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Deutschland / Welt Nur jeder fünfte Fernzug der Deutschen Bahn fährt nach Plan
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07:16 21.01.2011
Verspätungen waren bei der Bahn im Wintermonat Dezember – wie hier in Osnabrück – gang und gäbe. Quelle: dpa (Archiv)
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Das Winterchaos bei der Deutschen Bahn hat weit größere Dimensionen als bisher bekannt. An manchen Tagen fuhr nur noch jeder fünfte Fernzug laut Fahrplan. In der Weihnachtswoche lag die Pünktlichkeit aller ICE- und IC-Züge unter 30 Prozent. Das geht aus der Originalstatistik der DB-Netzleitzentrale hervor, die der HAZ vorliegt.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und die Bahnspitze bringt das Papier in Argumentationsnot. Denn die interne „Information zur Betriebslage“ der DB Netz weist nach, dass der Konzern und der Minister das extreme Fahrplan-Desaster im Dezember beschönigt haben. In der Woche vom 13. bis 19. Dezember fuhren demnach nur 40,3 Prozent aller Fernzüge pünktlich, in der Woche darauf sogar nur 29,8 Prozent.

Noch Mitte der Woche hatte Ramsauer dem Verkehrsausschuss des Bundestags einen Bericht zum Winterchaos vorgelegt, der zwar deutliche Kritik an der Bahn übt. Das Ausmaß des Desasters aber wird verschwiegen. Stattdessen heißt es verharmlosend: „Im Fernverkehr sank die Pünktlichkeit sogar tageweise unter 70 Prozent.“ Das erweckt den Eindruck, es ginge um Ausnahmen.

In Wirklichkeit jedoch schaffte die Bahn zwischen dem 13. und 26. Dezember an keinem einzigen Tag im Fernverkehr eine höhere Pünktlichkeit als 56,5 Prozent. Nur an zwei Tagen fuhren mehr als die Hälfte der ICE und IC gemäß Fahrplan. An sieben Tagen waren weniger als 30 Prozent der Fernzüge pünktlich. Am 26. Dezember sank die Quote auf den Tiefstwert von 20,5 Prozent.

Damit steht fest: Die Pünktlichkeit sank nicht „tageweise unter 70 Prozent“, wie Ramsauers Bericht behauptet, sondern lag durchgehend deutlich darunter. Der Minister stützte sich bei seinen Angaben jedoch – offenbar ungeprüft – auf Angaben der Bahn: Der Konzern wählt in seinem achtseitigen Bericht zum Winterchaos ans Parlament dieselbe Formulierung.

Offiziell verweigert die Bahn seit Jahren detaillierte Angaben zur Pünktlichkeit ihrer Züge. Diese Geheimniskrämerei hat unter dem früheren Vorstandschef Hartmut Mehdorn mit Blick auf den geplanten Börsengang begonnen, Nachfolger Rüdiger Grube führt sie fort.

Als unpünktlich gelten zudem nur Züge ab einer Verspätung von fünf Minuten. Nur einmal im Jahr wird ein Pauschalwert veröffentlicht. Ein Bahnsprecher betonte auf Anfrage, dabei bleibe es auch und verweigerte Aussagen dazu, an wie vielen Tagen im Dezember die Pünktlichkeit unter 70 Prozent lag.

Opposition und Bahnexperten fordern ein Ende der Heimlichtuerei. „Die Pünktlichkeitsstatistik muss endlich offengelegt werden und nachprüfbar sein“, verlangt der Verkehrssprecher der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter. Solange die Statistik unter Verschluss liege, könne die Bahn Verspätungen beschönigen und die Öffentlichkeit an der Nase herumführen. Auch der Chef des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, verlangt die Offenlegung der Pünktlichkeitswerte. Aussagen, die Fernzüge seien im Winterchaos nur „tageweise“ besonders unpünktlich gewesen, seien unglaubwürdig: „Jeder Bahnfahrer erlebte doch, dass wochenlang der Ausnahmezustand herrschte.“

Thomas Wüpper

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