten Spähzielen waren. Diese Suchbegriffe sollen aber aussortiert worden sein.

afp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Reisende können aufatmen: Wenige Stunden vor Ablauf einer Frist nähern sich Lufthansa und die Kabinengewerkschaft Ufo in ihrem Tarifkonflikt an. Völlig vom Tisch ist ein Streik in der Urlaubszeit aber nicht: Die Gewerkschaft will weitere Gespräche abwarten.

30.06.2015

Die Wohnung oder das Auto verleihen: Teilen ist das neue Haben, verkünden immer mehr Vermittlungsplattformen im Netz. Die "Sharing Economy" boomt. Doch wen macht dieses Teilen eigentlich reich?

29.06.2015

Zwei Verantwortliche des umstrittenen Fahrdienstvermittlers Uber sind in Frankreich festgenommen worden. Die Aktion stehe im Zusammenhang mit einem Verfahren wegen illegaler Beschäftigung.

29.06.2015
Anzeige