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„Das neue System ist gerechter“

HAZ-Serie zur Pflegerreform „Das neue System ist gerechter“

Die Pflegeversicherung steht vor der größten Reform seit ihrer Einführung vor 20 Jahren. Mit dem 1. Januar 2017 ändert sich die gesamte Systematik auf einen Schlag: Ziel des Gesetzgebers ist es, Pflegebedürftige künftig besser und genauer zu fördern, um ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

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Reform der Pflegeversicherung startet 2017: Kein Bedürftiger soll mehr durch das Raster fallen

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Lange hat die Politik über den Abschied vom Prinzip „Satt und sauber“ debattiert – nun soll er tatsächlich kommen. „Das neue System ist gerechter“, sagt Matthias Ernst, zuständiger Geschäftsbereichsleiter beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Niedersachsen. „Es berücksichtigt den Alltag der Pflegebedürftigen besser.“

Demenzkranke sind benachteiligt

Bisher gibt es drei Pflegestufen – der Maßstab für die Eingruppierung ist ein in Minuten gemessener Hilfebedarf. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich körperliche Einschränkungen. Wer sich  noch allein waschen und anziehen kann, sonst im Alltag aber ohne Betreuung nicht mehr zurechtkommt, wird im geltenden System benachteiligt. Das gilt insbesondere für die wachsende Zahl Demenzkranker.

Das ändert sich künftig: Von Januar an gelten fünf Pflegegrade – dann geht es nur noch darum, zu welchen Tätigkeiten Pflegebedürftigen ohne Hilfe noch in der Lage sind. Entscheidend ist der Grad der Selbstständigkeit: „Wenn sich ein Mensch nicht mehr selbst ein Butterbrot machen kann, ist es doch unerheblich, ob er es aufgrund von Bewegungseinschränkungen nicht kann oder weil er vergessen hat, wie es geht“, sagt der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann.
Aktuell bekommen knapp drei Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung – sie werden automatisch in das neue System übernommen und müssen sich um nichts kümmern. Versicherte, die bis zum Jahresende einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen, werden noch nach dem jetzigen System eingestuft. Wer seinen Antrag im nächsten Jahr abschickt, wird nach den neuen Kriterien begutachtet. „Niemand muss sich Sorgen machen“, sagt Geschäftsbereichsleiter Ernst. „Es wird keiner schlechter gestellt – der Gesetzgeber lässt sich die Überleitung richtig etwas kosten.“

Mehr Geld für Umbau von Wohnungen

Das gilt auch für die neuen Geldleistungen. Schon das Erste Pflegestärkungsgesetz brachte die Bezahlung von Einkaufshilfen oder Begleitern für Arzt- oder Friedhofsbesuche. Nun gibt es auch für mehr Pflegebedürftige Geld zum Umbau der Wohnungen, für Treppenlifte oder barrierefreie Badezimmer. Auch das dient dem Ziel, Pflegebedürftige so lange wie möglich in ihrem häuslichen Umfeld zu betreuen. Gleiches gilt für die Besserstellung pflegender Angehöriger, für die in bestimmten Fällen höhere Rentenbeiträge gezahlt werden.

Auch für Heimbewohner bringt die Reform Vorteile: Sie haben künftig die Garantie, dass sich ihr Eigenanteil an den Unterbringungskosten auch bei zunehmender Pflegebedürftigkeit nicht erhöht. Derzeit wehren sich viele Bewohner aus Furcht vor steigenden Kosten gegen eine neue Begutachtung, obwohl sie eigentlich mehr Pflege bräuchten.

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