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Pelikan gönnt sich zwei Zentralen

Nach Herlitz-Kauf Pelikan gönnt sich zwei Zentralen

Nach dem Herlitz-Kauf bleibt die hannoversche Verwaltung von Pelikan erhalten. Derweil hofft das Werke Peine auf neue Aufträge von der neuen Tochter.

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„Das Geschäft muss profitabel sein“: Die Pelikan-Verwaltung in Hannover.

Quelle: Rainer Surrey

Faleknsee/Hannover. In einem Flügel des Herlitz-Gebäudes in Falkensee am Berliner Stadtrand kommen die Malblöcke von Pelikan und Herlitz aus der gleichen Maschine. Unterschiedlich ist nur das Titelblatt – und der Markenname. „Das könnte man vielleicht auf einen Artikel fokussieren“, sagt Daniel Frankenberg. Als Vertriebsdirektor der Pelikan Vertriebsgesellschaft ist er dafür verantwortlich, dass die gemeinsame Vermarktung der Produkte in Gang kommt.

Zum 1. März hat Pelikan den Vertrieb und die zugehörigen Verwaltungsfunktionen von der Schwesterfirma Herlitz PBS aus Falkensee übernommen. Ziel ist es, die Produkte auch bei den Händlerkunden der jeweiligen anderen Marke in die Regale zu bringen und dadurch den Absatz zu steigern. Aber es soll auch gespart werden – etwa durch die Ausdünnung der Sortimente. Bisher zählen Pelikan und Herlitz jeweils 6000 unterschiedliche Artikel. In welchem Umfang das geschehen soll und was die Folgen für die Arbeitsplätze sind, dazu wollte der Geschäftsführer der Pelikan Vertriebsgesellschaft, Torsten Jahn, nichts sagen. Man habe noch nichts entschieden. Pelikan selbst hat vor zwei Jahren sein Sortiment unter die Lupe genommen und 20 Prozent der Artikel rausgeworfen.

Parallel wurden 100 von 500 Stellen in der Verwaltungszentrale in Hannover und im Werk in Peine gestrichen. Das solle aber keine Blaupause für einen eventuell anstehenden Jobabbau in Falkensee oder in Niedersachsen sein, betonte Jahn. Noch beschäftigt Herlitz in Falkensee inklusive der Außendienstler 700 Leute – plus die knapp 230, die nun zu Pelikan übergewechselt sind. Klar ist aber auch, dass der Vertriebszweig von Herlitz wie das gesamte Unternehmen im letzten Jahr wieder einmal Verluste geschrieben hat. „Das Geschäft muss profitabel sein“, sagt Jahn.
Er bestätigte zugleich, dass es eine Doppelzentrale für den Vertrieb in Hannover und Falkensee geben solle. „In Falkensee gibt es viel Know-how, das ich behalten will“, sagt er. Es wäre falsch, sich auf den einen oder anderen Standort zu konzentrieren. Die 150 Jobs in Hannover sollen demnach vorerst erhalten bleiben. An seinem Gründungsstandort ist Pelikan allerdings nur noch mit Büros vertreten – als Mieter.

Während das Traditionshaus in Peine noch viele Produkte selbst herstellt, ist die traditionsreiche Firma Herlitz mittlerweile zum Logistikbetrieb mutiert. Nur noch 35 Mitarbeiter in Falkensee arbeiten in der Produktion – die meisten packen Büroartikel in Kartons für den Fachhandel um oder fahren mit schellen Gabelstaplern Paletten durch die Gänge. Herlitz hat auch die Logistik für Pelikan übernommen, die bis 2010 noch in Hannover erledigt wurde.

Von den Produkten dagegen kauft das Unternehmen fast alles zu. Neben der Minifertigung in Falkensee gibt es noch eine Fabrik im polnischen Poznan (Posen) mit weniger als 200 Beschäftigten. Ein Aktenordnerwerk im südbrandenburgischen Peitz mit 300 Beschäftigten hat der Konzern 2012 veräußert. Auch ein Verkauf des Gebäudes in Falkensee, um es anschließend zu mieten, sei nicht ausgeschlossen, sagt Frauke Wandrey, Vorstandsmitglied bei Herlitz.

In Peine hoffen sie nun darauf, dass das Werk zusätzliche Aufträge von der neuen Tochter ergattern kann. Der Vorsitzende des Pelikan-Betriebsrates, Walter Dettmer, sagte: „Der Zukauf von Herlitz ist für uns positiv, denn wir haben die Chance, Artikel von Herlitz zu übernehmen, die dann hier hergestellt werden.“ Das könnte die Produktion von Schulschreibgeräten wie Füllern und von Schreibbedarf wie etwa Faserschreibern, Tintenentfernern oder Deckfarbkästen sein.“ Das werde die 250 Stellen in Vöhrum sichern, und vielleicht könnten gar neue Arbeitsplätze entstehen.

Antje Schroeder und Thomas Kröger

Traditionshäuser mit Problemen

Pelikan: Der Chemiker Carl Hornemann gründete Pelikan 1838 als Hersteller von Schreibtinte und Künstlerfarben in Hannover. In den 1980er Jahren gerät das Unternehmen ins Straucheln, wird zerschlagen und wechselt anschließend mehrfach den Besitzer. 1996 übernimmt der malaysische Investor Hooi Keat Loo das Unternehmen und gliedert die frühere Schwestermarke Geha wieder ein. Pelikan beschäftigt in Hannover und Peine gut 400 Mitarbeiter.

Herlitz : Herlitz geht zurück auf eine Papier- und Schreibwarenhandlung, die 1904  von Carl Herlitz gegründet wurde. Das Unternehmen musste 2002 Insolvenz anmelden. Drei Jahre später stiegen Finanzinvestoren ein, doch Herlitz blieb in den roten Zahlen. 2010 übernahm Pelikan die Mehrheit in Berlin, konnte aber nicht durchregieren. Deshalb musste Herlitz zuletzt sein Kerngeschäft an eine Pelikan-Tochter verkaufen.

 lr

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