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Neue Arzneien sind teuer - und riskant für die Patienten

Beschleunigte Zulassung Neue Arzneien sind teuer - und riskant für die Patienten

Turbozulassungen neuer Medikamente sind für Patienten zunehmend riskant - und für die Krankenkassen teuer. Laut AOK werden Medikamente vor der Zulassung nicht ausreichend geprüft. Die Schuld daran sehen die Kassen beim Gesetzgeber.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Die beschleunigte Zulassung neuer Medikamente ist für die Patienten zunehmend riskant - und für die Krankenkassen teuer. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Arzneiverordnungsreport, den das Wissenschaftliche Institut der AOK am Mittwoch vorgestellt hat. Häufig werde die Wirksamkeit neuer Präparate überschätzt, sagte der Herausgeber Ulrich Schwabe. Problematische Nebenwirkungen seien hingegen „zum Zeitpunkt der Markteinführung nicht ausreichend bekannt“.

Um die Zeit zu verkürzen, die ein innovatives Medikament von der Forschung bis zum Patientenbett benötigt, bedienen sich die Behörden eines verkürzten Verfahrens: Früher dauerte es im Schnitt fünf Jahre, bis eine neue Arznei aus dem Labor bis zum Patienten gelangte - heute kann das deutlich schneller gehen. Zulassungen werden dann unter der Auflage erteilt, dass die Hersteller weitere Studien und Unterlagen nachreichen.

Dieser Aufforderung kämen die Pharmaunternehmen jedoch nicht ausreichend nach, sagte der Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. So wurden von den 26 Medikamenten, die die Europäische Arzneimittelagentur bis Juni 2015 unter Auflagen zuließ, nur zehn auf Basis der vom Hersteller nachgelieferten Daten in eine reguläre Zulassung überführt. Litsch fordert deshalb einen von der Pharmaindustrie zu finanzierenden Fonds, um die Zuverlässigkeit dieser Präparate möglichst rasch zu testen.

Die Turbozulassungen machen den Krankenkassen aber auch mit Blick auf ihre Ausgaben Sorgen. Der Boom trage zu einem rapiden Kostenanstieg bei, hieß es jüngst im Innovationsreport der Techniker Krankenkasse: „Vier Prozent der Verordnungen solcher und anderer Innovationen sind inzwischen für 40 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente verantwortlich“.

Neueinführungen gehen immer mehr ins Geld

Im vergangenen Jahr haben die Kassen 38,5 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben - ein Plus von 3,9 Prozent. Vor allem Neueinführungen gingen immer mehr ins Geld, seit 2011 beobachte man eine „wachsende Entkopplung“ von den Preisen anderer patentgeschützter Arzneimittel, erklärte das AOK-Institut gestern. 2016 erzielte das teuerste eine Prozent aller Arzneimittel laut dem Report rund 3980 Euro - zehn Jahre zuvor waren es nur 950 Euro.

Für die wachsenden Ausgaben macht die Krankenkasse Versäumnisse des Gesetzgebers verantwortlich. Für das erste Jahr nach der Markteinführung dürften die Pharmafirmen in Deutschland ihre Preise frei festlegen - weil das etwa in Österreich und den Niederlanden nicht erlaubt sei, lägen dort die Listenpreise 20 Prozent unter dem hiesigen Niveau, sagte AOK-Chef Litsch. Die Krankenkasse erneuerte ihre Forderung, dass die in späteren Preisverhandlungen mit den Herstellern ausgehandelten Konditionen für solche Präparate rückwirkend auch für die ersten zwölf Monate gelten sollen.

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