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Opel wird wieder zum Merkel-Thema

Autobauer Opel wird wieder zum Merkel-Thema

Die Opel-Führung hat keine Klarheit über die Zukunft des Unternehmens geschaffen: Auf einer ohnehin geplanten Betriebsversammlung wiederholte Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke vor rund 6000 Beschäftigten lediglich, dass die kursierenden Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf durch den Mutterkonzern General Motors reine Spekulation seien.

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Sucht GM den Ausgang bei Opel? In Rüsselsheim fürchtet man wieder den Verkauf.

Quelle: dpa

Hannover/Frankfurt. „Warum hat er nicht gesagt, dass Opel nicht zum Verkauf steht?“, fragte hinterher ein Vertrauensmann der Arbeitnehmer. Auch Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz konnte kein Licht ins Dunkel bringen, weil er weder von GM in Detroit noch aus der Europazentrale klare Aussagen bekommen hatte.

Franz hofft nun darauf, dass die Bundesregierung sich für das Unternehmen einsetzt. Kanzlerin Angela Merkel habe „großes Verständnis“ für die verunsicherten Mitarbeiter, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie arbeiteten gut, hätten Fortschritte bei der Etablierung ihrer Marke gemacht und Marktanteile gewonnen. „Sie haben verdient, dass diese Leistung gewürdigt wird und Sicherheit für die Zukunft verschafft.“ Direkten Kontakt zur GM-Zentrale gab es aber offenbar noch nicht.

Merkel hatte sich 2009 für einen Verkauf Opels an den Zulieferer Magna und die russische Sberbank stark gemacht, als sich GM unter dem Druck der eigenen Probleme von der deutschen Tochter trennen wollte. Als die Amerikaner aus der Insolvenz kamen, kippten sie den Plan wieder und wollten Opel selbst sanieren. Zwar stiegen zuletzt Absatz und Marktanteile, aber die Verluste sind weiter hoch. Der neue GM-Chef Dan Akerson, ein Finanzmann ohne Bezug zur Autoindustrie, hat schon mehrmals deutlich gemacht, dass er die Geduld mit dem Europa-Geschäft verliere.

„Es gibt ernst zu nehmende Hinweise, dass GM sich von Opel trennen will“, sagt ein Branchenkenner, oder schlicht: „Die haben die Nase voll.“ Neben den geschäftlichen Problemen spiele dabei auch eine Rolle, dass man sich in Detroit mit der Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Deutschland extrem schwer tue. In der jahrelangen Krise des Autobauers mit mehrmals wechselnden Chefs ist Betriebsrat Franz nach innen und außen zur prägenden Figur bei Opel geworden. Am Freitag forderte er erneut, die Marke in den Wachstumsmärkten Russland und China zu stärken.

In China dürften auch die einzigen Kaufinteressenten für Opel sitzen. Vor allem der Schanghaier Staatskonzern Saic, der bereits Gemeinschaftsunternehmen mit GM und VW betreibt, drängt auf die westlichen Märkte. Beim GM-Börsengang haben die Chinesen jüngst eine kleine Beteiligung gekauft – auf mehr verzichteten sie wegen politischer Widerstände in den USA.

Die „Auto Bild“ hatte berichtet, dass die Bundesregierung einen Einstieg der Chinesen bei Opel verhindern wolle und dabei auf die Hilfe von VW setze. In Wolfsburg äußert man sich dazu nicht. „Das wird irgendwann ein Politikum“, heißt es in Konzernkreisen, entsprechend vorsichtig wird agiert. Allerdings sei kaum vorstellbar, wie die Kanzlerin den VW-Vorstand von einer solchen Hilfsaktion überzeugen solle. Opel habe VW weder technologisch noch in der Markenpositionierung noch beim Vertriebsnetz etwas zu bieten: „Das ergibt an keiner einzigen Stelle Sinn.“

Andere Branchenkenner bezweifeln trotz des beredten Schweigens in Detroit, dass GM wirklich die mehr als 80-jährige Verbindung zu Opel lösen wolle. Vor allem die Entwicklungsleistung der Ingenieure aus Rüsselsheim sei eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des gesamten Konzerns, meinen sie. Viele GM-Modelle bauen auf den Opel-Entwicklungen auf, das könne man nicht einfach ersetzen.

Allerdings ticke Akerson möglicherweise anders, halten US-Beobachter dagegen. Opels Stärke in den stagnierenden Märkten West- und Mitteleuropa sei ihm weniger wichtig als Wachstum in China, Russland und den Schwellenländern. Und dort könnte GM auch mit in Korea entwickelten Autos punkten, die unter der Marke Chevrolet in Europa nur ein Nischendasein führen.

Stefan Winter und Klaus Dieter Oehler

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