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Neuer Punktekatalog entscheidet über Pflegestufe

Im Fokus Neuer Punktekatalog entscheidet über Pflegestufe

Individuelle Beeinträchtigungen und Fähigkeiten sollen zukünftig im Vordergrund der Pflegereform stehen. Dafür hat der Gesetzgeber der Sozialversicherung jetzt einen Punktekatalog erstellt, welcher sich in sechs unterschiedliche Teilbereiche gliedert und für mehr Gerechtigkeit sorgen soll.

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Die Pflegereform will durch ein neues Punktesystem gerechter werden.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Hannover. Ohne Wortungetüme kommt der Gesetzgeber in der Sozialversicherung nicht aus. Im Wettbewerb unter den Krankenkassen soll der „morbiditäts­orientierte Risikostrukturausgleich“ für mehr Gerechtigkeit bei den Finanzen sorgen - der Kern der Pflegereform ist das „neue Begutachtungsassessment“ zur Einstufung der Betroffenen in die fünf Pflegegrade. Man könnte auch schlicht von einem Punktekatalog sprechen, doch das war der Politik offenbar zu piefig.

Bisher wird der Pflegebedarf der Betroffenen in Minuten gemessen - und entsprechend eine von drei Pfegestufen vergeben. Künftig prüft der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) die individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten in sechs Modulen nach verschiedenen Kriterien, um den Grad der Pflegebedürftigkeit festzustellen. Für jedes Modul vergibt der MDK-Gutachter Punkte, die später gewichtet und addiert werden - die Gesamtpunktzahl entscheidet über den Pflegegrad. Darauf kommt es an:

Modul 1, Mobilität: Hier richtet sich der Blick auf die motorischen Fähigkeiten. Kann der Pflegebedürftige allein aufstehen, sich umsetzen und gehen? Wie steht es um Kraft, Balance und Koordination?

Beispiel: Eine 51-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt. Sie leidet unter Lähmungen im Bein; im Haus geht sie etwas unsicher am Stock. Beim Treppensteigen hilft ihr Mann. Im MDK-Gutachten würde das als „überwiegend unselbstständig“ gewertet. Das Modul fließt mit 10 Prozent in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Modul 2, kognitive und kommunikative Fähigkeiten: In diesem Punkt stellt sich der Gutachter Fragen wie: Kann sich der Pflegebedürftige räumlich und zeitlich orientieren? Wie steht es um die Beteiligung an Gesprächen und Entscheidungen im Alltagsleben? Werden Gefahren erkannt und eigene Bedürfnisse geäußert?

Beispiel: Ein 76-Jähriger ist noch gut in der Lage, seine Wünsche darzulegen - er erinnert sich aber nicht, was gestern im Fernsehen lief. Die Nachbarin, die er kurz zuvor am Gartenzaun gegrüßt hat, erkennt er durchs Fenster nicht mehr. Im MDK-Gutachten würden die meisten Fähigkeiten als „unbeeinträchtigt“ beschrieben, allerdings stünde beim Orientierungsvermögen nur „größtenteils vorhanden“.

Modul 3, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Der Gutachter prüft hier, wie es um die Selbststeuerung bestellt ist. Gibt es psychische Auffälligkeiten - etwa Anzeichen einer Depression oder aggressives Verhalten gegenüber Pflegekräften, die einen personellen Unterstützungsbedarf notwendig machen?

Beispiel: Eine 72-Jährige leidet unter Demenz, mithilfe von Angehörigen kann sie ihren Alltag gut bewältigen. Im Gespräch wirkt sie ruhig - ihr Mann berichtet jedoch, dass sie sich außerhalb des Hauses nicht mehr auskennt und bei Ärzten zuweilen um sich schlägt. Die Auffälligkeiten werden deshalb als „selten“ eingestuft. In diesem Fall ist die Bewertung für das Gutachten komplizierter, da der MDK die Punkte aus den Bereichen „kognitive Fähigkeiten“ und „Verhaltensweisen“ zusammenzieht und jeweils den höheren Punktwert mit insgesamt 15 Prozent in die Berechnung des Pflegegrades einfließen lässt.

Modul 4, Selbstversorgung: Die Gutachter achten darauf, ob die Pflegebedürftigen sich selbst anziehen und selbstständig essen und trinken können. Auch die Körperpflege spielt eine Rolle.

Beispiel: Ein 73-Jähriger ist nach einem Schlaganfall eingeschränkt beweglich. Er isst und trinkt zwar, aber seine Frau muss ihn dazu ermuntern. Auch im Bad benötigt er ihre Hilfe, beim Zähneputzen gibt sie die Kommandos. Für die Einstufung in den Pflegegrad ist dies das wichtigste Modul - es macht 40 Prozent aus. Essen etwa wird bei den Punktwerten dreifach gezählt, Trinken und Toilettengang doppelt.

Modul 5, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Aufforderungen: Wer pflegebedürftig ist, benötigt oft auch eine medizinische Versorgung. Die Gutachter gucken deshalb, ob die Betroffenen etwa ihre Arzneien noch selbstständig einnehmen können und welche Unterstützung durch Pflegedienste oder Pflegepersonen bei Arztbesuchen nötig ist.

Beispiel: Eine 86-Jährige hat Bluthochdruck und Diabetes. Die Medikamente nimmt sie selbst ein, bei der Insulingabe und beim Blutdruckmessen braucht sie jedoch Hilfe. Auch in diesem Punkt ist die Bewertung komplex: Die Gutachter berücksichtigen bei der Beeinträchtigung die Häufigkeit sowie die Art der nötigen Hilfestellungen. Dieser Bereich wird bei der Berechnung des Pflegegrades mit 20 Prozent gewichtet.

Modul 6, Gestaltung des Alltags: Hier geht es um die Frage, wie die Pflegebedürftigen generell mit ihrem Leben umgehen. Gestalten sie ihren Tagesablauf bewusst? Haben Sie Hobbys, treffen sie sich mit Freunden?

Beispiel: Ein 82-Jähriger lebt seit dem Tod seiner Frau im Seniorenheim. Die Routinen dort geben ihm Stabilität, die Freizeitangebote bieten ihm Abwechslung. Wenn er sich jedoch etwas vornimmt, vergisst er es bald wieder - die Ärzte haben eine beginnende Demenz diagnostiziert. Das Modul fließt mit 15 Prozent in die Einstufung des Pflegegrades ein.

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